Mit einer Flamme im Herzen

Violinistin Gwendolyn Masin zeigt auf ihrem achten Album «Flame», wie stark das Feuer für Bekanntes wie Neuentdecktes brennen kann. Duopartner Simon Bucher begleitet federleicht am Piano.

Feuriges Duo: Violinistin Gwendolyn Masin und Pianist Simon Bucher.

Feuriges Duo: Violinistin Gwendolyn Masin und Pianist Simon Bucher. Bild: zvg

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Zurücklehnen verboten, diese Musik verlangt Konzentration. Was vordergründig als sanfte Salonmusik daherkommt, ist ein sensibles und dichtes Geflecht an emotionaler Tonschöpfung. Eine Achterbahn der Gefühle, meist nur für wenige Minuten lang pro Stück, dafür kompakt und konzentriert.

Gwendolyn Masin verführt mit ihrem virtuosen Violinspiel in eine Welt, die manchmal ein zartes Versprechen ist und im nächsten Moment mit spitzen Tönen oder flirrenden Kaskaden das Ende eines schönen Traums ankündigt. Der Mann am Piano heisst Simon Bucher, Masin bezeichnet ihn als Duopartner. Sein erstklassiges Spiel ist federleicht und präzis.

Die beiden sind seit zwanzig Jahren befreundet, und das Projekt «Flame» ist auch eine Aufforderung, sich bei der Hinwendung zum Schönen mehr Zeit zu geben. Angesprochen auf den flammenden Titel des Albums, sagt Gwendolyn Masin: «Schlagwörter sind für mich wichtig, sie fassen die Auswahl der Stücke ­zusammen und legen die Umstände dar, wie sie entstanden sind.»

Ein Feuer aus Erinnerungen

Die Holländerin mit osteuropäischen Wurzeln spricht die Komponisten und ihre Werke an, die im Fin de Siècle und Anfang des 20. Jahrhunderts gewirkt haben: bekannte Namen wie Claude Debussy, Igor Strawinsky, Maurice Ravel und Gabriel Fauré, aber auch weniger populäre wie Karol Szymanowski und Olivier Mes­siaen. Mit ihnen sind brennende Erinnerungen verknüpft.

Masin erläutert das so: «Debussy wusste bei seiner Sonate in g-Moll, dass er unheilbar krank war, Strawinsky war während des Komponierens für den ‹Feuervogel› sehnsüchtig nach mehr Auftritten, und Fauré beschreibt in ‹Après un rêve› die schmerzliche Leere nach einem Liebestraum.» Die schwierigen Zeiten der Musiker schlagen sich in der Musik nieder, die Palette ist breit und reicht von chromatisch flehenden Seufzern bis hin zu schroffen Stakkati. Die Einspielungen sind vor allem französisch geprägt.

Gwendolyn Masin hat sich Komponisten ausgesucht, die Kinder einer Zeit ­waren, in der Fantasie über Konkretem stand und die Grenzen zwischen Sein und Schein verflossen. Das Label Orchid Classics gab der Geigerin und ihrem Pianisten bei der Zusammen­stellung die Carte blanche. ­Gwendolyn Masin hielt es ähnlich wie beim jährlich stattfindenden Musikfestival Gaia in Oberhofen, das sie 2006 gründete: «Unser Album ist ein Mix, der bekannte Perlen und selten gespielte Raritäten umfasst.»

Zum Geburtstag viel Musik

Besonders stolz ist sie auf die Einspielung «Chant de Roxane» aus der Oper «King Roger» von Szymanowski: «Sie wird selten in einem Konzertsaal gespielt.» Nächsten Samstag kann man sich im Yehudi Menuhin Forum an der Plattentaufe berauschen lassen von Gwendolyn Masins Vio­linenträumereien und Simon Buchers subtiler Begleitung am Piano.

Heidi Maria Glössner wird zu den fieberhaften Liedern, die gewisserweise auch Gedichte sind, Geschichten erzählen. Für feurigen Flamenco sorgt Alicia Lopez. Das Album kommt am 17. November auf den Markt, an diesem Tag feiert Gwendolyn Masin ihren 40. Geburtstag.


Gwendolyn Masin und Simon Bucher, «Flame», Plattentaufe:
Sa, 4. 11., 20 Uhr, Yehudi Menuhin Forum. Tickets: ticketmaster.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.11.2017, 14:38 Uhr

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