Ein Abschied mit Nebengeräuschen: Chefdirigent Dinić muss gehen

Die Fusion von Stadttheater und Symphonieorchester fordert ein weiteres Opfer: Srboljub Dinić, Chefdirigent beim Musiktheater, muss das Haus nach zwölf Jahren verlassen.

Muss Konzert Theater Bern verlassen: Srboljub Dini?.

Muss Konzert Theater Bern verlassen: Srboljub Dini?. Bild: zvg/Annette Boutellier

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«Ich fühle mich wohl hier in Bern, ich kenne das Haus, und ich würde hier sehr gerne weiterarbeiten.» Mit diesen Worten äusserte sich Srboljub Dinić 2010 in dieser Zeitung über seine Zukunft in der Bundesstadt. 2010 – das war mitten in der Debatte um die Fusion von Stadttheater und Berner Symphonieorchester (BSO). Und schon damals zeichnete sich ab, dass es eng werden würde für den langjährigen Chefdirigenten und musikalischen Direktor des Hauses. Das provisorische Organigramm der neuen Institution Konzert Theater Bern sah für den fusionierten Kulturbetrieb nur noch einen Chefdirigenten vor – jenen des BSO.

Nun ist es offiziell. Was hinter den Kulissen schon länger gemunkelt wurde, ist gestern kommuniziert worden: Srboljub Dinić muss das Haus nach zwölf Jahren Ende dieser Saison verlassen. «Ich muss diese Entscheidung mit Bedauern annehmen», heisst es in der Medienmitteilung, verschickt von Konzert Theater Bern.

Kritik an Verantwortlichen

Auf Rückfrage äussert sich der Dirigent noch deutlicher: «Dieser Entscheid ist für mich unverständlich», sagt Dinić. Er habe in den letzten Jahren viel für das Stadttheater geleistet. Trotzdem habe die neue Leitung um Direktor Stephan Märki mit ihm nie ein «ernsthaftes Gespräch» über eine weitere Zusammenarbeit geführt. «Mir wurde früh signalisiert, dass ich nicht mehr erwünscht bin», sagt Dinić. Der definitive Entscheid sei ihm schliesslich im Herbst 2011 mitgeteilt worden – wohl noch bevor Tanzchefin Cathy Marston erfuhr, dass sie in Bern keine Zukunft hat.

Marstons Abgang wurde im Mai 2012 offiziell kommuniziert. Doch über Dinić schwieg man sich aus. Weshalb? «Aus unserer Sicht ist jetzt der richtige Moment, den Entscheid zu kommunizieren», sagt Susanne Schäfer, Medienverantwortliche von Konzert Theater Bern. «Wir haben uns darauf verständigt, die letzte Premiere von Srboljub Dinić abzuwarten.»

Irritierend wirkt auch etwas anderes: Dinićs Stelle wird nicht etwa gestrichen, wie dies zu erwarten war. Vielmehr wird «ab der Spielzeit 2013/2014 eine neue leitende musikalische Position im Musiktheater geschaffen» – neben jener von Opern- und Konzertdirektor Xavier Zuber und von BSO-Chefdirigent Mario Venzago. Heisst das, auch künftig werden in der gewichtigen Opernsparte drei Exponenten mitreden – und sich womöglich ins Gehege kommen?

Die neue Position sei «noch nicht genau definiert», heisst es dazu bei Konzert Theater Bern. Klar ist jedoch, dass es künftig nicht mehr zwei Chefdirigenten geben wird. Der Wunsch von Direktor Märki sei ein Modell mit einem Chefdirigenten (BSO) sowie einem ersten und einem zweiten Kapellmeister (mit weit weniger Macht und Einfluss). Am Deutschen Nationaltheater Weimar, das Märki zuvor führte, kam genau dieses Modell zum Tragen.

Aufmüpfiger Dirigent

Dinić, der mit seiner Familie in Muri wohnt, hat sich im Stadttheater vor allem als Belcanto-Dirigent verdient gemacht. Das italienische Repertoire war bei ihm meist in guten Händen – die aktuelle Produktion von Verdis «Macbeth» beweist das noch einmal.

So sinnlich-süffig sein musikalischer Stil, so direkt war seine Rhetorik, auch abseits der Bühne: 2010 dachte er in einem Interview mit dieser Zeitung laut über Fehlbesetzungen in der Opernsparte nach und griff damit den damaligen Direktor Marc Adam frontal an – wofür er hinter den Kulissen viel Applaus erhielt. Adam wollte dem aufmüpfigen Chefdirigenten damals den Laufpass geben, wurde vom Verwaltungsrat aber zurückgepfiffen.

Drei Jahre später muss Dinić nun trotzdem gehen. Unfreiwillig. In eine ungewisse Zukunft. Feste Dirigentenstellen sind rar, nicht nur in der Schweiz. Dinić spricht von einer «Übergangsphase»: Er werde vorderhand seine Engagements als Gastdirigent weiterführen. «Alles Weitere ist momentan ungewiss.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.02.2013, 07:41 Uhr

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