30'000 liessen es zum Jahresauftakt krachen

Interlaken

Schnee, Sonne, Feuerwerksterne, Trauffer, Bligg und Zucker fürs Volk: Am ersten Tag im Jahr 2015 scheffelte Interlaken mit seinem Event «Touch the Mountains» Superlative.

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Pickelhart und cool, diese Band von Marc A. Trauffer. Vor allem Sängerin Monika Schär. Sie tritt trotz zunehmender Kälte beim allerersten Einnachten im Jahr 2015 im rotschwarzen Dirndl auf, mit Décolleté und kurzen Ärmeln. Drummer Christian Andreas Kyburz im T-Shirt. Trauffer ist hörbar gut in Form. Er setzt weniger auf Sprüche und voll auf seine Songs, auch solche aus Airbäg-Zeiten, und kommt beim Publikum bestens an.

Am Neujahrsevent «Touch the Mountains» feiert Trauffer den Abschluss seiner ausgedehnten «Alpentainer»-Tour. Trotz Minus-Graden auf der Open-Air-Bühne in Interlaken glaubt mans ihm, wenn er sagt: «Ich vermisse es jetzt schon, auf der Bühne zu stehen.» Keine Angst: Er kommt 2016 wieder, 2015 wird ein neues Album erarbeitet. Vorläufig singt das Publikum bei «Müeh mit de Chüe» mit, als obs ein Volkslied wäre. Dass Trauffer nur ein Entertainer ist und kein Sänger, widerlegt er zum Jahresanfang in seinem Heimweh-Oberländer-Song «Brienzersee» gleich selber. Trauffer tönt auch singend sehr gut.

Kein Service Publigg mehr

Auch der Top-Act am «Touch the Mountains» ist am 1. Januar am Ende seiner Tournee «Service Publigg» und bietet eine präzis-professionelle Show mit ein bisschen Hühnerhaut-Faktor, auch wenn der Rap mit Swissness abgerundet ist. Sogar weit, weit weg von der Bühne wird am Höheweg trotz – oder gerade wegen – der Kälte «Jo lo lo lo lo di jo di oh» gesungen und gehopst. Das unglaublich wortgewandte «Musigg i dä Schwiiz», der Schulterklopfsong für die Schweizer Mundart-Szene, ist definitiv ein faszinierender Hinhörer, und dann kommt auch noch die Rosalie.

Ein bitteres und dramaturgisch perfektes Meisterstück zwischen der echten Rosmarie-Liebe von Rumpelstilz und dem traurigen Liebe-für-Geld-Song «I schänke dir mis Härz» von Züri West. Bligg hat vier Sängerinnen dabei sowie eine überzeugende Band und flirtet gekonnt mit dem Publikum.

«Blaui Peperoni»

Rein aus zeitlichen Gründen nicht integriert in «Musigg i dä Schwiiz» hat Bligg die Berner Band Lo & Leduc, die im Sonnenschein, eine perfekte Jungfrau links im Bild, das «Touch the Mountains»-Open-Air eröffnete. Sie gelten mit ihrem Album «Zucker fürs Volk» als Aufsteiger 2014 in der Branche und kokettieren heftig mit der Berner- Lauben-Melancholie. So zwischen Rap, Hip Hop, Reggae und Mani Matter, mit Trompete und Posaune. Rap-Freestyler Lorenz Häberli und der popmelodiöse Luc Oggier passen in keine Spartenschublade, überzeugen aber. Irgendwo auf dem Höheweg trafen sich dann die Beats von der Bühne mit dem Sound der Bödelirasselbande.

Feuriger James Bond

Der Höheweg lebte am «Touch the Mountains» von vorn bis hinten. Und auch am Himmel: Dort zeigten Gleitschirm-Weltmeister Chrigel Maurer und das Lowa-Team ein paar schöne Moves. Kommentiert wurde das Ganze von Radiomann Reto Scherrer. Der machte die Organisatoren Stefan Otz (TOI) und Iris Huggler (Jungfrau World Events GmbH) bei seiner Ansage auf der Bühne zu Gästen.

Nur mit Superlativen bedacht wurde das James-Bond-Feuerwerkspektakel auf der ringsherum dicht besiedelten Höhe. Nicht überall waren die Titelmelodien zu hören, die dichten und beim Entstehen lauten Sternenregen begleiteten. Die Organisatoren des «Touch the Mountains» sprechen von rund 30'000 Gästen, gefühlt nach den trotz Shuttlebus und SBB-Sonderzügen an möglichen und unmöglichen Orten parkierten Autos müssen es weit mehr gewesen sein.

Berner Oberländer

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