Mit dem Velohelm an den «Bärn Jam»

Bern

Wenn am Wochenende in der Reithalle die 5. Ausgabe des «Bärn Jams» steigt, zieht unter anderem Baldy Minder im Hintergund die Fäden. Der Chlyklass-Manager im Interview.

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Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Seit der Geburtsstunde des Berner Raps Ende der 90er Jahren ist er nicht mehr aus der Szene wegzudenken. Baldy Minder, Manager der legendären Wurzel 5 und des Kollektivs Chlyklass, Gründer des gleichnamigen Musiklabels und stadtbekannter Lebemann. Der 36-jährige Mitorganisator des «Bärn Jams» und dreifacher Familienvater im Interview zwischen Velohelmkauf und einer Fahrt auf dem Trottoir, die dank einer freundlichen Polizistin, die ein Auge zudrückt, glimpflich ausgeht.

Seit 1995 findet der «Bärn Jam» erst zum fünften Mal statt. Warum in so unregelmässigen Abständen? Es ist in der Tat sehr unregelmässig. Das hängt damit zusammen, dass die Organisatoren gewechselt haben und dass so eine Event ein rechter Kraftakt ist. Es ist eine Riesensache, weil alle Elemente des Hip Hops (Anmerk. der Red.: Sprayen, Graffiti, Breakdance, Rappen, DJing) abgedeckt sind und man dabei nicht gross Geld verdienen kann. Ausserdem muss man viel Freizeit opfern.

Solche Events, bei denen Rap, DJing, Sprayen und Breakdance vereint werden, sind zur Seltenheit geworden. Warum funktioniert das in Bern noch? Weil wir hier seit den Ursprüngen eine Szene haben, die auf Konstruktivität und Zusammenarbeit aufbaut. Es hat nie gross Konflikte gegeben. Wir haben, wie im Hip Hop üblich, den Konkurrenzkampf jeweils kreativ ausgetragen. Offensichtlich kreativer als in anderen Städten.

Böse Zungen behaupten immer wieder, dass nach Wurzel 5 und Chlyklass keine Rap-Crew mehr kam, die in der selben Liga mitspielen konnte. Ich finde das falsch. Es gibt immer wieder Phasen ohne Releases. Da ist es einfach, von einem Vakum zu sprechen. Aber da waren zum Beispiel die Alben von Tommy Vercetti, Lo&Leduc und Webba, die schweizweit grosse Beachtung erhielten. Aber gleichwohl ist eine gewisse Breitenwirkung im Berner Rap verloren gegangen. Es ist wieder szeniger geworden.

Am Wochenende gibt es ein regelrechtes Wiedersehen der alten Berner Rapgarde. Was hat der Event für junge Hip Hop-Fans zu bieten? Viele aufstrebende jüngere Acts, an denen sie näher dran sind. Ich denke, wir haben den Spagat zwischen Newcomern wie Teiler Gang, 45 Degré oder Via Kallisto und Rap-Urgesteinen wie Chlyklass oder Tafs gut hingekriegt.

Wie lange wird Baldy Minder noch seine Finger im Spiel haben bei Berner Hip Hop-Events? Ich werde der Szene bestimmt erhalten bleiben. Halte aber meine Augen immer bisschen offen nach neue Herausforderungen. Schliesslich bin ich auch schon 36 Jahre alt und Vater von drei kindern. Aber die Plattentaufe meiner Acts und das alljährliche Ultimate MC battle werde ich weiterhin organisieren.

Sie haben vorhin gesagt, dass Sie noch schnell einen Velohelm kaufen musst. Mit der Zeile «U immer schön dr Heum a bim Velofahre» rappt ja auch Diens auf seinem Album «Schwarzmale» über das Älterwerden. Gehören Baldy Minder und Wurzel 5 nicht langsam zum alten Eisen im Nachtleben? Defintiv. Aber wir haben ja auch viele Fans, die mit uns älter geworden sind. Aber natürlich ist es eine andere Herangehensweise, wenn man jetzt so einen Event organisiert und eigentlich gar nicht mehr die ganze Nacht Party machen will.

Der «Bärn Jam» findet am Freitag 13. und Samstag 14. September in der Reitschule statt. Weitere Infos unter: www.dachstock.ch/nc/program.html

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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