Ein Stück vom musikalischen Glück

Zwei Berner Sängerinnen gehen ihre eigenen Wege: Nina Gutknecht alias Lily Yellow und Myria Poffet alias Chantemoiselle bezaubern mit neuen Songs voller Melancholie, Charme und Witz.

Links: Mal schwerblütig, mal leichtfüssig: Die Berner Sängerin Nina Gutknecht alias Lily Yellow tauft am 4.März ihr Solodebüt.

Rechts: Mal beschwingt, mal traurig: Die Berner Sängerin Myria Poffet alias Chantemoiselle tauft am 4. März ihre zweite CD.

Links: Mal schwerblütig, mal leichtfüssig: Die Berner Sängerin Nina Gutknecht alias Lily Yellow tauft am 4.März ihr Solodebüt. Rechts: Mal beschwingt, mal traurig: Die Berner Sängerin Myria Poffet alias Chantemoiselle tauft am 4. März ihre zweite CD. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Glück in Sachen Musik. Nina Gutknecht findet es «in einer perfekt funktionierenden Zusammenarbeit», die ihre Platte geprägt hat. Für Myria Poffet ist es «ein wahrhaftiges und vollkommenes Wohlsein», das sie beim Musikmachen durchströmt. Zwei Frauen, zwei neue Platten, zwei Wege, dieses musikalische Glück weiterzuschenken: Nina Gutknecht, Berner Sängerin unter dem Pseudonym Lily Yellow – ein Name, der einer abendlichen Brainstorming-Runde bei einer Flasche Rotwein entsprungen ist, «ein Hirngespinst». Und Myria Poffet, Berner Sängerin unter dem Pseudonym Chantemoiselle – ein Name, der Eleganz assoziieren soll, das Gefühl «mit der Musik in die 20er-Jahre einzutauchen, in die Cabarets von Paris».

Luftig-leicht bis schwerblütig

Ja, sie sagt Nein. Ja, sie geht ihren eigenen Weg. «Yes I Say No», nennt die 27-jährige Lily Yellow, bekannt als Frontfrau der Soultruppe Gundi, ihr Debüt. Und singt im fingerschnippend luftig-leichten Titeltrack darüber, die richtige Entscheidung zu treffen. Das ist ihr mit dem stimmungsvollen Erstling auf erfrischende Weise gelungen. Produziert hat «Yes I Say No» der in Berlin beheimatete Jacob Suske (Bonaparte, Lunik). Da reiben sich Pop-Appeal und Soul-Feeling an dunklem Folk und atmosphärischem Trip-Hop und ergänzen sich doch auf wundersame Weise. Da prallt das schwerblütige «Eyes of a Stranger» auf das leichtfüssige «On and On» und die schrägen Zwischentöne von «And It Won’t Come to an End». Ist die Vielfalt Konzept? «Das pure Gegenteil», sagt Lily Yellow. Sie sei eine vielseitige Person, von diversen Stilen und Künstlern geprägt – «da ist die Vielfalt nur natürlich». Im düster-intensiven, schleppenden «Grazed by a Dream» erinnert ihre einnehmende Stimme bisweilen an Portishead-Sängerin Beth Gibbons. Es sind die stärksten Momente eines starken, reifen Debüts. Ja, wir sagen Ja zu Lily Yellow!

Anschmiegsam und zart

Ja, sie ist auf der Suche. Nach dem Glück, egal «ob riesig oder munzig». Davon singt Chantemoiselle auf dem Titelstück ihrer zweiten CD. Das Attribut «Mundart-Jazz» beschreibt ihre Musik nur unzureichend. Mit anschmiegsamer, warmer Stimme singt Myria Poffet unaufgeregte, poetische Lieder, die auf Knalleffekte komplett verzichten. Dafür sind sie mit viel Sorgfalt arrangiert und verlangen ein genaues Hinhören. Mitproduziert hat «Es Stück vom Glück» Christian Häni (Scream, Halunke). Er ist auch verantwortlich für zahlreiche Texte – über verlorene Balance im Leben («Karussell») oder Beziehungskisten («Mängisch»). «Wyt u breit ke Land» ist ein ausnehmend hübscher Popsong, «Monster» eine zart-traurige Piano-Jazzballade, «Elefante» bezirzt mit einem Scat-Ausbruch – und auch Leonard Cohens in allzu vielen Casting-Shows besudeltem «Hallelujah» gewinnt Poffet mit einer schleppend-lieblichen Version neue Seiten ab. Die Sängerin spricht von einem «grossen Entwicklungsschritt». Und betont: «Mir war wichtig, dass die Band so wirkt, als würde sie live spielen.» Das alles zaubert immer wieder Frühlingsgefühle hervor – auch wenn Chantemoiselle singt: «Es isch Früehlig, aber i has nid gmerkt.» Wir schon – dank «Es Stück vom Glück».

Zwei Wege zum Glück

Zwei Berner Platten, zwei unterschiedliche musikalische Statements. Doch ein Stück vom musikalischen Glück haben Lily Yellow und Chantemoiselle beide gefunden. Mehr noch: Sie geben es ungefiltert und mit Hingabe an die Zuhörerinnen und Zuhörer weiter. Das macht doppelt Lust auf mehr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.02.2012, 09:34 Uhr

Tourdaten:

Lily Yellow: «Yes I Say No», Prolog/Irascible. Live: 4.März, Beeflat, Progr Bern; 24.März,El Camino, Thun, u.a.

Chantemoiselle:«Es Stück vom Glück», Der Letzte Schrei Records. Live: 4.März, Mahogany Hall, Bern, u.a

Artikel zum Thema

Lily Yellow: «Ich kann mich nie entscheiden, was ich möchte»

Die 27-jährige Berner Sängerin Nina Gutknecht veröffentlicht am 10. Februar mit ihrer Band Lily Yellow, ihr erstes Soloalbum «Yes I say No». Nina Gutknecht sang schon mit Bands wie zum Beispiel Lea Lu, Baze oder Gundi. Mehr...

Newsletter

Immer die Region zuerst. Am Wochenende.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende.
Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Foodblog Falafingo und Flamingo

Gartenblog Kletterkürbis

Die Welt in Bildern

Installationskünstler: Präsentation des Werks «Der Baum, der blinzelte» vom britischen Künstler Karel Bata in einem Nachtfestival in Singapur. Das Lichtspektakel findet vom 18. bis 26. August 2017 statt (16. August 2017).
(Bild: Wallace Woon) Mehr...