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Häppchen-Oper im Geisterhochhaus

In die leeren Räume des ehemaligen Swisscom-Towers an der Ostermundigenstrasse in Bern kehrt am 8. Dezember das Leben zurück. Ein Blick auf die Kunstprojekte der Zwischennutzung.

Bald ein Konzertsaal: Auch dieser ehemalige Swisscom-Aufenthaltsraum wird am 8. Dezember von «Flash! (back and forward)» bespielt.
Bald ein Konzertsaal: Auch dieser ehemalige Swisscom-Aufenthaltsraum wird am 8. Dezember von «Flash! (back and forward)» bespielt.
Manuel Zingg
Dierk Harte, Verwalter der Firma Mayfield, auf dem Dach des Hochhauses.
Dierk Harte, Verwalter der Firma Mayfield, auf dem Dach des Hochhauses.
Manuel Zingg
So sieht das Hochhaus von aussen aus (Aufnahme von 2014).
So sieht das Hochhaus von aussen aus (Aufnahme von 2014).
Urs Baumann
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Im Eingangsbereich des Hochhauses an der Ostermundigenstrasse 93 baumeln Lautsprecher an Kabeln von der Decke. Eine Kunstinstallation des Musiknetzwerks Pakt Bern, wie sich herausstellt. Die Swisscom war 2014 ausgezogen, in der Zwischenzeit blieb das Gebäude leer.

Seit August weiss man um die Pläne der Besitzerin: Die Reiber Sarl aus Genf setzt auf eine künstlerische Zwischennutzung, die das Haus für spätere Mieter attraktiver machen soll.

Diese Phase werde zwei bis drei Jahre dauern, sagt Tamer Amr von Reinvest Capital, der Mutterfirma der Reiber Sarl. Danach soll aus dem Ex-Swisscom-Tower Wohnraum werden – ein knappes Gut in Bern.

Oper in Häppchen

Bis dahin wird das Gebäude zu einem regelrechten Kunstversuchskaninchen. Das Netzwerk für neue Musik Pakt Bern eröffnet die Zwischennutzungsphase am 8. Dezember mit einem Konzertabend der speziellen Art. Bei «Flash! (back and forward)» wird nicht nur mit Musik experimentiert, sondern auch mit den Aufführungsräumen.

Eine Aktion soll im Warenlift stattfinden, eine andere auf dem Dach des Hochhauses. Obwohl im Gebäude die Zeit stehengeblieben scheint, sind die Entwicklungen zukunftsweisend. Dieser Gedanke spiegelt sich im Titel der Veranstaltung.

Im Januar gibt es eine Oper in Häppchen von der Hochschule der Künste Bern. Die Vorlage für «L`Europe savage» stammt von Jean-Philippe Rameau. Peter Kraut, Stellvertretender Leiter Fachbereich Musik, nennt es eine Stationengeschichte. Nach einer halben Stunde Aufführung zieht das Musiktheater von Räumlichkeiten der HKB in den ehemaligen Hörsaal der Swisscom – und wieder zurück.

Wie eine Kathedrale

Schade, dass Verwalter Dierk Harte keinen Zugang zum Hochregallager an der Ostermundigenstrasse 103 gewähren konnte. In dem 20 Meter tiefen Raum fühle man sich wie in einer Kathedrale, heisst es. Perfekt für die Performance «Radio Vinci Park» vom 15. März, die idealerweise in einer Tiefgarage aufgeführt werden soll. Choreograf François Chaignaud will ein Motorrad, einen Tänzer und ein Cembalo auf künstlerische Art zusammenbringen. Wie genau das aussehen soll, bleibt jedoch im Voraus ebenso mysteriös wie der Aufführungsort.

Seit die Firma Projekt Interim mit der Suche von Zwischennutzern begonnen hat, sind über 85 Bewerber dem Aufruf gefolgt. Festivals, digitale Kunst und Kunst am Bau seien angedacht, sagt Georgina Casparis, welche die Projekte kuratiert. Zudem dürfen sich Artists-in-Residence, also Gastkünstler, über gratis zur Verfügung gestellte Ateliers freuen. Nach der Zwischennutzungsphase könnten solche Künstler ihr Atelier behalten – jedoch zu normalen Mietpreisen.

«Flash! (back and forward)»: 8. 12., Ostermundigenstrasse 93, Bern.«L`Europe savage»:25. bis 27. 1., HKB und Ostermundigenstrasse 93.«Radio Vinci Park»: 15. 3., Ostermundigenstrasse 103, Bern.Alle Projekte:www.hochhaus.be

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