«Meine Kinder haben 100 Meter Vorsprung»

Der italienisch-schweizerische Liedermacher Pippo Pollina gibt morgen sein für längere Zeit letztes Konzert – im Zürcher Hallenstadion. Als Gäste stehen auch seine beiden Kinder auf der Bühne.

Noch einmal wartet die Bühne: Danach gibt Pippo Pollina zwei Jahre lang keine Konzerte mehr.

Noch einmal wartet die Bühne: Danach gibt Pippo Pollina zwei Jahre lang keine Konzerte mehr.

(Bild: Brigitte Kuehn/zvg)

Herr Pollina, Sie machen nach 30-jähriger Bühnenpräsenz Ihre erste längere Pause. Warum jetzt?
Pippo Pollina: In der Musik sind Pausen sehr wichtig. In Partituren gibt es häufig Pausen: Sie geben jedem Stück den richtigen Rhythmus, den richtigen Atem. Genauso ist es im Leben. Von meinem Leben habe ich viel zu wenig gehabt, ich war viel auf Tour. Nun möchte ich mehr freie Zeit geniessen, wenig planen und viel improvisieren. Ich werde viel Zeit mit meiner Familie und Freunden verbringen und für meinen ersten Marathonlauf trainieren: Ende 2016 will ich den New York Marathon absolvieren.

Und die Musik?
Es ist nur eine Konzertpause. Ich werde Lieder komponieren und texten und eine neue CD produzieren. Ausserdem schreibe ich ein Buch: Darin möchte ich erzählen, wie meine Alben entstanden sind, von dem ersten, «Aspettando che sia mattino» in den 1980er-Jahren, bis zum 20.Album, der Live-Doppel-CD «Grande finale – Live in der Arena di Verona» von 2014. Das Buch wird alle Liedtexte enthalten, mitsamt deutschen Übersetzungen.

Sie sind bekannt für musikalische Kollaborationen, etwa mit Linard Bardill und Konstantin Wecker. Welche Gäste erwarten Sie im Hallenstadion?
Natürlich werden Linard Bardill, Werner Schmidbauer und Martin Kälberer auch bei meinem Abschlusskonzert mitwirken. Genauso wie Stoppok, Giorgio Conte, Büne Huber, Etta Scollo und Gigi Moto. Auch meine beiden Kinder, Madlaina und Julian alias «Faber», werden mit mir auf der Bühne stehen.

Was halten Sie davon, dass Ihre Kinder ebenfalls eine musikalische Karriere einschlagen?
Der Weg ist nie einfach. Natürlich hat sich die Branche sehr gewandelt. Die technologischen Mittel erleichtern vieles. Ausserdem kommen sie aus einer musikalischen Familie. Ich musste alles alleine machen, sie haben mit hundert Metern Vorsprung angefangen. Es liegt an ihnen, was sie aus ihren Vorteilen machen.

Sie sind Italiener, wohnen seit über zwanzig Jahren in der Schweiz und haben seit wenigen Jahren beide Staatsbürgerschaften. Wahrgenommen werden Sie nach wie vor als italienischer Liedermacher. Wie empfinden Sie sich selbst?
Ich verstehe mich als europäischen Singer-Songwriter, der auf Italienisch singt. Mit der Zeit wurde diese Beschreibung immer zutreffender. Ich toure auch gerne in wechselnden Besetzungen, zurzeit meist im Quintett. Aber ich spiele auch solo, im Quartett oder sogar mit Symphonieorchestern. Es sind völlig unterschiedliche Erfahrungen und musikalische Ausdrucksformen. Alle repräsentieren eine Facette von mir.

Werden Ihnen die Musik und die Bühne nicht fehlen?
Die Musik hat mein Leben gerettet und wird dies weiter tun. Sie macht mich glücklicher als alles andere und hat meinem Leben erst einen Sinn gegeben. Durch meine Musik und auf der Bühne kann ich mit den Menschen kommunizieren. Vielleicht wäre ich Politiker geworden, wenn ich nicht Musik gemacht hätte.

Sie touren sehr viel, stehen täglich auf einer anderen Bühne. Was ist Ihr Ausgleich?
Der Stress macht mir nichts aus! Ich schlafe gerne möglichst lange. Ausserdem höre ich in meiner Freizeit keine Musik. Ich liebe die Stille.

Konzert: Sa, 22.August, 20 Uhr, Hallenstadion Zürich. Infos/Tickets: www.musical.ch; www.ticketcorner.ch. Dokfilm über Pippo Pollina: So, 30.8., 23.05 Uhr, SRF1.

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Berner Zeitung

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