Kevin rappt in der ­Kunsthalle

Im Rahmen der regionalen Weihnachtsausstellung Cantonale Bern Jura präsentiert die Kunsthalle Arbeiten von zwölf Kunstschaffenden. Es ist eine zufällig anmutende Mischung von Barock bis zu rappenden Kids.

<b>«Man möchte anders sein, geliebt werden»:</b> Ein Jugendlicher in der ­Installation «Aysha, Kevin und Michele» von Florine Leoni.

«Man möchte anders sein, geliebt werden»: Ein Jugendlicher in der ­Installation «Aysha, Kevin und Michele» von Florine Leoni. Bild: David Aebi/zvg

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Eine Frau in zweifacher Ausführung blickt selbstbewusst aus dem Bild und präsentiert ihr tief ausgeschnittenes Dékolleté unter einer Kostümjacke. Auf ihrer Schulter sitzt ein Kakadu.

Und als wäre das nicht schon exotisch genug, nehmen ein Tiger und ein Berner Sennenhund den Bildvordergrund ein. Der in Ringgenberg lebende Maler Ernst Hankes schafft Porträts voller barocker Lebenslust. Die Tiere lassen über die Persönlichkeit der Dargestellten rätseln: geschwätziger Papagei oder entfesselter Tiger?

Kleine Auswahl

Hankes ist einer von zwölf Kunstschaffenden, die von der Kunsthalle-Jury (Valérie Knoll, Geraldine Tedder und Arthur Fink) für die diesjährige Weihnachtsausstellung berücksichtigt wurde.

Wie schon letztes Jahr gingen rund 400 Eingaben bei der Cantonale Bern Jura ein. Die 7. Ausgabe der interkantonalen Ausstellung findet während neun Wochen in neun verschiedenen Kunsthäusern der Kantone Bern und Jura statt. Mit nur zwölf Positionen – letztes Jahr waren es zwanzig – hat die Kunsthalle eine vergleichsweise kleine Auswahl getroffen.

Auf ein Thema oder auf die Konzentration eines Mediums wurde verzichtet. Andere Häuser setzen einen Fokus oder suchen gar nach weihnächtlichen Bezügen in der Kunst. «O Tannenbaum, o Tannenbaum» heisst etwa die Schau im Kunstmuseum Thun, die mit diesem Titel bestimmt Publikum zu generieren vermag.

Es muss ja nicht gleich mit Lametta geworfen werden – was durchaus eine Performance ergäbe –, aber ein wenig kuratorische Originalität könnte der in diesem Fall allzu spröde auftretenden Kunsthalle nicht schaden. Denn originell sind die einzelnen Beiträge allemal. Malerei, Skulptur und Video ergeben ein Ganzes, das sich zu entdecken lohnt.

Teenagerträume

Mit Ka Moser und Dominique ­Uldry sind in Bern fest verankerte Kunstschaffende vertreten. ­Uldry zeigt mit «Mercer Street» (2013) eine Serie an sachlicher Architekturfotografie, die er in New York aufgenommen hat. Ein berührender Beitrag ist die Arbeit von Florine Leoni. «Aysha, Kevin und Michele» (2017) ist ein dreissigminütiger Film, der den Träumereien von drei Jugendlichen nachspürt. Die drei leben in einem Wohnheim auf dem Land.

Kevin rappt gerne vor Publikum und fasst in Worte, was besonders für seine Generation gelten mag und gleichzeitig universell ist. So antwortet er, warum er vor der Kamera stehen möchte, wie folgt: «Man möchte anders sein, geliebt werden.»

Ausstellung: bis zum 4. 2. in der Kunsthalle, Bern. www.cantonale.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.12.2017, 07:46 Uhr

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