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Wie Spanien seine Kulturszene tötete

Sogar Bardem und Almodovar protestierten: In Spanien demonstrierten Künstler vor zwei Jahren gegen eine höhere Mehrwertsteuer auf Kino- und Museumskarten. Neue Zahlen zeigen nun, was die Steuer angerichtet hat.

Mindestens 24'000 Personen verloren seit 2011 ihre Stellen im Kultursektor: Künstler haben eine Fabrikhalle in Bilbao besetzt.
Mindestens 24'000 Personen verloren seit 2011 ihre Stellen im Kultursektor: Künstler haben eine Fabrikhalle in Bilbao besetzt.
Reuters

Vor knapp zwei Jahren protestierten Künstler und Kulturschaffende gegen die Beschlüsse der spanischen Regierung, neben der drastischen Rotstiftpolitik im Kultursektor auch die Mehrwertsteuer für Kunst- und Kulturveranstaltungen erhöhen zu wollen. Unter dem Motto «Kultur ist kein Luxus» zogen sogar Spaniens Hollywood-Star Javier Bardem und Kult-Regisseur Pedro Almodovar durch die Madrider Strassen.

Sie prophezeiten, die Anhebung der Mehrwertsteuer von 8 auf 21 Prozent für Eintrittskarten in Kinos, Museen, Theatern und Konzerten werde der «Todesstoss» für eine bereits hart von der Krise gebeutelte Branche sein.

Wie die am Donnerstag veröffentlichte Jahresstatistik des spanischen Kulturministeriums belegt, hatten die Künstler anscheinend Recht. Demnach verloren 24'100 Personen zwischen 2011 und 2012 ihre Jobs im Kultursektor. Allein im vergangenen Jahr mussten rund 2000 Firmen aus der Kulturbranche dicht machen. In Madrid schlossen laut dem Kinobetreiber-Verband fast 15 Prozent der Säle.

Kulturbetriebe suchen nach Möglichkeiten

Spanien steckt immer noch tief in der Krise und die Arbeitslosigkeit hat sich mittlerweile bei 25 Prozent eingependelt. «In einer solchen Situation sparen die Menschen vor allem bei den nicht lebensnotwendigen Dingen wie Kunst- und Kulturveranstaltungen», erklärt der auf Kulturthemen spezialisierte Radiojournalist Pedro Palacios der Nachrichtenagentur APA.

Natürlich sei daran nicht einzig und alleine die Erhöhung der Mehrwertsteuer Schuld, gibt Palacios zu Bedenken. Aber gepaart mit der staatlichen Rotstiftpolitik im Kulturbudget, das 2012 um 15 Prozent und im laufenden Jahr um 20 Prozent gekürzt wurde, war die Massnahme für die Branche tödlich.

Die Kulturunternehmen versuchen zu überleben, wie sie nur können. Im November reduzierte beispielsweise die Madrider Kinokette Renoir gleich an zwei Wochenenden die Eintrittspreise um 50 Prozent. Die Besucherschlangen waren gigantisch, aber es blieb nur bei einem einmaligen Versuch, die Spanier wieder in die Vorstellungen zu locken. Schon am Tag nach der Preisaktion waren die Kinosäle wieder leer.

Für viele eben doch ein Luxus

«Wer gibt heute schon 9 Euro fürs Kino oder 13 Euro fürs Theater aus, wenn er nicht weiss, ob er überhaupt die Hypothek begleichen kann», meint Pedro Palacios. Die Zahlen geben ihm Recht. Im vergangenen Jahr gaben die Spanier knapp eine Milliarde Euro weniger Geld für Kunst- und Kulturveranstaltungen aus als 2011.

Kulturminister Jose Ignacio Wert räumte damals schon ein: «Mir gefällt die Steueranhebung auch nicht. Aber die Krise lässt uns keine andere Wahl.» Wenn die Wirtschaft sich erholt habe, könne die Erhöhung zurückgenommen werden. Aber für viele Unternehmen und Angestellte aus der Kulturbranche wird es dann wohl schon zu spät sein.

SDA/kpn

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