Im Reich der wilden Sammler

Seit den 1980er-Jahren sammelt das Ehepaar Carola und Günther Ketterer-Ertle Kunst. Einen Einblick in die Sammlung und Lebenswelt der beiden.

Sammlerpaar: Carola Ertle und Günther Ketterer vor einem Videostill aus Yves Netzhammers «Peripheries of Bodies», 2012.<p class='credit'>(Bild: Dominique Uldry)</p>

Sammlerpaar: Carola Ertle und Günther Ketterer vor einem Videostill aus Yves Netzhammers «Peripheries of Bodies», 2012.

(Bild: Dominique Uldry)

Helen Lagger@FuxHelen

«Wir sind genetisch bedingt der Kunst verfallen», sagt Günther Ketterer im eigens für die Ausstellung im Berner Mobiliar-Hauptsitz gedrehten Film. Er und seine Frau Carola Ertle Ketterer spielen sich wortwörtlich den Ball zu – beziehungsweise eine Orange, während sie über ­ihre Liebe zur Kunst sprechen.

Auch Dorothea Strauss kommt zu Wort. Die Kuratorin beschreibt den Besuch bei dem Sammlerpaar als «einmaliges Erlebnis».

Expressionismus und Video

Um dieses Erlebnis zu transportieren, liess sie die Wohnung vom Fotografen David Willen ablichten und aus den schwarzweissen Aufnahmen eine Tapete herstellen.

Die beiden Sammler sind darauf ebenso zugegen wie deren Bücher und Kunstgegenstände. Zusammen mit den Originalen ergibt das einen reizvollen Effekt. Man ist ein bisschen bei den Ketterers zu Hause.

Bereits in den Achtzigerjahren fing das Berner Ehepaar, das ­gemeinsam ein Treuhandbüro führt, mit Sammeln an. Die jungen Wilden standen damals zuoberst auf ihrer Liste. Mit Elvira Bach ist eine Künstlerin des neoexpressionistischen Stils mit dabei. Das Leitmotiv der deutschen Künstlerin sind starke Frauen.

Was das Sammeln von Videokunst angeht, sind die Ketterers Pioniere. Im Eingangsbereich der Mobiliar läuft die Videoinstallation des Berner Künstlers Peter Aerschmann. Frauen in Burka und Polizisten in Uniform vermischen sich, buddhistische Mönche richten ihre Kamera auf den Betrachter.

Aerschmann ist bekannt für seine collagenartigen Videos, die scheinbar Unvereinbares zusammenbringen. Gemeinsam mit dem Künstler hat sich das Sammlerpaar in den Nullerjahren erfolgreich für den Erhalt des Kulturzentrums Progr eingesetzt.

Geburtshelfer der Kunst

Die beiden sind keine klassischen Mäzene, aber eine Art Geburtshelfer der Kunst. Mit regelmässigen Ankäufen von lokaler Kunst haben sie zahlreiche Berner Kunstschaffende unterstützt.

Wer in diese Sammlung eintaucht, taucht in die Berner Szene der letzten Jahrzehnte ein. Arbeiten von Chantal Michel, Reto ­Leibundgut oder Renée Magana ergeben ein eigenwilliges Ganzes.

Sie sammeln mit langem Atem und unterstützen Kunst, die Fragen aufwirft.

«Kunst und Leben» gehört zur Ausstellungsreihe «Kunst und Nachhaltigkeit», die Dorothea Strauss lanciert hat. Die Sammlung der Ketterers passt ins Konzept, da die Sammler mit langem Atem sammeln und Kunst unterstützen, die Fragen aufwirft, wie wir unser Leben gestalten wollen.

Die Malerei von Andrea Nyffeler verweist mit einem massakrierten Eisbären und einem Inuit-Mädchen, das ihr selbst gleicht, auf bedrohte Lebenswelten. Francisco Sierras barocke Still­leben mit Totenschädeln thematisieren die Vergänglichkeit aller Dinge.

Carola Ertle Ketterer teilt mit manchen «ihrer» Künstler den Hang zum Makaberen. Sie selbst sammelt Totenschädel in allen Varianten, denen man in der dichten Schau auf der Fototapete begegnet.

Ausstellung: bis 17. August in der Mobiliar, Bundesgasse 35, Bern.

Berner Zeitung

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