Der zärtliche Chindlifrässer

Das Wetter hielt, die Stimme auch: Die US-Rocker Foo Fighters zeigten am Mittwochabend in Bern alle Stärken einer guten Stadionrockband. Kraftvoll, schnörkellos und ganz schön ausdauernd.

Foo-Fighters-Sänger Dave Grohl (Archivbild).

(Bild: Keystone)

Michael Feller@mikefelloni

Hält die Stimme? «Are you fucking ready?», ruft Dave Grohl ins Stadion. Dann singt er, dann schreit er, dann schüttelt er das Haupthaar. Mit «Run» steigen die Foo Fighters ins Konzert, und ihr Sänger, mittlerweile auf dem Laufsteg unterwegs, der in die Mitte des Stadions hinausführt, lässt keinen Zweifel: Es gibt keinen Schongang. Nicht für die 35'000 Paar Ohren im Berner Stade de Suisse und nicht für die Stimmbänder des Sängers.

Noch vorletztes Wochenende mussten seine Foo Fighters ihr Konzert am Festival «Rock am Ring» auf dem Nürburgring wegen der malträtierten Stimme ihres Leadsängers abbrechen. Bern erhält die volle Dröhnung - das Publikum singt, krächzt, hüpft und schüttelt mit.

Ein Konzertbesucher filmte bei «These Days» mit. Video: Youtube/rasmi

Die sechsköpfige Band aus Seattle beherrscht die Kunst des Stadionkonzerts perfekt, soviel wird schnell klar. Dazu gehört die grosse musikalische Geste, was mit Songmaterial wie «Learn to Fly», «The Pretender» oder «The Sky Is a Neighborhood» auch unschwer zu bewerkstelligen ist. Die Band führte diese drei Hits bereits zu Beginn des Konzerts ins Meisterfeld.

A propos Meister: Auch die gekonnte Anbiederung an die Anhängerschaft des heimischen Sportclubs kann zur Not zur guten Stimmung beitragen. Justin Bieber versuchte es bei seinem letztjährigen Besuch, indem er das Young-Boys-Trikot überstreifte. Die Foo Fighters beliessen es zum Glück bei der vor Wochen getwitterten Gratulation zur Meisterlichkeit.

Eindrückliches Drum-Solo von Foo-Fighters-Drummer Taylor Hawkins. Video: Youtube/Sahli Urs

Lokalkolorit gab es am Merchandising-Stand. Nebst den üblichen Band-T-Shirts konnten Berner Fans für 50 Franken ein Foo-Fighters-Plakat mit Chindlifrässer erstehen. Die furchteinflössende Brunnenfigur hat es zur Hardrock-Ikone gebracht!

Die Stimme hielt

Dann setzte die Band auf die Kraft des Schlagzeugsolos in Kombination mit dem Effekt der Hebebühne. Schlagzeuger Taylor Hawkins trommelte sich in luftiger Höhe um Kopf und Kragen. Grosser Jubel.

Solider Stadionrock: Die Foo Fighters performen «Learn To Fly» im Stade de Suisse. Video: Youtube/rasmi

Den nahtlos anknüpfenden Song «Sunday Rain» sang er gleich selber, wobei sich Einsatz und Brillanz nicht eben die Waage hielten. Darauf sprach der bis dahin wortkarge Sänger Dave Grohl doch noch zu den Fans und bezeichnete sie mehrmals zärtlich als «Motherfuckers».

Grohls Stimme hielt. Es war ein grosser Konzertabend für ein begeistert mitsingendes Publikum, mit alten Hits aus einem Vierteljahrhundert Bandgeschichte, mit Songs vom aktuellen Album «Concrete and Gold» – und Covers von Alice Cooper bis Queen.

Die Band kam ohne Feuerwerk und anderem Brimborium, zu dem ihre Konkurrenz zwecks Stimmungsmache gerne greift, aus. Zweieinhalb Stunden lang verliessen sich die US-Chindlifrässer auf die Kraft des guten alten Hardrock-Handwerks.

Berner Zeitung

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