Das Arte-Frizzante-Orchester setzt zum Höhenflug an

Ein Kammerorchester ohne Dirigent? Bei Arte Frizzante – 2016 von der Burgergemeinde ausgezeichnet – funktioniert das ganz gut.

Ein Auszug aus dem Sommerprojekt 2016 von Arte Frizzante. Das Stück Sinfonie in c-Moll von François Joseph Gossec.


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«Jeder Musiker wird Ihnen gern bestätigen, dass ein Orchester jederzeit auf den Dirigenten verzichten kann, aber nicht auf den Kontrabass.» Dieser Satz aus Patrick Süskinds Einakter «Der Kontrabass» bringt Jonathan Inniger zum Schmunzeln. Inniger ist Kontrabassist und hat vor drei Jahren gemeinsam mit Musikerkollegen das Kammerorchester Arte Frizzante gegründet, das vollständig auf einen musi­kalischen Leiter verzichtet – nicht aber auf einen Kontrabass. «Wir sind junge Leute, die ihre eigenen musikalischen Ideen umsetzen wollen», sagt der 22-jährige Inniger.

«Gemeinsames Gefühl entwickeln»

Zweimal pro Jahr treffen sich die rund zwanzig Musikstudierenden verschiedener Hochschulen, um in intensiven zehn­tägigen Proben Orchestermusik kennen zu lernen und ein Projekt zu erarbeiten. ­Sozusagen basisdemokratisch streben sie dabei eine ideale Interpretation an: Um einem Stück gerecht zu werden, diskutieren die Musiker verschiedene Ansätze, statt sie sich vorgeben zu lassen. Die wichtigste Arbeit – so Inniger – könne sowieso kein Dirigent übernehmen: «Musiker in einem Orchester müssen ein gemeinsames Gefühl entwickeln und zu einem Klang­körper werden.»

Mit Esprit und Witz

Im letzten Herbst wurde Arte Frizzante mit dem Förder- sowie dem Publikumspreis der Burgergemeinde Bern ausgezeichnet. Am vergangenen Wochenende stellte das Orchester im Konservatorium sein Können abermals unter Beweis. Noch etwas zaghaft in der Sinfonie Nr. 27 von Johann Michael Haydn und klanglich nicht immer ganz ausbalanciert – die Hörner etwas zu sehr, das Bassregister etwas zu wenig präsent –, setzte es spätestens in der Interpretation von Felix Mendelssohns Violinkonzert in d-Moll zu einem musikalischen Höhenflug an.

Dabei spielten sich die Musiker die Einsätze mit grosser Spielfreude zu, das Orchester verschmolz zu einem Klangkörper, der musikalische Ideen stringent umzu­setzen vermag. Temperamentvoll, aber trotzdem mit dem nötigen Fingerspitzengefühl inszenierte die charismatische Violinistin Stella Manno den Solopart. Eine sehr stimmige und runde Interpretation gelang zum Schluss bei Joseph Haydns Sinfonie Nr. 68. An Esprit und Witz mangelt es dem Orchester Arte Frizzante nicht.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 07.02.2017, 11:01 Uhr

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