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«Jeder wusste, dass es die Sammlung gibt»

Die Aufregung um den Kunstfund in München sei aufgeblasen, sagt ein Kunstexperte. Anscheinend wurden einige der Bilder nach dem Krieg von den Alliierten beschlagnahmt und wieder zurückgegeben.

Befindet sich auf der im Internet veröffentlichten Liste: Das «Kind am Tisch» von Otto Griebels.
Befindet sich auf der im Internet veröffentlichten Liste: Das «Kind am Tisch» von Otto Griebels.
Keystone
Marc Chagall: Gouache einer allegorischen Szene, nicht im Werkverzeichnis enthalten. Die Herkunft ist nicht eindeutig bestimmt.
Marc Chagall: Gouache einer allegorischen Szene, nicht im Werkverzeichnis enthalten. Die Herkunft ist nicht eindeutig bestimmt.
Christoph Stache, AFP
Franz Marc: Gouache, «Landschaft mit Pferden», Herkunft: Kunst- und Gewerbemuseum in Moritzburg.
Franz Marc: Gouache, «Landschaft mit Pferden», Herkunft: Kunst- und Gewerbemuseum in Moritzburg.
Christoph Stache, AFP
Diese Radierung Canalettos zeigt eine Ansicht von Padua. Die Herkunft ist nicht geklärt.
Diese Radierung Canalettos zeigt eine Ansicht von Padua. Die Herkunft ist nicht geklärt.
Christoph Stache, AFP
Ernst Ludwig Kirchners Farbholzschnitt mit Motiv eines Mädchens: In dieser Farbigkeit war die Druckgrafik Kirchners bisher nicht bekannt.
Ernst Ludwig Kirchners Farbholzschnitt mit Motiv eines Mädchens: In dieser Farbigkeit war die Druckgrafik Kirchners bisher nicht bekannt.
Christoph Stache, AFP
Kunsthistorikerin Meike Hoffmann an der Medienkonferenz zum Münchner Kunstfund. (5. November 2013)
Kunsthistorikerin Meike Hoffmann an der Medienkonferenz zum Münchner Kunstfund. (5. November 2013)
Reuters
Meike Hoffmann vor einer Projektion eines der gefundenen Bilder.
Meike Hoffmann vor einer Projektion eines der gefundenen Bilder.
Reuters
Der Leiter der Staatsanwaltschaft, Reinhard Nemetz (M.), an der Medienkonferenz zum Münchner Kunstfund. (5. November 2013)
Der Leiter der Staatsanwaltschaft, Reinhard Nemetz (M.), an der Medienkonferenz zum Münchner Kunstfund. (5. November 2013)
Reuters
Hier wurden die Werke über ein halbes Jahrhundert gehortet: Eingang zum Haus mit Cornelius Gurlitts Wohnung in München. (4. November 2013)
Hier wurden die Werke über ein halbes Jahrhundert gehortet: Eingang zum Haus mit Cornelius Gurlitts Wohnung in München. (4. November 2013)
Marc Müller, Keystone
Machte den historischen Fund bereits im Frühjahr 2011: Zollbehörde in München. (4. November 2013)
Machte den historischen Fund bereits im Frühjahr 2011: Zollbehörde in München. (4. November 2013)
Lennart Press/Getty Images
Cornelius Gurlitt – hier das Wohnhaus von aussen – ist der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, der die Werke in den 30er- und 40er-Jahren aufgekauft hatte.
Cornelius Gurlitt – hier das Wohnhaus von aussen – ist der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, der die Werke in den 30er- und 40er-Jahren aufgekauft hatte.
Marc Müller, Keystone
Der Berner Galerist Eberhard Kornfeld hat in der Vergangenheit mit Cornelius Gurlitt Geschäfte gemacht. (Archiv)
Der Berner Galerist Eberhard Kornfeld hat in der Vergangenheit mit Cornelius Gurlitt Geschäfte gemacht. (Archiv)
Alessandro della Valle, Keystone
Bei den gefundenen Bildern handelt es sich um Werke von bekannten Künstlern: Der Maler Pablo Picasso.
Bei den gefundenen Bildern handelt es sich um Werke von bekannten Künstlern: Der Maler Pablo Picasso.
Keystone
Aufgetaucht: «Die grossen blauen Pferde» von Franz Marc aus dem Jahr 1911.
Aufgetaucht: «Die grossen blauen Pferde» von Franz Marc aus dem Jahr 1911.
AKG
Max Beckmanns «Der Löwenbändiger» galt seit Jahrzehnten als verschollen.
Max Beckmanns «Der Löwenbändiger» galt seit Jahrzehnten als verschollen.
© 2013, ProLitteris, Zürich
Das Kölner Auktionshaus Lempertz bestätigt, den «Löwenbändiger» in eine Auktion aufgenommen zu haben. (3. November 2013)
Das Kölner Auktionshaus Lempertz bestätigt, den «Löwenbändiger» in eine Auktion aufgenommen zu haben. (3. November 2013)
Wolfgang Rattay, Reuters
Auch Kunstwerke von Henri Matisse, ...
Auch Kunstwerke von Henri Matisse, ...
Keystone
...von Otto Dix...
...von Otto Dix...
Keystone
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Der spektakuläre Kunstfund aus München ist für den österreichischen Kunstexperten Alfred Weidinger keine Überraschung. «Im Grunde genommen hat jeder wichtige Kunsthändler im süddeutschen Raum gewusst, dass es das gibt – auch in der Dimension», sagt er.

