Christine Lauterburgs neue CD chroset, chrachet u syrachet

Sie singt, jodelt, deklamiert: Christine Lauterburg zieht auf ihrer neuen CD viele Register. Trotz instrumentaler Vielfalt klingt «All ein» wie aus einem Guss.

«Stein zu sein, wär das nicht fein?»: Christine Lauterburg hat sich auf ihrem Album «All ein» der Vielfalt verschrieben.

«Stein zu sein, wär das nicht fein?»: Christine Lauterburg hat sich auf ihrem Album «All ein» der Vielfalt verschrieben.

Tina Uhlmann

«Allein ist nicht einsam»: Dieser Satz steht am Anfang ihres vogelfreien Liederreigens, den Christine Lauterburg mit dem Gitarristen Hank Shizzoe aufgenommen hat. Er spielt diverse Saiteninstrumente, Tisch, Knie, Altpapier und Schwedenofen. Sie Violine, Viola, Langnauerörgeli und Sansula (ein Daumenklavier mit Resonanzkörper). Und so klingt es auch, dieses Intro, das einem nach wenigen Tönen den Ärmel – oder besser: das Ohr – reinnimmt und vibrierende Bilder entstehen lässt.

«All-ein» sein ist eins sein

Das Summen, Singen, Sausen und Seufzen, das Schnaufen und Streicheln, das Blubbern, Rascheln und Zwitschern: «All-ein» sein heisst für die Berner Jodlerin eins sein mit «all dene Sache, wo so chrose, chrache u syrache».

Den traditionellen «Iberger» jodelt Lauterburg langsam, mit weit ausholender Klanggeste und in tiefe Melancholie absteigenden Tonfolgen. Dennoch beglückt er vielmehr, als dass er traurig und schwer wirken würde wie die Einsamkeit. Im Gegensatz zum Einsamsein ist das Alleinsein im Verständnis der Jodlerin «fröhlich und leicht» – So ist auch die Grundstimmung des Albums «All ein».

Zum subversiven «Geigjod» begleitet sie sich selbst mit der Violine. Das ist zwar ein klarer Verstoss gegen das Reglement des Eidgenössischen Jodlerverbandes, doch Christine Lauterburg geht schon lange lautmalend ihren eigenen Weg («My Wäg»). Er führt sie zum Beispiel von alten Ländlern über Max Hugglers «Rinderbühl-Jutz» bis hin zum lauten Nachdenken über die eigene (Un-)Sterblichkeit («Tod»).

Die Sprache genutzt

Und dann ist da noch diese klitzekleine Ode ans Feuer. Lauterburg zelebriert sie in gepflegt städtischem Berndeutsch. Wenn sie über den Tod spricht, bedient sie sich einer fast saloppen Umgangssprache und nimmt dem Thema so die Schwere. Dafür holt die ausgebildete Schauspielerin für das letzte Stück «Stein» ihr bestes Bühnendeutsch und ihre Freude an rhythmischen, tranceartigen Endlosschlaufen hervor: «Ab und zu Stein zu sein, wär das fein? Einfach so mal Stein zu sein, wär das fein? Wär das fein, so steinhart mal zu sein, so hart wie Stein zu sein, wär das fein?» – Einfach fein, dieses «All ein».

CD: Christine Lauterburg, «All ein», Juzz.

Berner Zeitung

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