Gurlitt-Taskforce steht vor magerer Bilanz

Zwei Jahre lang haben Experten die Sammlung Gurlitt erforscht. Bisher haben sich nur fünf Werke als NS-Raubkunst erwiesen. Mitte Januar soll der Abschlussbericht vorliegen

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Am Anfang gab es hochfliegende Erwartungen. Die Taskforce zum spektakulären Münchner Kunstfund von Sammler Cornelius Gurlitt sollte ihre Arbeit 2015 «im Wesentlichen» abgeschlossen haben. Die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters versprach die Rückgabe von NS-Raubkunst «ohne Wenn und Aber».

Jetzt steht das hochkarätige internationale Expertengremium vor seiner Auflösung - und vor einem Debakel, wie manche Kritiker meinen. Bei gerade mal fünf von rund 500 raubkunstverdächtigen Werken liess sich klar Nazi-Unrecht nachweisen: nach zweijähriger Arbeit und 1,7 Millionen Euro Fördergeldern eine Aufklärungsquote von einem Prozent.

Vor allem die Opfer sind enttäuscht. Die Taskforce habe die Aufklärung nicht genügend vorangetrieben und damit die Rückgabe von Raubkunst - anders als von den Überlebenden der Shoah und ihren Erben erwartet - nicht zügig erledigt, kritisiert Ruediger Mahlo von der jüdischen Opfervertretung Claims Conference in Deutschland.

Mitte Januar will die Taskforce offiziell ihren Abschlussbericht vorlegen. Zu jedem der 499 zweifelhaften Werke, seit Ende 2013 auf der Datenbank Lost Art (www.lostart.de) eingestellt, sollen die bis dahin gesicherten Ergebnisse zusammengefasst werden.

1250 Werke beschlagnahmt

Seit zwei Jahren sorgt der Fall Gurlitt für Schlagzeilen. Damals war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft in der Münchner Wohnung des Eigenbrötlers mehr als 1250 teils hochkarätige Kunstwerke beschlagnahmt hatte. Später kamen aus seinem heruntergekommenen Haus in Salzburg nochmals fast 250 Bilder hinzu - darunter Arbeiten von Picasso, Renoir und Monet.

Die jahrzehntelang geheim gehaltene Sammlung stammt von Gurlitts Vater Hildebrand, der trotz seiner teils jüdischen Abstammung einer der wichtigsten Kunsthändler der Nazis war - und nebenher eine private Sammlung aufbaute. Die Forscher sollten klären, wie viele seiner Bilder den einstigen jüdischen Besitzern von den Nazis gestohlen oder zu Spottpreisen abgepresst worden waren.

Grösster Unsicherheitsfaktor bleibt vorerst weiter der Rechtsstreit um das Erbe. Gurlitt hatte die Sammlung mit seinem Tod 2014 dem Kunstmuseum Bern vermacht, eine Cousine ficht das Testament an. Bis zum 1. Februar können die Beteiligten nun zu einem Gutachten über Gurlitts Geisteszustand Stellung nehmen. Erst danach wird das Oberlandesgericht München entscheiden

phz/SDA

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