Die Aufregung darüber sei «aufgeblasen», sagte der Vizedirektor des Wiener Belvedere der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Versäumnisse sieht der Experte für die klassische Moderne bei den Restitutionsforschern: «Jetzt von einer grossen Entdeckung zu sprechen, ist geradezu lächerlich. Wenn ein Restitutionsforscher ordentlich arbeitet, ist es kein Geheimnis, den Spuren der Familie Gurlitt nachzugehen – in keiner Art und Weise.»

Genauere Nachforschungen hätten die zuständigen Experten schon viel früher zu der Sammlung führen müssen: «Wenn man im Jahr 2013 darauf kommt, dass es in München die Sammlung Gurlitt gibt, dann haben die ihren Job nicht richtig gemacht.»

Dass der Fund in der Wohnung des 79-jährigen Cornelius Gurlitt von den Behörden so lange geheim gehalten wurde, ist für Weidinger nicht verständlich: «Ich glaube, da wollen sich Leute wichtig machen.»

Von Alliierten konfisziert

Einige der in München aufgetauchten Kunstwerke wurden einem Bericht zufolge offenbar nach Kriegsende von den Alliierten beschlagnahmt und von diesen von 1945 bis 1950 verwahrt. Das schreibt die «Süddeutsche Zeitung» unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente. Dabei handele es sich um Protokolle, die die Alliierten von Befragungen des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt zu dessen Rolle im Dritten Reich anfertigten.

Eine an diese Protokolle angehängte Liste gibt demnach Auskunft über Gurlitts mehr als hundert Einzelwerke umfassende Privatsammlung, die zu diesem Zeitpunkt in einer Wiesbadener US-Sammelstelle eingelagert war. Darauf eingetragen seien offenbar auch einige der am Dienstag in Augsburg präsentierten Werke, darunter das bislang unbekannte Selbstbildnis von Otto Dix und das Gemälde «Zwei Reiter am Strand» von Max Liebermann sowie die Gouache von Marc Chagall.

Laut dem Zeitungsbericht forderte Hildebrand Gurlitt die Werke mit Erfolg von den Alliierten zurück. Bis auf zwei Bilder sei ihm seine angebliche Privatsammlung 1950 zurückgegeben worden.

(SDA)

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