Poppiges und Experimentelles im nordischen Soundkleid

Zwischen den beiden Sängerinnen Ingrid Lukas und Sidsel Endresen gibt es einige Gemeinsamkeiten – und einen gewichtigen Unterschied.

Zählt zu den vielversprechendsten jungen Sängerinnen Europas: Ingrid Lukas .

Zählt zu den vielversprechendsten jungen Sängerinnen Europas: Ingrid Lukas .

(Bild: Anja Fonseka)

Gibt es am diesjährigen Winterfestival des Be-Jazz Club einen Abend, der perfekt zum Namen des Festivals passt, so ist dies der Sonntag: Die Konzerte der Norwegerin Sidsel Endresen, im Trio mit Werner Hasler und Jan Galega Brönnimann, sowie von Ingrid Lukas, der Sängerin mit estnischen Wurzeln und grossem Ensemble, ergeben ein «nordisches Highlight» zum Abschluss des Festivals. Doch die gemeinsame Herkunft aus Europas Norden ist nicht die einzige Parallele zwischen den beiden Sängerinnen.

Vergleichbare Anfänge

Sowohl im Fall von Sidsel Endresen als auch bei Ingrid Lukas spielt der Pianist Bugge Wesseltoft eine wichtige Rolle zu Beginn ihrer jeweiligen Karrieren: Bei Endresen ist das schon etwas länger her. International bekannt wurde sie Anfang der 90er-Jahre mit zwei ECM-Produktionen. Auf der zweiten, 1994 erschienenen CD «Exile» war Wesseltoft mit dabei – sowie der damals noch unbekannte Trompeter Nils Petter Molvaer. Bei der eine Generation jüngeren Ingrid Lukas ist die Zusammenarbeit mit dem norwegischen Pianisten noch nicht so lange her: Auf ihrem zweiten Album «Silver Secrets» (2011/ Universal) wirkte Wesseltoft als Mentor mit. «Ingrid Lukas gelingt es, eine einzigartige und persönliche Atmosphäre zu schaffen», schwärmt der Pianist über die Sängerin. «Zusammen mit ihrer ausserordentlich klaren Stimme und ausdrucksstarken, tiefgründigen Texten macht sie dies zu einer der vielversprechendsten jungen Sängerinnen Europas.» Neben Wesseltoft hat ein weiterer bekannter Name auf «Silver Secrets» seine Finger im Spiel: der Produzent Valgeir Sigurdsson, der etwa schon für Björk, Coco Rosie oder Feist arbeitete. «Er hat uns das passende Soundkleid angezogen», umschreibt Lukas die Zusammenarbeit mit dem Produzenten. So erstaunt es auch nicht, dass «Silver Secrets» bedeutend poplastiger und verspielter geworden ist als Lukas’ introvertiert-minimalistisches Debütalbum «We Need to Repeat» (2009/ Ronin Music).

Fundamentale Unterschiede

An diesem Punkt unterscheiden sich Ingrid Lukas und Sidsel Endresen fundamental: Während Erstere sich gerne auch in Popgefilden bewegt, hat Letztere einen ausgesprochenen Hang zum Experimentellen. Diesbezüglich hat Endresen mit dem Trompeter Werner Hasler und dem Klarinettisten Jan Galega Brönnimann zwei passende Partner, die auf der Bühne das Klangspektrum ihrer jeweiligen Instrumente gerne um knackende und knisternde Elektronik erweitern. Gemeinsam ist den Musikerinnen wiederum, dass sie vor wenigen Monaten letztmals in Bern zu hören waren – allerdings mit anderen Bands. Sidsel Endresen trat im Dezember mit dem norwegischen Elektronikduo Humcrush auf und stellt nun eine komplett neue Band vor. Ingrid Lukas wird erneut das Album «Silver Secrets» präsentieren. Diesmal hat sie aber ihre Working Band, mit der sie Ende Oktober in Bern zu Gast war, um einen zehnköpfigen Chor erweitert.

Hier die gestandene und experimentelle Sängerin Sidsel Endresen mit einer minimalistischen Triobesetzung, da die junge und popaffine Ingrid Lukas mit einem üppigen Ensemble – es wird interessant sein, zu hören, ob die Gemeinsamkeiten oder die Unterschiede überwiegen.

Berner Zeitung

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