Kunst als Investment – nur etwas für Dummköpfe und Händler?

Lohnt es sich, in Kunst zu investieren? Kunstmarktexperten meinen: Als reine Geldanlage kaum.

Auf jeden neuen Rekord folgt ein Medienhype: Pablo Picassos «Les femmes d’Alger» von 1955 wurde am 11. Mai dieses Jahres für die Rekordsumme von 179,4 Millionen Dollar versteigert.

Auf jeden neuen Rekord folgt ein Medienhype: Pablo Picassos «Les femmes d’Alger» von 1955 wurde am 11. Mai dieses Jahres für die Rekordsumme von 179,4 Millionen Dollar versteigert.

(Bild: Keystone)

Helen Lagger@FuxHelen

Wer regelmässig Zeitung liest, staunt ständig über neue Rekordverkäufe. Am 11. Mai wurde bei Christie’s in New York für Picassos Meisterwerk «Les femmes d’Alger» (1955) 179,4 Millionen Dollar geboten. Die bisher am teuersten verkaufte Schweizer Kunst kam in der gleichen Auktion unter den Hammer: Alberto Giacomettis Bronzefigur «L’homme au doigt» (1947) wechselte für 141,3 Millionen Dollar den Besitzer.

«Dumm, ein Händler, oder beides.»

Experten wie der Journalist und Kunstmarktberater Christian von Faber-Castell sprechen von einem «Sensationszirkus», von «Grosskunstjagd» für den «Geldadel». Dass die Medien diesen Hype mitmachten, nütze zwar den grossen Auktionshäusern wie Christie’s und Sotheby’s, schade aber dem breiteren Kunstmarkt. Es entstehe der Eindruck, Kunst sei unerschwinglich.

Die anderen Player im Kunstmarkt müssten bei potenziellen Kunden mit kleinerem Budget zuerst diese Schwellenangst abbauen. Lohnt es sich für Otto Normalverbraucher, Kunst als reine Geldanlage zu betrachten? «Wer Kunst als Investition kauft, ist entweder dumm – oder ein Händler – oder beides», so Faber-Castell in einem Radiointerview.

Mit Sachverstand und Glück

Was meinte er genau damit? Das habe er durchaus polemisch gemeint, erklärt Faber-Castell auf Nachfrage. Kunsthändler würden sich in manchem kaum von Gemüse- oder Teppichverkäufern unterscheiden. «Jeder Händler wird versuchen, die Widerstände des Käufers zu brechen.» Dies, indem er ihm weismache, er investiere in etwas, das zwangsläufig eine Wertsteigerung erfahre und somit ein vernünftiger Kauf sei.

Dass Kunst kaufen aber oft ein Verlustgeschäft ist, bestätigt auch der Berner Bernhard Bischoff, designierter Nachfolger und Partner von Auktionator Eberhard W.Kornfeld: «Viele unbedarft gekaufte Kunst gehört in die Kategorie Einrichtungsgegenstände. Ein abgesessenes Sofa oder eine aus der Mode gekommene Lampe hat ja auch keinen Wert mehr.» Aber mit Sachverstand und Glück könne durchaus eine Trouvaille erstanden werden, die auch in Zukunft auf dem Markt bestehen könne.

Nur kaufen, was gefällt

Sowohl Bischoff wie von Faber-Castell raten, man solle nicht aktuellen Modeströmungen hinterherhecheln, sondern gegen den Strom – beispielsweise unter älterer Kunst «nach inneren Werten» suchen. «Wertbeständigkeit und manchmal sogar Wertzuwachs sind erfahrungsgemäss dann zu erwarten, wenn ein Kunstgegenstand kunsthandwerkliche Meisterschaft, historische Bedeutung oder aussergewöhnliche Seltenheit aufweist», sagt von Faber-Castell.

Damit der Wert eines Kunstgegenstandes erhalten bleibt, muss man gut informiert sein oder sich von Profis beraten lassen», so Bischoff. Beide Experten raten, nur zu kaufen, was einem auch gefällt. Im Gegensatz zu einer wertlos gewordenen Aktie habe der Kunstkäufer immerhin ein Leben lang etwas Schönes an der Wand.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt