Der König mit dem Tee im Whiskyglas

Neues aus King Pepes Skurrilitätenkabinett. Der Berner Sänger entdeckt den Jazz – und stellt fest: «Ds Läbe isch fasch chli wines Chirschi.» Ein fruchtig-süsses im Fall von «Pepejazz». Live zu hören am Freitag in der Berner Turnhalle.

Royale Rasur: Der Berner Sänger King Pepe macht sich schick, um den Leuten «Pepejazz» zu bringen.

Royale Rasur: Der Berner Sänger King Pepe macht sich schick, um den Leuten «Pepejazz» zu bringen. Bild: zvg

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Da ist dieser Typ im Tweedsakko, mit akkurat gestutztem Schnurrbart und schick gescheiteltem Haupthaar. Er legt eine Schallplatte auf, schenkt sich aus der Kristallflasche einen Whisky ein, gibt sich geniesserisch der Musik hin. Aber halt. Warum bloss sieht das Grammofon derart selbst gebastelt aus? Ist das wirklich Whisky im Glas oder bloss falsche Tatsachen vortäuschender Eistee? Und überhaupt: Warum dudelt da so einladend nostalgisch der beschwingte Jazz der 20er-Jahre – aber dazu croont einer in breitem Berndeutsch über das Leben, das fast ein bisschen wie ein «Chirschi» ist, in das man besser reinbeisst. Denn das Körbchen, in dem die süssen Früchtchen gesammelt werden, muss man bei Petrus oben an der Garderobe eh abgeben.

Ausflug in die Brockenstube

Willkommen im Reich von King Pepe, der in besagter Aufmachung in einem Trailer Werbung für sein neues Werk macht. Der Berner Sänger, vor 35 Jahren auf den Namen Simon Hari getauft, hat nach zwei Alben voller querer Mundartsongs und einem heimlichen Hit namens «Büssi» den Jazz entdeckt. Und zwar dank einem Ausflug in die Brockenstube. Dort fand er alte Schellackplatten mit Big-Band-Jazz aus den 20ern – «dem Unterhaltungsbrunz von damals, wie Jazzer heute sagen würden», erklärt King Pepe. Er hingegen fand Gefallen an Songs wie «Life Is Just a Bowl of Cherries». Also überlegte er sich, wie das bei ihm lauten würde. So erblickte «Chirschi» das Licht der Welt.

Mit berndeutschem Text und vom alten Jazz stibitzter Musik. «Die hatten damals die lustige Angewohnheit, erst das ganze Stück ohne Text zu spielen – nach etwa 50 Sekunden setzte dann der Sänger ein», sagt Hari. Diese textlosen Teile hat er übernommen, um dort seinen eigenen Gesang darüberlegen zu können. Was auch erklärt, warum auf «Pepejazz» 20 Lieder in nur 31 Minuten Platz gefunden haben. Aber was für eine halbe Stunde: Lakonisch dargebrachte Berndeutschgeschichten, untermalt mit schmucken Bläsern, klimperndem Klavier, swingenden Rhythmusgruppen. Das ist mal lüpfig und leicht, mal schwelgerisch schön, mal himmeltraurig.

Textlich allerdings hat sich Berns musikalischer King nicht allzu lange bei den Originalen aufgehalten, wo es vornehmlich um die Liebe geht, sondern ist «auf Abwege geraten». Computerspielfigur Super Mario hat so einen prominenten Auftritt, es ist die Rede von Tücken und Tricks des Kaugummikauens, aus der Drogerie wird dreist «Schläckzüüg» geklaut. Um Amouröses geht es zwar auch. Aber da passen dann die Protagonisten so zusammen, wie «zu jedem Chind e Hotzeplotz, i jedes Flugi es Seckli Chotz» gehört. Das alles ist liebevoll umgesetzt, hinreissend skurril. Und passt in kein Format. Er greife auf, was ihm in die Finger gerate, sagt King Pepe. Einen Masterplan habe er nicht. «Ich hätte ‹Büssi› à gogo machen können.» Viel lieber habe er sich aber mit «Pepejazz» wieder auf die Äste hinaus gelassen: «Das brauche ich.»

Demut und Grössenwahn

Soviel gibt er gerne von sich Preis. Ansonsten finden sich wenige persönliche Infos über ihn. Wer ist King Pepe? Wer Simon Hari? «King Pepe ist einer der oszilliert zwischen Demut, Bescheidenheit und Grössenwahn. Das kann man von mir aus auch über die Person Simon Hari sagen», gibt er lachend Bescheid.

Und er verrät: Jawohl, das Grammofon im Trailer zu «Pepejazz» ist selbst gebastelt. Der Whisky ist eigentlich Schwarztee. Das Sakko für teures Geld ausgeliehen. Das Ganze ein augenzwinkerndes Spiel mit dem schicken Erscheinungsbild, das mit dem Sound der Goldenen 20er-Jahre einhergeht. Aber der Schnauz ist echt – und bleibt dran. Und für die Bühne hat King Pepe bereits einen neuen Dreiteiler angeschafft. Den kann er am Freitag erstmals vorführen, wenn in der Berner Turnhalle die Plattentaufe steigt – mit der Jazztruppe Le Rex und Sängerin Réka Csiszér. Ein musikalisches «Chirschi» zum sofortigen Reinbeissen.

Plattentaufe: 4. Januar, Turnhalle Bern, mit der Jazztruppe Le Rex und Sängerin Réka Csiszér.

Album King Pepe: «Pepejazz», mit Bonus-CD «Queen Olifr M.Guz remixt King Pepe», Big Money Records/Der gesunde Menschenversand. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.01.2013, 08:02 Uhr

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