Otto Waalkes: «Ich wäre ein guter Bildfälscher»

Komiker Otto Waalkes malt auch. Nun stellt er seine Bilder erstmals in der Schweiz aus. 

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Herr Waalkes, Sie haben ursprünglich in Hamburg Kunst studiert.
Ja, aber die nahmen nur Kunstpädagogen auf, dabei wollte ich freie Malerei studieren. Um das Studium zu finanzieren, war ich damals schon unterwegs mit meiner Gitarre in kleinen Lokalen in Hamburg, darunter hat das Studium auf Dauer etwas gelitten.

Hat Ihnen das Studium gefallen?
Kunstlehrer zu werden, war schon eine ideale Vorstellung, zumindest für meine Eltern. Ich bin in der Klasse gesessen und habe die Techniken der alten Meister gelernt.

Es fällt ja auf, dass sie ganz viele Techniken beherrschen, weil Sie für fast jedes ihrer Bilder eine andere imitieren.
Ich wäre ein guter Bildfälscher, nicht wahr? Aber das ist ja ­angeblich verboten.

Sie wären ein guter Bildfälscher?
Ja ja, der Beltracchi (Wolfgang Beltracchi, verurteilter deutscher Kunstfälscher, Anm. d. Red.) müsste sich ganz warm anziehen.

Jetzt machen Sie aber nicht Bildfälschungen, sondern Parodien bekannter Motive.
Das sind keine Parodien, das sind Hommagen. Identifikation und Irritation verschmelzen miteinander. Der Betrachter denkt: Oh, das ist ein bekanntes Motiv, tritt näher heran – und merkt: Oh, der Ottifant ist mit im Spiel. So werden die alten Meister plötzlich wieder interessant. Jetzt hab ich mir zum Beispiel Dalí vorgenommen. «Dalí’s Nightmare»: Der Maestro ist vollkommen verdutzt, als er da noch einen Ottifanten auf Dalí-Beinen entdeckt.

Haben Sie denn nicht zu grossen Respekt vor den alten Meistern?
Doch, ich habe grossen Respekt vor den Meistern. Das ist ja eine Hommage mit Weiterführung. Die Parodie ist für mich ja die aufrichtigste Form der Verehrung. Gell. Und da sind ja noch Ihre Frölein Da Capo, Mario ­Capitanio, die stellen ja auch aus. Das sind alles Musiker, ne?

«Meine Freizeit ist meine Malzeit», sagt Otto Waalkes. Bild: Andreans Rentz (GettyImages)

Sie sind ja auch Musiker.
Ja, schon ewig. Ich hab in einer Band gespielt mit 14, 15 Jahren, und auch jetzt trete ich noch auf mit meinen Friesenjungs. Als Frontmann spiele ich Gitarre und singe. Ich hab auch als Solist viel, viel Musik gemacht. Von Pop bis Klassik, das habe ich auch stundenlang geübt, klassische Gitarre.

Es gibt ja fast keinen Kulturbereich, in dem Sie nicht aktiv sind. Welcher ist für Sie der wichtigste?
Das Wichtigste ist für mich die Resonanz beim Publikum. Die Bestätigung. Ich bin so gefallsüchtig. Beim Malen ist die Konzentration sehr stark gefordert, ganz ohne körperliche Strapazen. Das macht natürlich Spass.

Und wann malen Sie?
Meine Freizeit ist meine Malzeit. Ich male – oder spiele Gitarre. Ich steh auf, geh ins Atelier und fange an. Die Motive fallen mir meist morgens ein. Ich weiss gar nicht, warum. Ich gehe gern und viel auf Kunstausstellungen. Gerade war ich in München. Da hab ich einen Jawlensky (Alexej von Jawlensky, russisch-deutscher ­Maler, Anm. d. Red.) gesehen, den musste ich sofort umsetzen: «Der Tänzer». Wunderschönes Motiv. Und so lass ich mich ­immer inspirieren. Die Verbindung zu solchen Vorbildern ­entsteht fast unwillkürlich.

Seit wann malen sie solche Bilder?
Das mach ich verstärkt seit ein paar Jahren. Gemalt hab ich eigentlich immer schon. Und plötzlich stelle ich auch in ­Museen aus. Meine Kunst ist vielleicht noch nicht massenkompatibel, wird aber doch von einer relativ grossen Zuschauerschaft akzeptiert. Und der Ottifant begleitet mich ja schon fast mein Leben lang.

Der Ottifant ist berühmt …
Ach, der Ottifant ist eigentlich das Resultat eines missglückten Selbstportäts. Ich wollte mich zeichnen von der Seite, eine Profilzeichnung. Das Ergebnis war furchtbar. Dann hab ich die Nase ein bisschen verlängert, die Augen etwas vergrössert, die Ohren verkleinert, Beinchen drunter, Rüssel, zack! Fertig war der Ottifant. In der Schülerzeitung hab ich den schon gezeichnet.

Ihr Vater war ja nicht Kunstmaler, aber …
Er war Malermeister, Tapezierer. Der hat auch immer gezeichnet. Wir hatten keine Zeichenstifte. Aber wir hatten Tapetenstifte. Und ich hatte die Rückseiten der Tapetenmusterhefte. Die waren weiss. Deshalb hatten ich immer Papier. Und ich konnte viel zeichnen.

Werden Sie auch in Bern das Kunstmuseum besuchen?
Selbstverständlich! Das ist das Erste, was ich machen werde. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.11.2018, 12:05 Uhr

Von Capitanio bis Da Capo

Polo Hofer hatte die Idee – und 2016, an der ersten Ausstellung Saitensprünge mit Bildern von malenden Musikern, auch Erfolg damit. Hofers Zeichnungen wurden zwar hoch gehandelt und gingen dann aber doch weg wie warme Weggli. Nun ist der Vater des Berner Rock, der einst zum letzten Handlithografen der Schweiz ausgebildet wurde, nicht mehr dabei, wenn die Schau morgen mit einigen seiner Werke in die zweite Runde geht. Dafür werden im Berner Kornhaus nachgeborene Musiker erwartet, deren Kunst letztes Mal ebenfalls sehr gut ankam: Latin-König Schmidi Schmidhauser, Rockgitarrist Mario Capitanio und Singer-Songwriter Floh von Grüningen.

Und was macht Komiker Otto Waalkes, der diesjährige Gast aus Deutschland, unter all den Local Heroes? Nun, auch er ist Musiker und malt – «nicht nur Ottifanten», wie die Veranstalter versprechen. Desgleichen darf man auf die Bilder von Toni Vescoli gespannt sein, denn noch nie hat der einstige Beatpionier und Kopf der Sauterelles sie öffentlich gezeigt. Ganz im Gegensatz dazu ist Boogie-Woogie-Pianist Raymond Fein ein versierter Aussteller, und die Eisenplastiken, die «Maschinenskulpturen» des E-Bassisten Bernhard Jordi, haben ihre Feuerprobe ebenfalls bestanden.

Für Witz und Wirbel sorgen werden in dieser Herrenrunde aber vor allem die beiden Damen: Ein-Frau-Orchester Frölein Da Capo mit flotten «Zeichnies» und Jackie Brutsche von den Jackets mit multimedialem Schaffen. (tu)

Ausstellung Saitensprünge: Kornhausforum, Bern, 10. - 25. November

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