Acht Liebeserklärungen an Züri West

Heute Abend erhalten Züri West den kantonalen Musikpreis. Berner Politiker, Musiker und Wegbegleiter formulierten für uns ihre ganz persönliche Liebeserklärung an Kuno Lauener und Co.

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Alexander Tschäppät, Berner Stadtpräsident:

«Lieber Kuno, als politischer Mensch und als Stapi der schönsten Stadt der Welt möchte ich dir und deiner Mundartpop-Legende Züri West Achtung und aufrichtigen Respekt bezeugen für die Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit, mit der ihr Botschafter seid von Bern, seinen Eigenheiten und seiner Sprache. Als emotionaler Mensch und Besitzer eines CD-Geräts möchte ich der heissesten Combo der Bundesstadt, allen voran dir, lieber Ober-Häberli, darüber hinaus aufrichtig danken für all die Momente echter Berührung und Beseeltheit, mit der du mein musikalisches Älter- und Reiferwerden seit Hansdampf 1987 massgeblich begleitest.

Leichter und heiterer als mit deinem zärtlich rauen Sprechgesang lässt es sich nicht schwermütig sein. Dank deinen Geschichten ohne Anfang und Ende, deiner ungezierten Coolness, deinem Verzicht auf sentimentale Befindlichkeitslyrik, deinem Mut zum Unperfektionismus möchte ich dir und den wackeren Mannen deines Atmosphärikorchesters als dein ganz persönlicher Fan gestehen: "Ich schänke dr mys Härz!" Was für ein Glück, dass es euch gibt!»

Christoph Trummer, Singer-/Songwriter aus Frutigen:

In den guten alten Zeiten sassen wir im damals noch genossenschaftlichen Alpenrösli in Thun, und immer gegen Feierabend liefen als Endlosschlaufe zwei Zeilen: «’s isch haubi eis, u ds Liecht geit a, u dr Hene chunnt mit sym Lumpe» Und in den auch gar nicht so üblen neueren Zeiten ermutigen wir uns durch allerhand Durststrecken mit den Worten «Irgendeinisch fingt ds Glück eim».

Und wenn wieder so ein Hanspeter daherkommt, «rütscht s eim irgendeinisch us de Händ», und wenn es Züri West nicht geben würde, hätte unsere Generation (und ein paar drumrum) wohl auch gelebt, aber hier in der Schweiz auf jeden Fall ein bisschen anders und ein bisschen ärmer an Songs, die uns tatsächlich etwas angehen. An Geschichten, die uns den Wortschatz liefern für unser Dasein. Dafür liebe und achte ich Züri West. Und dafür, dass sie sich in der aktuellen Popwelt trauen, nicht so zu tun, als wären sie immer noch Ende zwanzig, achte ich sie umso mehr.

Thomas Häberli, Ex-YB-Stürmer und Assistenztrainer des BSC Young Boys

Ich muss heute noch schmunzeln, wenn ich an den 14.März 2009 denke. An jenem Tag feierte der BSC Young Boys seinen 110.Geburtstag – und auf mich kam so einiges zu. Wir spielten im Stade de Suisse vor über 25000 Zuschauern gegen St.Gallen. Danach sorgten Züri West alias The Häberlis für eine einzigartige Verlängerung.

Ich wusste nicht, wie mir geschah, als ich auf der Bühne stand. Ich durfte mitsingen vor dem begeisterten Publikum, aber natürlich war es ein weiser Entscheid von Kuno, mir kein Mikrofon zu geben. Kuno ist als Fussballer viel talentierter als ich als Sänger. Wenn heute in meinem Autoradio ein Lied von Züri West läuft, stelle ich sofort lauter – und dann denke ich unweigerlich an diesen Abend der besonderen Emotionen zurück.

Büne Huber, Frontmann von Patent Ochsner

Bei mir im Haus, ganz tief unten im Keller, wo nie ein Sonnenstrahl hinfällt, da hat der Züri- West-Etter, der – was viele nicht wissen – von Haus aus ein Geigenbauer ist, seine Gitarrenwerkstatt. Immer wenn wieder eines meiner Instrumente wegen unsachgemässer Behandlung zu Bruch gegangen ist, trage ich den Patienten runter zu Doktor Etter in die Klinik. Und wenn der Herr Doktor mir die Gitarre nach einem Weilchen wieder zurückbringt, sieht sie nicht nur hübscher aus, nein, sie klingt auch besser als zuvor.

