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Grässlich-schöne Bestien

Die Bilder von Walton Ford handeln von Bestialität - tierischer und menschlicher. Auch den Panther, der einst Zürich in Angst versetzte, hat der US-Künstler aufgegriffen. Wir zeigen die verstörenden Gemälde.

Ein Löwe, der einen Mann unter sich begräbt, ein wilder Truthahn, der einen kleinen Papagei mit seinen Klauen zerquetscht, eine Affenhorde, die gierig eine festlich gedeckte Tafel verwüstet oder ein schwer verwundeter Büffel, der von blutverschmierten Wölfen umringt ist - die Tierwelt Walton Fords ist nicht idyllisch.

Walton malt mit dem altmeisterlichen Stil eines naturwissenschaftlichen Zeichners, der Inhalt seiner Werke wirkt modern: «Da ist eine Sache, die Menschen über meine Kunst wissen müssen: Es geht dabei nicht nur um Tier- oder Naturdarstellungen, sondern um Kulturgeschichte, um unsere Beziehung zu Tieren, wie wir in den letzten Jahrhunderten mit ihnen umgegangen sind», so der Künstler über seine Arbeit. Seine Bildinhalte findet Ford in Reisebeschreibungen und Aufzeichnungen von wahren Begebenheiten der Kolonial-Ära.

Der Basler Elch

Die Tiere in Fords Werken werden sehr oft als Opfer von menschlicher Grausamkeit dargestellt. In Ketten gelegte Tiere sind zu sehen, domestizierte Lebewesen, die wild werden, weil sie sich nicht zähmen lassen wollen, aber auch ein Gorilla, der die von Menschen mitgebrachte Waffe gegen sich selbst richtet. Auch zwei Schweizer Motive sind unter Fords Arbeiten zu finden. Eines zeigt den Panther, der im Jahr 1934 vom Zürcher Zoo entwich und sich zwei Monate lang in den Wäldern zwischen Zürich und St. Gallen versteckt hielt - bis ein Tagelöhner ihn erschoss und verspeiste.

Das zweite «Schweizer Bild» heisst «Thurnyesser's Demon». Darauf abgebildet ist ein Elch mit blutrotem Geweih. Ford malte es, nachdem er die Geschichte des Basler Alchemisten Thurnyesser gehört hatte. Dieser hatte im Mittelalter einen polnischen Fürsten geheilt und als Dank einen Elch bekommen. Für die Basler, die noch nie ein derartiges Tier gesehen hatten, war klar, dass es sich um den Leibhaftigen handelte. Eine alte Frau versah einen Apfel mit Scherben und verfütterte diesen dem Elch, worauf das Tier verendete.

Zivilisationskritik

Die Zeichnungen des Amerikaners verwischen oft auch die Trennlinie zwischen Mensch und Tier, so spiegelt sich im Antlitz der Tiere immer wieder die «Bestie Mensch» mit all ihren «Todsünden» wie Gier, Neid, Hochmut, Rachsucht und Zorn wider. Walton Ford übt anhand seiner Kampf-Allegorien Zivilisationskritik. Er streift dabei Themen wie Gewalt, das Artensterben oder die Zerstörung und Verschmutzung der Umwelt.

Nach seiner ersten Europa-Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin ist die Ausstellung nun in der Albertina zu sehen. Mit seinem Werk zeigt sich der Künstler bewusst als ein Outsider im zeitgenössischen Kunstbetrieb. Seine Aquarelle kosten bis zu 400'000 Dollar, Prominente wie Mick Jagger, Ex-Gucci-Designer Tom Ford oder die Rockpoetin Patti Smith haben schon investiert.

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