Bern

«New York hat gute Musiker»

BernWohl jeder Jazzmusiker träumt von New York. Die Metropole ist das Jazzmekka. Sich dort zu behaupten, ist aber nicht einfach, erzählt der junge Gitarrist Mike Rood. Er studiert im Big Apple und spielte am Jazzfestival Bern.

Junge New Yorker in Bern: Gitarrist Mike Rood (links) und Sängerin Sarah Charles mit Begleitmusikern.

Junge New Yorker in Bern: Gitarrist Mike Rood (links) und Sängerin Sarah Charles mit Begleitmusikern. Bild: Iris Andermatt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist kalt im Jazzzelt im Garten des Hotels Innere Enge. Auf der noch spärlich beleuchteten Bühne richten sich fünf junge Musiker ein für den Auftritt am Abend. Der Saxofonist Tom Finn spielt sich flink durch Tonleitern rauf und runter. Darrell Smith, ein junger Mann in Anzug und Krawatte, sitzt hinter dem Schlagzeug und schraubt am Hi-Hat herum. Etwas verspätet hastet der Bassist Elad Muskatel hinein und packt seinen Kontrabass aus. Derweil besprechen die Sängerin Sarah Charles und der Gitarrist Mike Rood letzte Details. Alle sind sie um die zwanzig Jahre alt und studieren an der New School for Jazz in New York. Während sich am Jazzfestival Bern auf der grossen Bühne die Weltstars die Klinke in die Hand reichen, wechseln sich im Zelt im Wochenrhythmus Jazzstudenten aus New York ab. Letzte Woche war es das Sarah Charles/Mike Rood Quintet, in diesen Tagen übernehmen fünf Kommilitonen die Bühne.

Alle wollen nach oben

Am Nachmittag vor der Probe; Mike Rood lehnt sich in der Hotellobby im Sofa zurück. Der Gitarrist trägt ein ausgebeultes Jackett, sein blondes Haar hat er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Während er erzählt, wie schwierig es ist, als junger Musiker in New York Fuss zu fassen, streicht er mit der Hand durch seinen Dreitagebart. «Wenn du dich entscheidest, in New York zu studieren, musst du einfach bereit sein, den harten Wettbewerb aufzunehmen. Es gibt unendlich viele gute Musiker dort. Und sie alle wollen nach oben», meint Rood. Er selbst ist bereit dafür und träumt von einer Karriere, die ihn dereinst regelmässig rund um den Globus führen wird. So weit ist er aber noch nicht. Und der Auftritt hier in Bern ist die Ausnahme, die möglich wurde durch die Zusammenarbeit der New School for Jazz mit dem Jazzfestival Bern. Die besten Studierenden der Schule dürfen sich während einer Woche auf der Zeltbühne dem Publikum vorstellen. Zum dritten Mal schon läuft dieser Austausch.

Unterdessen ist es im Zelt wärmer geworden. Die Musiker sind zurück vom Abendessen und beginnen das erste Set mit vielen Jazzstandards, dazwischen einige Eigenkompositionen. Im Publikum herrscht ein Kommen und Gehen. Während einige konzentriert zuhören, bestellen andere an der Bar ein Bier oder unterhalten sich mit gedämpfter Stimme. Nach einem besonders gelungenen Solo von Tom Finn gibt es etwas Applaus. Als auf der Hauptbühne das Konzert von Jack DeJohnette beginnt, leert sich das Zelt merklich.

Regen begleitet Musik

Obwohl die fünf Jazzstudenten nur gerade eine Woche in Bern sind, haben sie tagsüber jeweils etwas Zeit gehabt, sich in Bern umzuschauen. Einmal waren sie mit dem Barkeeper auf dem Gurten, ein anderes Mal haben sie sich den Bärengraben angesehen, erzählt Sarah Charles. Und Rood ergänzt: «Bern, das ist eine ganz hübsche kleine Stadt.» Sein Fazit klingt wenig überzeugend, und er gibt zu verstehen, dass er die Stadt im Vergleich zu New York, wo er studiert, doch eher langweilig findet.

Schnurstracks nach Hause

Mitten im letzten Set – beim Konzert auf der Hauptbühne ist gerade Pause, und das Publikum strömt ins Zelt – taucht auf einmal Jack DeJohnettes Pianist George Colligan auf und setzt sich für ein Duo mit der Sängerin Sarah Charles ans Piano. Und während der Regen als Begleitung aufs Zeltdach trommelt, spielen die beiden «Corcovado» des brasilianischen Bossa Nova Komponisten Antonio Carlos Jobim.

Nach dem Konzert verweilen die Nachwuchsmusiker nicht mehr lange an der Bar, denn schon am nächsten Tag fliegen sie wieder nach New York zurück. Nur der Bassist Elad Muskatel bleibt noch etwas länger. Er spielt nochmals in Bern, zusammen mit vier anderen Kommilitonen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.05.2010, 09:25 Uhr

Jazzfestival Bern

Das Jazzfestival Bern dauert noch bis 22.Mai. Auf der Hauptbühne spielt diese Woche (bis Samstag) das McCoy Tyner Quartet, auf der Zeltbühne tritt das Rotem Sivem Quintet auf.

•www.jazzfestival.ch

Sponsored

Ein Hauch Kalifornien in der Westschweiz

Lausanne wird immer wieder mit San Francisco verglichen. Was daran stimmt, sagt Yves Béhar, Designer des 100-Dollar-Laptops.

Blogs

Foodblog Meine erste Wurst

Die neuen Nachbarn

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Die Welt in Bildern

Süsse Handarbeit: In der Schokoladenfabrik 'La muchacha de los chocolates' platziert ein Arbeiter eine Kirsche in eine mit Schokolade ausgekleidete Form. (21. Juli 2017)
(Bild: Andres Stapff) Mehr...