Auf Tour im Land mit den «härzigen» Groupies

Die Band Groombridge ist nach einer zweiwöchigen Tournee in China wieder ins Emmental zurückgekehrt. Frontmann Dyle und seine Bandkollegen sind vom Land und dessen Einwohner begeistert – trotz eines verlorenen Passes und ungewohnte Toiletten.

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Dyle, wie hat es euch in China gefallen?
Es hat uns sehr erstaunt, wie sich gewisse Vorurteile als falsch erwiesen haben. Wir waren wirklich begeistert, wie freundlich und hilfsbereit die Leute auf der Strasse sind, auch die Polizei. Ich habe mich noch in keinem anderen Land sicherer gefühlt, auch bei den nächtlichen Reisen.

Wie habt ihr die politische Lage erlebt?
Das System ist viel zu komplex, um dies in zwei Wochen begreifen zu können. Aber uns war klar, dass die politische Lage in China nicht gerade einfach ist. Sie wird aber sicherlich hierzulande auch nicht ganz objektiv dargestellt. Umso erstaunlicher war es, wie viele gute Gespräche wir – aus unserer Sicht – heikle Themen geführt haben.

Was war weniger gut?
Uns kam ein Pass abhanden. Deshalb hatten wir auch des öfteren mit der Polizei zu tun. Aber wie bereits erwähnt, waren die meisten Gesetzeshüter sehr hilfsbereit. Wir haben das ganze Prozedere jedoch ein wenig unterschätzt und so kam es, dass Hessty noch zwei weitere Tage in China bleiben musste, bis er in die Schweiz zurück reisen durfte. Auch an die Strassenregeln mussten wir uns zuerst gewöhnen. Sicherheitslinien und rote Ampeln werden von Chinesen nur als Empfehlung verstanden. Als Fussgänger muss man gut aufpassen. Hinzu kommt die Luft in einigen Städten, die auch nicht gerade weniger schädlich ist als eine Zigarette.

Gabs noch weitere Schwierigkeiten?
Manchmal war das Equipment ein wenig gar mittelalterlich. Ein Bürostuhl als Schlagzeugstuhl ist nicht das Mass aller Dinge – genau so wenig wie ein Mikrofon unter Strom. Als Schweizer sollte man seine Ansprüche an Toiletten auch drastisch senken können, um auf dem Klo zu überleben. Doch als «kleine» Band, die touren will, gehört das zum Alltag. Ohne diese Vorfälle kann man auch zuhause bleiben. Es sind ja diese Erlebnisse, die das Ganze speziell machen.

Wie haben die Chinesen eure Musik aufgenommen?
Die Konzerte waren sehr unterschiedlich. Die Clubs waren ähnlich besucht wie kleinere Lokale in der Schweiz. Der «University Gig» und ein Festival waren jedoch für unsere Verhältnisse sehr gross. Das Publikum waren sehr begeisterungsfähig und wenn eine Band aus dem Westen kommt, dann freuen sich die meisten sowieso. Die Zuschauer waren sehr freundlich und wollten nach den Konzerten Autogramme, Fotos und manchmal auch eine Umarmung von uns. Die meisten waren jedoch scheu und getrauten sich nicht so richtig, uns etwas zu fragen. Auf Berndeutsch gesagt: Es war «härzig».

Was habt ihr in eurer Freizeit gemacht?
Wir schauten uns historische Gebäude, Museen und viele andere Sehenswürdigkeiten an. Natürlich haben wir auch die Grosse Mauer und die verbotene Stadt in Peking besucht.

Das klingt nach Stress...
Meistens mussten wir zu einem Gig einen Tag reisen. Somit hatten wir immer noch Zeit, um die Städte zu erkunden. Die Mischung aus Tournee und Reisen war toll. Dank unseren chinesischen Tourmanagern haben wir viele Plätze gesehen oder Leute kennen gelernt, auf die man als «normaler Tourist» nicht trifft.

Wie habt ihr euch die Nächte um die Ohren geschlagen?
Wir übernachteten in günstigen Hotels, welche zu unserem erstaunen gut ausgerüstet waren. Wir hatten uns dies viel «schlimmer» vorgestellt. Zwei Nächte verbrachten wir in einem Fischerdorf. Dort bestanden die Matratzen mehr oder weniger aus einem Holzbrett. Das war aber nicht weiter schlimm.

Was habt ihr so gegessen?
Auf die speziellen Esswaren wie Schildkröte und Büffelhoden haben wir gerne verzichtet. Ansonsten war das Essen in den meisten Fällen gut.

Wollt ihr wieder nach China?
Ja, unbedingt! Das Land hat Suchtpotential... (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.05.2011, 14:07 Uhr

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