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Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen!

Wenn Influencer Kosmetika in die Kamera halten, bleiben Sie ganz gelassen: Martin Ebel über Einflüsse einst und jetzt.

Martin Ebel will kein Influencer werden. (Video: Sacha Schwarz)

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Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. Wer Einfluss auf andere hat, ist einflussreich. Was wäre das Substantiv dazu? Beeinflusser? Das sagt kein Mensch. Wozu haben wir das Englische! «Influencer» muss es heissen. Das Wort hat aber eine sehr spezifische Bedeutung. Nicht jeder, der Einfluss hat, ist schon ein Influencer. So würde man den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, einen zweifellos mächtigen Mann, keinesfalls einen Influencer nennen. Auch nicht Elke Heidenreich, wenn sie ihren Fans den richtigen Lesestoff aufdrückt. Und auch ich bin kein Influencer, trotz des hoffentlich heilsamen Einflusses der Sprachsprechstunde auf das gute Deutsch meiner Zuschauer.

Was also sind Influencer? Es sind oft junge Mädchen, die noch jüngeren Mädchen in Video-Clips zeigen, wie sie leben – pardon: wie ihr Lifestyle aussieht. Dazu gehören natürlich bestimmte Kosmetika, die die Influencerinnen dann wie zufällig in die Kamera halten. Der Einfluss, der Influence, dieser Influencerinnen zielt also auf den Geldbeutel der Teenies. Von dem sie, auf dem Umweg über die Firmen, wiederum leben. Teilweise sehr gut leben.

Ich will Ihnen jetzt nicht kulturkritisch kommen und vom Untergang des Abendlandes durch das Influencer-Unwesen schwafeln. Unsere Teenies werden sich mit der Zeit schon bessere Einflüsse suchen. Aber was sagt der Sprachkritiker zum «Influencer»? Dass man es tatsächlich nicht eindeutschen oder anderswie ersetzen kann. Solange es das zweifelhafte Phänomen gibt, brauchen wir auch das Wort dafür.

Sie lassen sich von Influencern sicher nicht für dumm verkaufen, Sie denken und handeln selbstständig. Und Sie denken auch daran: Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie!

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