Expertin Wurst

Was macht eigentlich Conchita Wurst? Die Musikerin und Dragkünstlerin zeigte sich in Berlin wieder mal in der Öffentlichkeit – als Referentin.

Conchita Wurst (27).

Conchita Wurst (27). Bild: zvg/Makus Morian

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Die letzten Monate war Conchita meistens Tom. Denn die österreichische Dragkünstlerin komponierte, schrieb Texte und machte Aufnahmen. Die Perücke und die Aufklebewimpern liess sie dafür weg.

Nun ist Conchita Wurst, die 2014 den Eurovision Song Contest (ESC) gewann, zurück in der Öffentlichkeit. Am Samstag sitzt die 27-jährige Conchita Wurst alias Thomas Neuwirth vor einem vollen Tagungsraum in Berlin. Das Thema des «Festivals der neuen Visionäre», an dem sie auftritt: Wie wollen wir leben, lieben und arbeiten?

Ähnlich offen ist der Titel der Veranstaltung, die Wurst als Referentin bestreitet: «Frag mich alles.» Das Publikum, das nach und nach eintrudelt, ist sichtlich spannungsgeladen. Doch: Machte der ESC-Sieg Wurst zu einer Expertin? Wenn ja, auf welchem Feld denn nun; auf dem der Transsexualität, des gesellschaftlichen Protests oder doch eher der Musik?

Homophobie und Make-up

Auf keinem so wirklich, scheint es, als Conchita Wurst erst mal mit Sätzen antwortet, die aus einem beliebigen Coaching- Semi­nar stammen könnten. Während sie spricht, wirft sie schwungvoll das Kunsthaar über die Schulter, die vielen Ringe an ihren Fingern klackern, wenn sie die Hände zusammenschlägt, und das Publikum nickt eifrig. Die Inszenierung stimmt. «Durch den Erfolg am ESC habe ich gelernt, meine Kreativität ernst zu nehmen», ist eine der relevanteren Aussagen, die sie von sich gibt.

Die Publikumsfragen springen von Thema zu Thema: Von der Dragszene zum ESC-Sieg, von den verschiedenen Persönlichkeiten von Thomas Neuwirth und der Kunstfigur Conchita Wurst. Von Make-up über Homophobie in Osteuropa zur Authentizität.

Unter anderem daran droht die Referentin zu scheitern. Was Wurst zu Beginn selber antönt, bestätigt sich: Es wird erwartet, dass sie gerade wegen ihres provokativen Auftretens zu allem Stellung bezieht. Äusserlich penibel auf Perfektion bedacht, weiss sie, dass sie dem nicht gerecht werden kann. Und gibt sich kokett bescheiden: «Ich werde heute klüger hier rausgehen.»

Und was hat die Fragerei dem Publikum gebracht? Mut zum Anderssein vielleicht. Und das Beispiel einer Frau, die keine Hemmungen hat, sich zu exponieren. Auch nicht als leicht überforderte Referentin.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 06.09.2016, 11:51 Uhr

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