Gut gewappnet für den Herbst

Mit «Homeless Songs» bringt Stephan Eicher heuer schon sein zweites Album heraus.

Gitarre und Piano stehen auf Stephan Eichers neuem Album im Vordergrund.

Gitarre und Piano stehen auf Stephan Eichers neuem Album im Vordergrund.

(Bild: Susanne Keller)

Marina Bolzli@Zimlisberg

Es ist das Jahr von Stephan Eicher. Nach langer Funkstille ohne «normales» Album veröffentlicht er schon das zweite in diesem Jahr. Im Februar erschien «Hüh!» mit dem Berner Traktorkestar, heute folgt «Homeless Songs». Es sind 14 Miniatüren, die sich nicht so leicht einordnen lassen. Viele davon sind zwei Minuten kurz oder gar kürzer, andere unübliche sechs Minuten lang. Stephan Eicher nimmt nicht auf Bedürfnisse von Radiostationen und Streaminglisten Rücksicht.

Was diese Kleinode vereint, ist – natürlich – die Melancholie. Die jetzige Herbststimmung, wenn man am Morgen aufwacht, die Bise die Bäume schüttelt und man weiss, dass der Sommer für dieses Jahr endgültig vorbei ist. Auf den Punkt bringt das «Niene dehei» mit einer feinen Momentaufnahme: «Ä Zug, wo fahrt dürd Nacht; dr Tag, wo z lut erwacht; ä Frou, wo lisli singt; äs Tief, wo Räge bringt.» Geschrieben hat diesen Text Eichers guter Freund Martin Suter. Mit dem Autor hatte der Berner Barde 2017 das Album «Songbook» beim Literaturverlag Diogenes veröffentlicht. Und auch «Homeless Songs» ist damals schon entstanden – wegen eines langwierigen Streits mit Eichers Plattenfirma erscheint es aber erst jetzt.

Die Texte sind auf Französisch, Berndeutsch und Englisch gesungen. Viele geschrieben von Suter oder vom französischen Autor Philippe Djian, einem weiteren langjährigen Freund von Eicher. Die Instrumentierung ist sachte, oft vor allem mit Gitarre und Piano, manchmal noch unterstrichen mit Streicherklängen oder zusätzlichen Tasteninstrumenten. Ein wichtiger Unterstützer war auch Martin Gallop. Der kanadische Musiker stand Eicher nicht nur als Studiomusiker zur Seite. Er hat auch viele der Songs mit ihm produziert.

Und nun wünscht man sich, dass der Herbst noch mehr an den Bäumen reissen möge, dass sich der Himmel entleeren möge; mit «Homeless Songs» zieht man gut gewappnet in die melancholische Jahreszeit.

Stephan Eicher: «Homeless Songs», Universal.

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