«Picasso – wer ist das?»

Der Westafrikaner Romuald Hazoumè kämpft auf provokative Art gegen die Gleichschaltung und für die eigene Kultur. Die Mobiliar präsentiert mit «Kunst und Nachhaltigkeit Vol. 4» in Bern Malerei, Fotografie und Objekte des international gefragten Künstlers.

In voller Tracht: Romuald Hazoumè  vor seinen Objekten in der Mobiliar. Der Künstler trägt einen Bubu, ein traditionelles afrikanisches Gewand.

In voller Tracht: Romuald Hazoumè vor seinen Objekten in der Mobiliar. Der Künstler trägt einen Bubu, ein traditionelles afrikanisches Gewand. Bild: Beat Mathys

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Die Teestunde mit Romuald Hazoumè ist halb Audienz, halb polemischer Vortrag. Der Mann hat klare Ansichten. «Une vraie merde» – ein grosser Mist – seien diese neumodischen, glatten Haare und Strähnchen, die man dieser Tage in Afrika sähe.

Der 1962 in Porto-Novo (Benin) geborene Künstler schiebt gleich nach, warum mit den Frauenfrisuren in der Kultur der Yoruba nicht zu spassen ist. Die zu Kunstwerken geflochtenen Haare der Frauen hätten früher darüber Auskunft gegeben, ob jemand verheiratet oder auf der Suche nach einem Mann sei. Mit dem Verlust der Frisuren ginge ein Stück Poesie verloren.

Prägnante Position

Aus Plastikkanistern und allerlei Fundgegenständen hat Hazoumè Masken mit komplexen Haarprachten angefertigt, die zelebrieren, was in Zeiten der Globalisierung verloren geht: die Individualität. Die skurrilen Objekte sind im Rahmen der Ausstellung «Kunst und Nachhaltigkeit Vol. 4» in der Mobiliar zu sehen.

Ausstellungsmacherin Dorothea Strauss setzt nach drei Gruppenausstellungen in der vierten Ausgabe auf eine einzige prägnante Position. Hazoumè wurde weltweit bekannt, als er 2007 an der Documenta 12 in Kassel die Installation «Dream» – ein Flüchtlingsboot aus löchrigen Benzinkanistern – präsentierte.

Spiritualität und Sprengkraft

Migration ist ein Thema, das Hazoumè als Künstler und Bürger beschäftigt. «Alle wollen nach Europa, aber das ist ein Fehler.» Er selbst lebt zwar noch in Porto-Novo, stellt aber regelmässig in Europa und den USA aus und nur alle zehn Jahre in seiner Heimat. Warum? Wenn er in New York etwas zeige, erst dann interessiere man sich auch in Afrika dafür. Hazoumès Mission? Gegen die grassierende Coca-Cola-Kultur ankämpfen.

Dabei fehlt es ihm beim Spiel mit Klischees keineswegs an Humor. «Von einem Afrikaner erwartet man, dass er Masken macht – also mache ich Masken», kommentierte er einst lakonisch seine Objekte. Natürlich denkt man auch an Pablo Picasso, der sich bekanntlich von sogenannt primitiver Kunst inspirieren liess. «Picasso? Wer ist das?», fragt er herausfordernd. Hazoumè bezieht sich lieber auf die eigene Kultur.

Spirituelle Symbole prägen seine Malerei, Nüchternheit seine dokumentarische Fotografie. Die Installationen aus Plastikkanistern machen auf den gefährlichen Benzinschmuggel in seinem Land aufmerksam. Ob er selbst in die Politik einsteigen möchte? «Nein. Ich bin doch kein Räuber.»

Dafür glaubt Hazoumè umso mehr an die Macht der Kunst. Und an den eigenen Auftritt. Er trägt einen sogenannten Bubu, ein wallendes afrikanisches Gewand. Dieses koste ein Vermögen, sei gewissermassen der Ferrari unter den Textilien. Ein bewusstes Plädoyer für die Eigenständigkeit? Durchaus. «Wenn wir alle die gleiche Sprache sprechen, sind wir tot.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.09.2015, 13:44 Uhr

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