Oftmals sitzen wir dann gemeinsam bei Kaffee und Kuchen auf dem Sonnendeck und reden über die wichtigen Dinge des Lebens. Herr Doktor Etter zeigt sich mir in diesen Momenten immer als ein sehr kluger, feinsinniger und humorvoller Zeitgenosse. Diesen Eindruck habe ich übrigens auch von der Band, mit der er seit vielen Jahren die hiesige Bevölkerung beglückt. Yes, Freunde, den Musikpreis habt ihr euch redlich verdient!

Christine Lauterburg, Jodlerin, Volksmusikantin und Schauspielerin

Natürlech – i schänke dir mys Härz – mit dere schöne Gitarre – u geng am Kuno sy unpathetisch-outhentische Xang – das hett mi geng begeischteret – u dazmal dä Uftritt ire Fabrigg z Wabere – wo s nümm git– s hett elegant usxee– denn no mit em Aristokrat Peter von Siebenthal – auso – mys Härz heit dir – liebi Züris!

Benedikt Weibel, Stiftungsratspräsident Konzert Theater Bern

Wahrscheinlich war es zuerst «Lue zersch, wohär dass dr Wind wääit»: Als Fan von Lou Reed habe ich die Lena dieses Songs sofort ins Herz geschlossen. Kuno ist nicht nur lakonisch wie Lou Reed, sondern ist auch YB-Fan. Vom Fussball versteht er viel. Deshalb hat er den YB-Beirat zu Beginn der 3.Phase verlassen. Heute, an einem tristen Novembertag, höre ich «Rain Dogs Learning to Crawl». Der Song steht auf meiner Liste der zehn melancholischsten Songs. Melancholisch denke ich zurück an die guten alten Zeiten, als Plattenläden noch Fundgruben waren.

Polo Hofer, Berner Mundartrocker

Züri West sind ja sozusagen Epigonen von mir. Sie haben schon früh Lieder von mir gespielt, zum Beispiel «Wägem Gäld», und sich über mich lustig gemacht. Ich ziehe den Hut vor dieser Band, vor dieser Kontinuität, die sie an den Tag legt, und bewundere es, wie sie es immer wieder schafft, den Zeitgeist einzufangen. Ein Journalist hat Kuno einmal gefragt, was der Unterschied zwischen Züri West und Polo Hofer sei.

Kuno sagte, vor meinem Haus seien mehr Mantas parkiert. Eine gute Antwort. Auf ihrem Album «Haubi Songs» haben die Züris wieder einen Song von mir gecovert: «Es Blatt im Wind». Nun habe ich Kuno versprochen, dass ich auf meiner nächsten CD auch ein Lied von ihnen singen werde, wahrscheinlich «Mischtchäfer». Übrigens haben Kuno und ich fast am gleichen Tag Geburtstag: ich am 16.März, er einen Tag später.

Philippe Cornu, Geschäftsführer bie Appalooza und «Mr. Gurtenfestival»

Diese Band begleitet mich seit meinen frühesten Anfängen als Veranstalter und erinnert mich an eine fantastische, unvergessliche Zeit in Thun. Wir hatten (und haben immer noch!) unseren Plattenladen Zig Zag Records in Thun und veranstalteten 1986 das erste Open Air Thun im Schadaupark. Mit Carmel und Züri West. Unser erstes Festival. In der Nacht davor habe ich kein Auge zugetan und still vor mich hin hyperventiliert.

Aber alles kam gut, und es war toll. Das legendäre Café Mokka eröffnete übrigens im selben Jahr mit Züri West! In den letzten 26 Jahren haben sich unsere Wege viele Male gekreuzt. Auf dem Gurten, im Bierhübeli, auf dem Bundesplatz Züri West auf der Bühne, wir dahinter. Ich schenkte ihnen mein Herz. Schon vor langer Zeit. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.11.2012, 11:44 Uhr

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