Klee und Konsorten

Bern

Die Ausstellung «Kandinsky, Arp, Picasso ... Klee & Friends» im Zentrum Paul Klee präsentiert Paul Klee als Kind seiner Zeit, das einem Netzwerk von Avantgardisten angehörte und doch stets eigene Wege ging.

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Helen Lagger@FuxHelen

Zum Auftakt der Ausstellung «Kandinsky, Arp, Picasso … Klee & Friends» gibt es ein Organigramm, in dessen Mittelpunkt Paul Klee (1879–1940) steht. Es ist ein Beziehungsnetz, das verrät, wie Paul Klee mit Zeitgenossen wie Cuno Amiet, Franz Marc oder Marianne Werefkin verbandelt war.

Kuratorin Fabienne Eggelhöfer betont, dass schon Anfang 20. Jahrhundert galt, um was sich heute scheinbar alles dreht: «Ohne Netzwerk kein Erfolg.» Dieses Geflecht, das Klee umgab, ohne dass er je längere Zeit Teil einer Bewegung wurde oder sich einem Manifest unterordnete, legt die Schau im Zentrum Paul Klee offen.

Eggelhöfer hat sich dabei aus den Sammlungen des Kunstmuseums Bern und des Zentrums Paul Klee bedient und vereint 230 Werke, wobei mehr als die Hälfte von Paul Klee stammen. Wichtige Etappen und Einflüsse des Avantgardisten werden so nachvollziehbar. Ob Klee nun ein Kubist, ein Expressionist oder ein Surrealist sei, hätten sie die Journalisten in Brasilien, wo Eggelhöfer kürzlich eine Ausstellung kuratierte, ständig gefragt.

Eine eindeutige Antwort darauf gebe es nicht. Der in Bern geborene Louis Moilliet (1880–1962) war ein wichtiger Vermittler zwischen Paul Klee und anderen Kunstschaffenden. Die beiden hatten dasselbe Gymnasium besucht. Schon vor der legendären Tunisreise mit Klee und August Macke im Jahr 1914 hatte Moilliet das nordafrikanische Land besucht.

Macke wiederum hatte Moilliet die Lehre des Orphismus von Robert Delaunay nähergebracht. Der Orphismus wollte den Kubismus überwinden und der reinen Musik eine reine Malerei – losgelöst vom Gegenständlichen – gegenüberstellen.

Eigenwilliger Einzelgänger

Klee liess sich davon inspirieren – ohne die Lehre sklavisch umzusetzen. Ein Muster, das sich durch die ganze Schau, die vom Frühwerk bis zum Spätwerk Klees reicht, durchzieht. Klee war ein Kind seiner Zeit, der die Strömungen kannte und verfolgte, aber immer eigenwilliger Einzelgänger blieb.

In regem Austausch stand er mit Wassily Kandinsky und Franz Marc. Der Erste Weltkrieg trennte die Künstler. Marc, der begeistert in den Krieg gezogen war, verstarb 1916 auf dem Schlachtfeld, Kandinsky ging ins Exil. In den Zwanzigerjahren fanden sich Klee und Kandinsky am Bauhaus, der avantgardistischen Kunstschule, die gerade ihr hundertjähriges Jubiläum feiert, wieder.

Flirt mit den Surrealisten

Viele der angeschnittenen Themen wurden in vorangehenden Ausstellungen im Zentrum Paul Klee vertieft. In dieser Schau geht es nun in die Breite statt in die Tiefe, was Vor- und Nachteile birgt. Klees Vielfalt wird offensichtlich, doch dafür fehlt ein Fokus, man wird mit Häppchen gefüttert.

Wo hängt eigentlich der im Titel angekündigte Picasso? Die Beziehung zum Jahrhundertgenie wird anhand weniger Werke abgehandelt. Der Einfluss, den der spanische Meister auf Klee hatte, wird dabei kaum nachvollziehbar. Eine spannende Gegenüberstellung gelingt mit den Werken von Hans Arp (1886–1966) im Kapitel «Biomorphe Formen».

Beide Künstler interessierten sich für die Natur. Klees «Leidende Frucht» (1932) tritt in Dialog mit Hans Arps Duo-Gemälde nach einer mit Sophie Taeuber gemeinsam ausgeführten Zeichnung von 1948/1949. «Paul Klee und die Surrealisten» hiess wiederum eine Schau, die 2016 ebenda die Beziehung von Klee zu Künstlern wie Max Ernst und René Magritte thematisierte.

Im Kapitel «Erster Surrealist» kommt das Thema erneut in stark verdichteter Form aufs Tapet. Die Surrealisten der ersten Stunde begeisterten sich für Klees eigenartige Maschinen, seine Liebe zu Masken und seine poetische Pflanzenwelt. «Die Surrealisten wollten Klee von Anfang an ins Boot holen, doch er verstand sich nicht als Teil der Bewegung», so Eggelhöfer.

Im Kapitel «Nationalsozialistische Bedrohung» wird Klees Unbehagen gegenüber den neuen Machthabern sichtbar. Mit zunehmend martialischen Figuren, aber auch mit einem entfesselten braunen «Lumpengespenst» (1933) reflektierte er den Zeitgeist. 1933 emigrierte er nach publizistischen Attacken und einer Hausdurchsuchung nach Bern.

Ausstellung: Bis 1.9., Zentrum Paul Klee, Bern.

Berner Zeitung

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