Der Blues lädt zum Tanz

Boubacar Traoré gilt als Ikone für die malischen Bluesmusiker seiner Generation. Blues verbindet, auch vom Nil bis an den Mississippi – das bewies der Musiker an seinem Berner Konzert.

Er spielt,  singt und fühlt den Blues: Boubacar  Traoré.

Er spielt, singt und fühlt den Blues: Boubacar Traoré. Bild: Iris Andermatt

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Boubacar Traoré war in den 1960er-Jahren die Stimme der Unabhängigkeit in der Republik Mali. Sein «Mali Twist» wurde allmorgendlich im Radio gespielt und stand als Hymne für eine ganze Bewegung, welche das Land damals neu gestalten sollte. Doch mit dem Sturz der Regierung verschwand Traoré 1968 für zwei Jahrzehnte komplett von der Bildfläche. Zufällig wurde der verstorben geglaubte Traoré in den 1980er-Jahren von einem Fernsehteam wiederentdeckt.

Auf seiner jüngst veröffentlichten CD «Dounia Tabolo» spannt der mittlerweile 75-Jährige mit dem US-amerikanischen Bluesgitarristen Corey Harris zusammen. Mali-Blues trifft auf Südstaaten-Blues – man möchte meinen, da stossen Welten aufeinander.

Doch entsteht daraus eine fabelhafte Symbiose, wie das Ensemble dem Bee-Flat-Publikum am Sonntag im Berner Progr bewies. Es ist ein Abend von einzigartiger Authentizität, mitreissender Leichtigkeit und herz­erwärmender Melancholie.

Von lässiger Virtuosität

Die Basis für den lockeren Groove der Band bilden die Rhythmen einer traditionellen Touareg-Trommel: Der Perkussionist Alassane Samaké erzeugt auf einem halben, ausgehöhlten Kalebassenkürbis mit der flachen Hand dumpfe Klänge und setzt mit einem Fingerring an der anderen Hand hellere Akzente.

Da sind ausserdem Vincent Bucher, der auf der Mundharmonika zu ergreifenden Soli anhebt, und der Violinist Cedric Watson, der sich nicht an den gerissenen Haaren seines Geigenbogens stört. Und seine Violine gern auch mal seitlich in die Rippen einstützt.

Und schliesslich Traoré und Harris – zwei Originale ohnegleichen. Der malische Musiker trägt ein grau-weiss gestreiftes Leinenkleid, der amerikanische Harris ein blaues Hemd und ein violettes Tuch, das er straff wie einen Turban über seine Dreadlocks spannt.

Die warme Stimme von Traoré trifft auf die klare, eindringliche Stimme von Harris. Der eine zupft seine Gitarre sanft und zurückhaltend, der andere lässt sie kräftig, fast metallisch erklingen. Wo beim heiteren Traoré eine Leichtigkeit zu spüren ist, scheint beim reservierten Harris eher die Melancholie zu herrschen.

Und doch scheinen die beiden – so wie das ganze Ensemble – von einem gemeinsamen Herzschlag getragen zu sein. Diese intime Aufmerksamkeit verleitet Traoré mehrmals zu einem Tänzchen. Und Harris? Der lässt sich immerhin ein leises Lächeln entlocken. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.12.2017, 10:33 Uhr

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