Klee oder «Klee»?

Eine Berner Galerie stellt Klee-Werke aus dem Internet aus. Das zeigt, wie die Digitalisierung den Kunstbetrieb verändert.

Der digitale Print (links) von Paul Klees «Athleten Kopf» unterscheidet sich vom Original im Metropolitan Museum (rechts) durch die leuchtenden Blautöne.

Der digitale Print (links) von Paul Klees «Athleten Kopf» unterscheidet sich vom Original im Metropolitan Museum (rechts) durch die leuchtenden Blautöne. Bild: zvg/da Mihi

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Mehrere Jahre Vorbereitung, Leihverträge aushandeln, Kunsttransporte über die Weltmeere: Eine Paul-Klee-Ausstellung kann zur langwierigen Angelegenheit werden. Nicht so für Hans Ryser. Er bringt selten ausgestellte Klee-Werke per Mausklick in die Berner Galerie da Mihi.

Möglich machen es Museen mit fortschrittlichen Digitalisierungskonzepten, etwa das Metropolitan Museum of Art in New York (Met). Dieses stellt seit Anfang Jahr im Rahmen des Projekts «Open Access» 375'000 Kunstwerke ohne oder mit abgelaufenem Urheberrecht kostenlos und in hoher Auflösung zum Herunterladen bereit.

So auch Klees Werke «Athleten Kopf» (1932) oder «Wo die Eier herkommen und der gute Braten» (1921) aus der Sammlung Berggruen, die nun als Museumsprint bei da Mihi ausgestellt ­werden.

Damit hat die Galerie die digitalen Möglichkeiten aber noch nicht ausgeschöpft. Ryser, der neben seiner Frau Barbara Marbot da Mihi betreibt, liess die Bilddateien farbbearbeiten, um den Ursprungszustand der mittlerweile etwas verblichenen Grafiken vor Augen zu führen.

Dabei handelt es sich natürlich nur um eine Interpretation. Nachzuforschen, wie Farben zum Zeitpunkt der Werkentstehung tatsächlich gewirkt haben, ist ein aufwendiger, technischer Prozess.

Es gilt die Zusammensetzung der Farben und des Untergrunds zu analysieren, Einflüsse wie Sonnen- oder Kunstlicht einzukalkulieren – und dies für jede einzelne Nuance. Denn Rot verfolgt beim Verblassen einen anderen Zeitplan als Blau. Gezeigt werden also vor allem schöne, aufgepeppte Kunstdrucke.

Überall, jederzeit

Die Ausstellung zeigt aber mit 25 Bildern in der Nussschale auf, wohin die Digitalisierung im ­Museums-, beziehungsweise im Kunstbetrieb führen kann. Weltweit werden täglich Gigabytes an Bilderdaten ins Internet geladen und zugänglich gemacht.

Für Forscher, die Bilderdetails analysieren wollen, ohne um den Globus zu fliegen. Für Fachpublikationen. Um Restaurationsschritte ohne Eingriffe ins Original zu visualisieren. Oder für Prints.

Halten diese Einzug in etablierte Ausstellungsorte, kann man von Demokratisierung sprechen: Jeder kann jederzeit jede Kunst konsumieren. Oder aber von Ikeaisierung: Ausstellungsobjekte werden produziert wie der Wandschmuck, der etwa im schwedischen Möbelhaus erwerbbar ist.

Bei Grafiken sieht das Resultat bereits zum Verwechseln echt aus, industrielle ­3-D-Drucker dürften in absehbarer Zukunft auch die Struktur von Ölgemälden wiedergeben können. Warum also noch zum Originalwerk in den Louvre oder ins Met reisen?

Einzigartigkeit unersetzbar

Weil in den meisten Fällen gerade die Einzigartigkeit ein Kunstwerk ausmacht: vor einem Bild zu stehen und zu wissen, dass einst Diego Velázquez, Arnold Böcklin oder Vincent van Gogh von dort aus den Pinsel auf­setzten.

Oder, weniger pathetisch ausgedrückt: vor einem Blatt Papier zu stehen und zu wissen, dass es mehrere Millionen Franken wert ist. Ein Gefühl, das (noch) kein Computer der Welt speichern kann.

Ausstellung: 17. August bis 30. September, Galerie da Mihi, Bubenbergplatz 15, Bern Digitales Bilderarchiv Metro­politan Museum of Art: ccsearch.creativecommons.org/themet. Digitales Bildarchiv Zentrum Paul Klee: www.emuseum.zpk.org/eMuseumPlus. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.08.2017, 13:43 Uhr

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