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«Tote Türken stören nicht»

Wie sieht Deutschland dort aus, wo der Fremdenhass zuschlägt? Unheimlich banal und beinahe idyllisch. Das Photoforum PasquArt zeigt die hinterhältigen Tatortbilder von Eva Leitolf.

Auf Anhieb ist nichts verdächtig an diesem Deutschland. Die blauen Latzhosen auf der Wäscheleine verraten währschafte Arbeit und Hausfleiss, daneben stehen die Sonnenblumen Spalier, und selbst die Satellitenschüsseln am alten Fachwerkhaus stören die Beschaulichkeit nicht. Am Kreisel wärmt eine dezente Sonne das Pflaster, hinter der Kirche sind die Autos zwischen Blumenkisten und Strassenlaternen parkiert, am Eingang zum Bahnhof hängt ein Plakat von «Brot für die Welt», am Dorfteich haben zwei Tafeln das Sagen: Bitte verlassen Sie nicht die Wegeflächen! Angeln und füttern verboten! Und weit und breit niemand, der sich darüber hinwegsetzen wollte.

Aber eben: weit und breit niemand. Es ist diese Leere auf den Fotos von Eva Leitolf, die für Unruhe sorgt. Unaufgeregter, stiller, banaler kann man Deutschland kaum zeigen, und doch befällt einen bald das ungute Gefühl, dass das, was man hier sieht, nicht alles ist. Tatsächlich hat die Fotografin ihre Bilder geschickt auf eine leere Mitte hin komponiert, und sie hat ihnen damit etwas eingepflanzt: eine Art visuelles Vakuum, eine Unvollständigkeit. Leitolfs Kunststück: Diese Bilder zeigen, dass sie nicht alles zeigen, ohne dass man wüsste, was fehlt.

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