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Vom Mordinstrument zum Kultobjekt

Die Römer haben es erfunden, die Schweizer berühmt gemacht: Das Klappmesser. Eine Ausstellung im Landesmuseum zeigt besondere Exemplare - zum Beispiel eines mit 314 Klingen.

Als die Schweizer Armee 1889 ein neues Gewehr einführte, ahnte sie nicht, dass sie damit zur Geburtshelferin des «Swiss Army Knife» wurde, des berühmtesten Messers des Landes, das heute in der ganzen Welt für Schweizer Qualität und Zuverlässigkeit wirbt. Um das neue Gewehr zu warten, brauchten die Soldaten damals einen Schraubenzieher, den sie aber gerne verlegten. So kam man auf die Idee, ihr Messer mit Schraubenzieher und Ahle zu kombinieren und – da sich die Armee vermehrt aus Konserven verpflegte – mit einem Dosenöffner. Zwei Jahre später war das Ur-Sackmesser geboren. Es kam schwarz zur Welt, mit Griffschalen aus Holz und silbernen Beschlägen – sehr edel.

Memorystick statt Ahle

Die Ausstellung «Das Sackmesser. Ein Werkzeug wird Kult» beleuchtet dessen ganze Kulturgeschichte. Sie begann vor 12'000 Jahren mit dem Silex, einem Feuerstein mit geschliffener Kante. Heute schreibt vor allem die Firma Victorinox noch daran. Ihre neueren Modelle tragen den Bedürfnissen der Internetgeneration Rechnung. Sie sind statt mit Ahlen und Dosenöffnern etwa mit Memorysticks ausgestattet.

Die Ausstellung zeigt Highlights, die zwischen Silex und Memorystick entstanden sind: Das umfangreichste Sackmesser der Welt, das mit seinen 314 Klingen in keinen Hosensack passt; ein Sackmesser, das so klein ist wie ein Leinsamen und unter einer Lupe gezeigt werden muss; ein Luxus-Offiziersmesser für die Dame, das über und über mit Diamanten besetzt ist und je nach Grösse zwischen 60'000 und 120'000 Franken kostet. Mit Revolvermesser, mit dem der Besitzer zustechen kann, wenn er alle Patronen verschossen hat. Und schliesslich zeigt die Ausstellung Prototypen, die von James Bonds Tüftler Q stammen könnten, aber nie in Produktion gingen – Sackmesser mit eingebauter Taschenlampe, mit Wasserwaage, Lupe – und mit einem Schweizer Sparschäler. Es lohnt sich, an einer Führung teilzunehmen, denn hinter fast jedem Exponat stehen spannende Geschichten.

Die Sackmesser-Fabrik Victorinox ist an der Ausstellung prominent vertreten, weil die Firma sie ursprünglich zusammen mit dem Landesmuseum für ihr 125-Jahr-Jubiläum gestaltet hatte. Die Schau war in Schwyz ein derart grosser Erfolg, dass sie danach auch im Château de Pragins und nun in Zürich gezeigt wird, und zwar bis zum 24. Oktober.

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