Vom Fusionskritiker zum Stiftungsrat

Die neue Dachstiftung von Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee hat ihre Arbeit aufgenommen. In überraschender personeller Konstellation.

Reto Siegl: Der Fusionsgegner will konstruktiv im Stiftungsrat mitarbeiten.

Reto Siegl: Der Fusionsgegner will konstruktiv im Stiftungsrat mitarbeiten.

(Bild: Sabine Haehlen)

Michael Feller@mikefelloni
Stefanie Christ@steffiinthesky

Er ist besonnen und kein Haudrauf – und doch ist Reto Siegl ein Mann der pointierten Aussagen. «Am besten, man nimmt die Klee-Stiftung ins Mutterhaus zurück und macht aus dem Renzo-Piano-Bau in Schöngrün ein Hallenbad», sagte er 2012 in der «SonntagsZeitung». Als vehementer Kritiker einer Fusion von Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee (ZPK) drohte der Präsident der Othmar-Huber-Stiftung auch mit dem Abzug der Sammlung seines Onkels, falls es wirklich dazu kommen würde.

Kam es nicht – zumindest auf dem Papier. Statt auf die Fusion einigten sich die Museen auf eine Holding-Struktur mit selbstständigen Museen, aber gemeinsamem Dachstiftungsrat. Was letztlich heisst: Für die strategische Planung der beiden Häuser ist ein einziges Gremium zuständig. Wie eng die Häuser künftig zusammenarbeiten werden, ist noch nicht klar. Dies bis Anfang 2016 zu definieren, wird die erste Aufgabe des Stiftungsrat unter der der Leitung von Ex-Postchef Jürg Bucher sein.

Skepsis ist geblieben

Dieser Stiftungsrat hat nun erstmals getagt. In ihrer ersten Medienmitteilung (eine Panne verhinderte, dass sie auch in der Zeitungsredaktion ankam) hat die Stiftung nun ihre Mitglieder bekannt gegeben (siehe Kasten).

Auf der Liste auch: Reto Siegl. Der Gegner des Zusammenschlusses soll nun dabei helfen, ebendiesen zu bewerkstelligen. Eine taktische Finte, die kritische Stimme einzubinden und zum Verstummen zu bringen?

Keineswegs. Denn Siegl musste für den Einsitz kämpfen, zusammen mit Werner Luginbühl, Präsident der Rupf-Stiftung, die von ebenso grosser Bedeutung ist für das Kunstmuseum. Sie stellten selbst einen Antrag auf die Vertretung im Stiftungsrat. «Wir waren enttäuscht, dass wir nicht direkt angefragt wurden, ein gesunder Museumsbetrieb wäre ohne unsere Sammlungen gar nicht möglich.» Spitzenwerke von Künstlern wie Picasso oder Chagall gehören diesen Stiftungen.

Siegl macht keinen Hehl daraus, dass er ein selbstständiges Kunstmuseum immer noch favorisieren würde. Die Kooperationslösung sei «ein möglicher Weg für die Stärkung des Kunstplatzes Bern». Doch ein Grundproblem sieht er neben der Finanzierungslage des ZPK in der räumlichen Distanz der Häuser. Vom Erfolg gemeinsamer Ausstellungsprojekte ist Siegl deshalb alles andere als überzeugt: «Die Besucher werden je nach Präferenzen ins Kunstmuseum oder ins ZPK gehen.»

Zwei weitere Experten geholt

Siegls kritische Haltung ist für Dachstiftungsratspräsident Jürg Bucher kein Problem: «Eine Vielfalt der Meinungen ist erwünscht.» Statt auf alten Geschichten rumzureiten, will er in die Zukunft blicken – mit einem motivierten Dachstiftungsrat. Einen Kulturunterschied der zwei Museen spüre er nicht, die Vertreter begännen jetzt, sich in das jeweils andere Haus hineinzudenken. «Das macht den Leuten Spass.» Diesen Optimismus teilen nicht alle. Das Zusammenrücken erweist sich als schwieriger als bei der anderen Monsterfusion – jener von Stadttheater und Symphonieorchester. Das Versäumnis, die KMB-Stiftungen rechtzeitig anzufragen, sieht Bucher beim Museum. «Die beiden Museen stellten je drei Vertreter für den Stiftungsrat – es war Sache der Museen, wen sie entsenden.»

Um die Expertenseite zu stärken, holte Bucher zwei weitere ehemalige Kunstmuseums-Stiftungsräte ins Boot: die Kunsthistorikerin Birgitt Borkopp-Restle von der Universität Bern und Finanzexperte Peter Keller.

Berner Zeitung

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