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«Wenn dir das bei Meryl Streep passiert, hast du ein Problem»

Rick Baker ist der berühmteste Make-up-Artist der Welt. Ein Gespräch mit dem siebenfachen Oscar-Gewinner, der selbst beim blutrünstigsten Monster nie das Herz vergisst.

Das Ergebnis ist jetzt bei uns im Kino: Baker präpariert einen Schauspieler von «Men in Black 3».
Das Ergebnis ist jetzt bei uns im Kino: Baker präpariert einen Schauspieler von «Men in Black 3».
© 2012 Columbia Pictures Industries
Baker war an vielen berühmten Filmen beteiligt, ...
Baker war an vielen berühmten Filmen beteiligt, ...
© 2012 Columbia Pictures Industries
Der siebenfache Oscar-Gewinner glaubt, «das goldene Zeitalter der Make-up-Effekte miterlebt» zu haben.
Der siebenfache Oscar-Gewinner glaubt, «das goldene Zeitalter der Make-up-Effekte miterlebt» zu haben.
© 2012 Columbia Pictures Industries
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Mister Baker, Sie haben sieben Oscars gewonnen, gelten als der Make-up-Guru schlechthin. Was reizt Sie noch an einem Film wie «Men in Black III»? Ich bin ziemlich wählerisch geworden. Alle denken, ich sei pensioniert – sogar der Regisseur von «Men in Black». Man hats nicht einfach, wenn man so toll ist wie ich. (lacht) Im Ernst: Es ist schwierig, etwas Neues zu erfinden. Das treibt mich an.

Wieso ist das so schwierig? Weil es schon so vieles gibt! Kommt dazu: Viele der Jungs, die heute Special Effects machen, haben das Handwerk bei mir oder einem meiner Kollegen gelernt. Und dann ist es auch so, dass man kaum je das machen darf, was man will. Man arbeitet immer für einen Regisseur, der eine ganz bestimmte Vorstellung hat.

Haben Sie als Star der Szene da nicht mehr Mitspracherecht? Schön wärs. Viele Leute denken, dass ich mehr zu sagen hätte, weil ich sieben Oscars gewonnen habe. Aber das ist nicht so: Sogar wenn ich gewisse Ideen nicht gut finde, muss ich sie akzeptieren.

Welches Alien-Design hat Sie am meisten beeinflusst? Es gibt so viele. Ein Design, das mir besonders am Herzen liegt, ist dieses hier – es stammt aus einem B-Movie aus den 50er-Jahren namens «Invasion of the Saucer Men». Dieser insektenhafte Kopf mit diesen riesigen Augen ist grossartig. Ich habe ihn auch in «MiB3» reingeschmuggelt. Weil der Film eine Zeitreise in die Sechziger beinhaltet, konnte ich all die Viecher, die mich als Kind beeinflussten, als Hommage unterbringen.

Wie viele Kreaturen machen Sie für einen Film wie «MiB3»? Es sind 127, wenns mir recht ist.

Sehen Sie sich überhaupt noch als Make-up-Artist? Ihre Schöpfungen gehen doch weit über das Schminken hinaus. Ich habe als Make-up-Artist angefangen und bezeichne mich heute noch so. Aber es stimmt, spätestens seit den Effekten bei «An American Werewolf in London» ist das nicht mehr ganz zutreffend. Ich wurde damals auch von Kollegen angegriffen, weil ich die Grenzen des Make-ups nicht akzeptieren wollte; dabei ist die Arbeit mit Puppen und Mechanik ganz einfach die logische Evolution von Make-up. Meine Einstellung kommt wohl daher, dass Jack Pierce ein so grosses Idol für mich war: Pierce hat mit «Wolf Man», «Frankenstein» und «The Mummy» alle diese Monster-Klassiker für Universal gemacht. Aber er wurde gefeuert, weil er sich nicht weiterentwickelt hat. Schon als kleiner Junge schwor ich mir: Das wird mir nicht passieren. Ausserdem macht es Spass, Neues auszuprobieren.

Was hat Sie in letzter Zeit beeindruckt? Der neue «Planet of the Apes». Ich sage es ungern, weil ich ja an der Tim-Burton-Version mitgearbeitet habe, die nicht ganz so gut angekommen ist. (schmunzelt) Als diese Computer-Graphic-Effekte in den 90ern aufgekommen sind, galt ich plötzlich als Dinosaurier. Ich fand damals auch, dass dieses CGI-Zeugs lausig aussieht und sich nicht durchsetzen wird. Aber die Effekte haben sich seither grossartig entwickelt.

