Konsequent neben den Trends

Ruhe statt Sturm, Klang statt Drang. Die Berner Band Albanello setzt auf ihrem ersten Album seit zehn Jahren auf alternativen Pop und Atmosphäre.

Albanello: Videoclip zu «Stay on Ground».

Laute Töne und Hast sind nicht das Ding von Albanello. So liess sich die Formation um den Berner Sänger Antonio Albanello, welcher der Band nicht nur seinen Namen, sondern auch unzählige Songideen geliehen hat, gut zehn Jahre Zeit für ihr neues Album. Entsprechend aufgeräumt, ausgereift und selbstbewusst tönen die 13 Songs auf «Back To The Start». Wer sich so konsequent neben den Trends bewegt, braucht Mut. Albanellos schlichte und doch grossformatige Songs, die ihre Wurzeln im Gitarrenpop der 1980er haben und von fern an vergessene Lieblingsbands wie Prefab Sprout oder The Church erinnern, sind alles andere als aufdringlich. Albanello ist keine Band mit Eroberergen. Sie wartet lieber darauf, entdeckt zu werden, sie ist nicht aufs schnelle Abenteuer aus, sondern setzt immer noch auf die grosse Liebe.

Moderate Molltöne

Songwriter Albanello, der die Berner Musikszene seit über zwanzig Jahren mit seinen eigenwilligen musikalischen Projekten bereichert, pocht auf die Leidenschaft, die in der Musik stecken muss. Eine Leidenschaft, die hörbar ist, auch wenn die Tempi hier moderat und die Töne meist in Moll gespielt werden, auch wenn der Sänger kaum je aus seiner Ruhe ausbricht, sondern unbeirrbar wie ein Autopilot durch die Melodien führt, die ihre Weiten erst nach mehrmaligem Hören öffnen. Albanello selber spricht von Klanglandschaften und Wolkentürmen – es ist die Atmosphäre, die ihn interessiert. Eine Atmosphäre, die nur entstehen kann, wenn genügend Platz für die Imagination der Zuhörenden gelassen wird.

Profilierte Musiker

Keine Angst: «Back To The Start» ist keine belanglos vor sich hinwabernde Esomusik. Dazu sind Albanello zu stark im Leben verwurzelt, dazu sind die Melodien zu lakonisch. Nicht zu vergessen, dass einige der profiliertesten Berner Musiker in dieser Band spielen: Marc Gerber greift sonst für Polo Hofer in die Saiten, Tinu Gerber war in bewegten Jahren Bassist bei Züri West. Live wird das Trio verstärkt vom Keyboarder Bruno Benedetti (früher Central Cervices) und von dem versierten Drummer Manuel Pasquinelli. «Here we are again» insistieren Albanello im Song «Again» – immer und immer wieder. Und tatsächlich: Wer sich einmal auf dieses Comeback einlässt, kriegt es so schnell nicht mehr aus dem CD-Player.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...