Rückkehr der Space-Cowboys

Liam Gallagher läutet die zweite Runde im grossen Bruderzwist ein: Der Ex-Oasis-Sänger ging mit seiner neuen Band Beady Eye nach einem mediokren Debüt Risiken ein, überraschte mit der Wahl des Produzenten – und fand zurück zum Groove.

Den Groove wiedergefunden: Beady Eye, die Band von ex-Oasis-Sänger Liam Gallagher (zweiter von rechts).

Den Groove wiedergefunden: Beady Eye, die Band von ex-Oasis-Sänger Liam Gallagher (zweiter von rechts). Bild: zvg

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Es schien, als habe der ewige Outlaw sein Pulver verschossen. Liam Gallagher, Rockstar, Rüpel, Grossmaul, ewiger Lästerer gegen Gott, die Welt und alles dazwischen, machte nach dem kolossalen Krach mit seinem Bruder Noel und dem Ende der gemeinsamen Band Oasis unter dem neuen Namen Beady Eye weiter, hastete ein Album hin. Und dürfte sich bald verwundert die eigenen «beady eyes» – zu Deutsch: Triefaugen – gerieben haben. Vom jüngeren der Gallagher-Brüder mit gewohnt viel Trara und grosskotzigem Blabla angekündigt, geriet das uninspirierte Album «Different Gear, Still Speeding» im Vergleich mit den Oasis-Erfolgen zum kolossalen Flop. Schlimmer noch: Wenige Monate später überbot Noel Gallagher den kleinen Bruder mit einem eleganten, melodieseligen Solodebüt um Längen – in Sachen Kreativität wie auch, was den Erfolg betrifft.

Kosmischer Sound dank Sitek

Aber Liam Gallagher wäre natürlich nicht Liam Gallagher, wenn er einfach die Flinte ins Korn geworfen hätte. Was er und seine Bandkumpels mit Beady Eye Version 2.0 abliefern, überrascht dennoch. Die Ankündigung, dass die Briten mit dem US-Produzenten Dave Sitek zusammenarbeiten würden, sorgte für Stirnrunzeln: Sitek ist Mitglied der Avantgarde-Rockband TV on the Radio und bekannt für seine Arbeit mit Bands wie den Art-Punkern Yeah Yeah Yeahs und Remixe, die auch mal Richtung Free Jazz lehnen. Ein gefundenes Fressen für ein paar höhnische Nettigkeiten von Gallaghers Seite, aber kaum Nährboden für eine fruchtbare Zusammenarbeit. Möchte man meinen. Doch Gallagher beteuert, dass Sitek den Beady Eye-Sound auf dem Zweitling «BE» auf «kosmisch» getrimmt habe. Wie das klingt? Zum Beispiel so wie der Auftaktsong «Flick of the Finger». Der Groove reisst sofort mit, fette Bläsersätze steuern eine neue Dimension bei. Einzig ein denkwürdiger Refrain fehlt. «The future gets written today», trompetet Liam Gallagher. Warten wirs ab.

In abenteuerlichen Gefilden

Bald wird aber noch deutlicher erkennbar, dass Sitek Beady Eye tatsächlich in abenteuerlichere Gefilde gelockt hat. Immer wieder unterlegt er die oft mit markigen Gitarrenriffs ausgestatteten Songs mit sinistren Synthesizern und elektronischen Klangbildern. Und erzeugt so in «Second Bite of the Apple» eine erstaunliche Sogwirkung. In «Soon Come Tomorrow» reiben sich Gallaghers schnoddrig-nasaler Gesang und ein fesches Gitarrensolo an sphärischen Klängen. Und während Beady Eye in «Iz Rite» einer von Liams Lieblingsbeschäftigungen frönen – die Beatles wiederaufleben zu lassen –, scheint Gallagher, der Jüngere, dem Bruder in «Don’t Brother Me» die Hand zu reichen: «Give peace a chance, take my hand!» Vielleicht bezeichnend, dass es sich um den langweiligsten Song des Albums handelt: Versöhnlichkeit steht Liam Gallagher irgendwie nicht. Einzig Siteks psychedelische Effekte retten das Lied – strecken es aber auch auf (zu lange) siebeneinhalb Minuten.

Schliesslich ist es auch bei «Soul Love» der Groove, unterlegt mit allerlei Sitek-Elektronik, der den Song mit seiner einfachen Melodie in neue Sphären katapultiert. Der Produzent sagt, er habe sich hier einen Astronauten vorgestellt, der sich immer weiter von der Erde entfernt. So macht Sitek die Rückkehr des Space-Cowboys Liam Gallagher und seiner Bandkumpane möglich. Und diesmal sind deren Knarren frisch aufmunitioniert. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.06.2013, 09:04 Uhr

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