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Kunst für Kameruns Urwaldvölker

Künstlerisches Schaffen für die Agrarbevölkerung im Urwaldgebiet von Kamerun: Das Ziegelei-Zentrum in Steffisburg lädt zur Benefiz-Kunstausstellung – zu Gunsten der Martin-Stucki-Stiftung von Martin C. Stucki.

Die Farben stellt er selber her. Sie erinnern an Natur, Erde, Landschaften. Vielleicht an Afrika. Die Materialien sucht er im Alltag: Kork, Kohle, Sand, Sagex, Leim, Steine. Seine Kompositionen tragen kaum Namen, sein Hauptanliegen ist die Reduktion auf das Wenige – und mit verschiedenen Materialien die dritte Dimension darzustellen.

Martin C. Stucki hat sein Atelier in Teuffental, wo er mit seiner Frau Rosmary wohnt. Jeden Tag malt und arbeitet der Künstler mehrere Stunden. Oder er gibt Malkurse und organisiert Ausstellungen, sieben bis acht pro Jahr. Doch was ihn antreibt, ist nicht einfach ausschliesslich die Lust und Freude an der Kunst und am Malen. Sondern es ist vor allem die Liebe zu den Menschen in Kamerun, die in der Urwaldregion Obang leben. Sie begann vor über 40 Jahren und gipfelte in seiner «Martin-Stucki-Stiftung für Schulen in Afrika», die er 2002 ins Leben gerufen hat und die heute fünf verschiedene Selbsthilfeprojekte organisiert und finanziert (vgl. links).

Vier verschiedene Künstler

«Ich bin ein konzeptioneller Schaffer und arbeite meist intensiv über Wochen an einem bestimmten Thema, das ich mir als Sujet vorgebe», erklärt Martin C. Stucki, während er durch die aktuelle Ausstellung im Ziegelei-Zentrum in Steffisburg geht und sich zu den aufgehängten Bildern äussert. Nicht nur über seine, sondern auch zu denjenigen seiner Töchter Michaela Spahn-Stucki, Carla Martina Kinzl-Stucki und der Künstlerin Christine Bürki. Alle drei Frauen ergänzen den naturnahen Stil von Martin C. Stucki in buntem Gegensatz. «Michaela ist eine talentierte, kraftvolle Zeichnerin, und Martina spielt gerne mit Worten, dem Material und den Farben», erklärt er.

Martin C. Stucki ist in Thun aufgewachsen und hat in der Progymatte die Schule besucht. Er schritt als Kadett am Ausschiesset durch die Innenstadt, suchte im Leben immer wieder nach neuen Herausforderungen. Pinsel und Farbe faszinierten und begleiteten den einstigen Instruktionsoffizier und Brigadier schon früh, und nach seiner Pensionierung wurde das Hobby zu seinem letzten Beruf.

Das Schulsystem aufgebaut

Von 1959 bis 1968 lebte Martin C. Stucki als Schulinspektor und Seminarschulleiter der Basler Mission im kamerunischen Obang, einem Urwaldgebiet in der Grösse des Kantons Bern. Dort baute er das gesamte Schulsystem auf – inklusive Fussballspiel, naturwissenschaftlicher Zeitung und Sammlung für das Lehrerseminar Nyasosso. In Kamerun verständigt er sich in Pidgin, eine mit Esperanto vergleichbaren Sprache. Sie wird mehr oder weniger im ganzen Land angewendet.

Auch weiss der 72-Jährige um die Rituale der Einwohner und die dortigen klimatischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen, die auch vor dem Urwald keinen Halt machen. «Vor 40 Jahren lebten in der Provinzstadt Kumba 1'200 Menschen, heute sind es 250'000, die in flächendeckenden Slums leben.»

Kunstschulung im Schloss

Zurzeit treibt Martin C. Stucki die Kurse und seine Malschule voran – im Besonderen die geplante einjährige Kunstschule in einem Zelt im Park des Schlosses Hünigen bei Konolfingen. «2009 wird das Jahr der Kunst-Schulung im Parkhotel», freut er sich. Bis anhin gab Stucki vor allem Kurse bei sich zu Hause oder an Orten auf Einladung, zum Beispiel im Seminarhotel Sempachersee in Nottwil. «Mein Ziel ist, die Anzahl Kursteilnehmende von 200 auf 300 zu steigern.»

Beinahe jedes Bild von Martin C. Stucki im Ziegelei-Zentrum ist 50 auf 50 Zentimeter gross und kostet 750 Franken: «Ob ein Bild gekauft oder ein Malkurs besucht wird, alles Geld fliesst – abzüglich der Materialkosten – in die Stiftung», erklärt der Teuffentaler. All sein Tun habe den Zweck, Geld für die Schulen, die Ausbildungen und die Bevölkerung im Obang zusammenzubringen. Der jährliche Aufwand für die fünf Projekte beträgt 90000 Franken. «Mit einem Bild», sagt er, «erhalten die Spenderinnen und Spender einen realen Gegenwert.»

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