Trotzdem sind Sie immer noch im Geschäft. Wie haben Sie überlebt? Man schätzt mein Wissen. Die CGI-Leute benutzen mich, um aus meinem Hirn zu picken. Und ich habe mir die neue Technik angeeignet. Bei «The Curious Case of Benjamin Button» zum Beispiel war ich dabei, wenn auch primär als Berater. Auch Computer-Effekte sind nur so gut, wie der Künstler dahinter. Es ist ein Werkzeug, mehr nicht.

Was sollte jemand bedenken, der Ihren Job lernen möchte? Er sollte zuallererst über einen anderen Job nachdenken! (lacht) Sehen Sie, ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und habe das goldene Zeitalter der Make-up-Effekte miterlebt. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass diese Kunst nicht völlig verloren geht. Ich glaube daran, dass etwas Magisches geschieht, wenn man einem guten Schauspieler Make-up aufträgt, er in den Spiegel schaut und eine völlig andere Person sieht. Das ist etwas anderes als vor einer grünen Leinwand zu stehen.

Was ist schwieriger zu schminken: Monster oder Menschen? Aliens sind einfacher, weil man sie nicht jeden Tag sieht. Wenn man ein Loch in der Maske übersieht, merkt das keiner. Wenn dir das bei Meryl Streep passiert, hast du ein Problem.

Welcher Schauspieler hat Sie am meisten beeindruckt? Eddie Murphy war bewundernswert. Ich meine, eine dreieinhalbstündiges Make-up als verrückter Professor ist vielleicht die ersten beiden Male ganz lustig. Aber der arme Kerl musste das an 60 Drehtagen über sich ergehen lassen.

Würden Sie Ihren Job als Leidenschaft bezeichnen? Auf jeden Fall. Ich mache das, weil ich es liebe. Die Leute wundern sich immer, wenn ich selber Hand anlege oder die Monster-Make-ups zuerst an mir selbst ausprobiere. Ich habe diesen Beruf nicht gewählt, um reich zu werden, ich wollte damit kein Geschäft machen. Ich hasse es, dass ich eine Firma habe, ich hasse es, Mitarbeiter zu beschäftigen und ich hasse es, Rechnungen für dieses verdammte Gebäude hier zu bezahlen. Ich möchte nur coole Masken machen.

Viele Ihrer Monster sind nicht nur furchteinflössend, sondern auch lustig, oft auch lieb. Muss ein Film-Monster Herz haben? Absolut! Ich bin ein grosser Fan von Frankensteins Monster. Wer Boris Karloff sieht, fühlt mit ihm. Wir leiden mit, weil die Kreaturen ein Herz haben. Ich versuche immer, meinen Figuren eine Seele zu geben. Eines meiner Lieblingsmonster ist Bigfoot Harry, den ich für «Harry and the Hendersons» entworfen habe. Ich mag zwar schreckliche Kreaturen, aber keine seelenlosen Killermaschinen.

Stimmt es eigentlich, dass Sie Ihre Karriere dank dem Ofen Ihrer Mutter gestartet haben? Oh ja. Im Ofen meiner Mutter durfte ich meine ersten Gummi-Masken backen. Sehen Sie, ich bin 61 Jahre alt, meine Generation gehört zu den Monster-Kids, wie ich sie nenne: Wir sind mit den Monsterfilmen der 50er- und 60er-Jahre gross geworden. Ich hatte das Glück, dass mich meine Eltern nicht in die Klapsmühle gesteckt haben, als ich ihnen sagte, dass ich nicht mehr Arzt, sondern Make-up-Artist werden wollte.

Glaubt Hollywoods Alien-Guru an ausserirdische Lebensformen? Davon bin ich überzeugt. Wenn man sich nur mal die unglaubliche Vielfalt auf unserem Planeten ansieht, fällt es schwer zu glauben, dass nicht irgendwo anderes Leben existiert. Wahrscheinlich in einer Form, die unsere Vorstellungskraft übersteigt.

Warum kreieren Sie nicht mal ein solches Alien? Jedes Mal, wenn ich etwas in diese Richtung machen will, heisst es: «Rick, wo sind die Augen? Wo ist der Kopf? Wie soll das verdammte Ding reden?» (lacht) Wenn man zu extrem wird, kann es das Publikum nicht mehr nachvollziehen.

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