Fürsten im Rausch der Kunst

Die Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein gehören zu den bedeutendsten Privatsammlungen der Welt. Eine Sonderausstellung im Kunstmuseum Bern gibt im November Einblick in den Kunstschatz.

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Helen Lagger@FuxHelen

Sie schwebt barfuss an einem erhaben leuchtenden Himmel. Sie ist Göttin Iris , bekannt aus der griechischen Mythologie, und sie ist das Porträt einer Adeligen. Die Malerin Elisabeth Vigée-Lebrun (1755–1842) stoppte während einer Europa-Reise in Wien. Hier erhielt sie vom Haus Liechtenstein den Auftrag, Karoline von Liechtenstein (1768–1831) als Iris zu porträtieren.

Heute ist das Gemälde im Stadtpalais Liechtenstein in Wien ausgestellt. Im November kommt das mehr als zwei Meter hohe Gemälde nach Bern, wo das Kunstmuseum anhand von rund 200 Zeichnungen, Gemälden, Skulpturen, Möbeln und Objekten einen Einblick in die Fürstlichen Sammlungen gewährt. «Karoline» ist das Keyvisual, sie dient auf allen Plakaten schwebend als Werbebotschafterin für die Schau in Bern.

«Karoline» dient auf allen Plakaten schwebend als Werbebotschafterin für die Schau in Bern.

Barockes Ideal

Die Liechtensteiner Adeligen sucht man vergeblich in der Regenbogenpresse. Bevorzugte Tätigkeitsfelder des Hauses Liechtenstein sind Kunst, Private Banking und der Weinanbau. Prinz Philipp von uns zu Liechtenstein etwa ist der Chairman der LGT Bank AG in Vaduz, die sich seit über achtzig Jahren im Besitz der Familie befindet.

Mit dem Spruch «Investieren wie der Fürst» wirbt die Hedgefonds-Gesellschaft um Kunden. Seit fast 600 Jahren werden die Weingüter von Wilfersdorf von der fürstlichen Familie kultiviert. Stolz ist man etwa auf eigens hergestellten Grünen Veltliner oder Riesling.

Weit zurück reichen auch die Anfänge der Fürstlichen Sammlungen. Konsequent Kunst gesammelt wurde ab dem 17. Jahrhundert. Bis heute versteht das Haus Liechtenstein seine Sammeltätigkeit im Sinne des barocken Ideals: Gepflegt wird «kunstsinnig fürstliches Mäzenatentum». Natürlich dienen die weltweit stattfindenden Wechselausstellungen wie jene in Bern auch der Politik in eigener Sache. (Siehe Zweittext)

Als Leiter der Sammlungen hat das Fürstenhaus den Österreicher Johann Kräftner verpflichtet. Wie fürstlich ist das Budget, das dem 65-jährigen Architekten und Kunsthistoriker zur Verfügung steht ? Die Summe für Neuankäufe variiere von Jahr zu Jahr stark. Daher könne keine fixe Angabe dazu gemacht werden, sagt Alexandra Hanzl, Stellvertretende Direktorin der Fürstlichen Sammlungen auf Anfrage.

Als spektakulär kann der Neuerwerb des «Badminton Cabinet», eines Prunkschranks aus Pietra Dura, Ebenholz und vergoldeter Bronze, bezeichnet werden. Am 9. Dezember 2004 ersteigerte Kräftner bei einer Auktion von Christie’s in London das wertvollste Möbelstück der Welt (um 27 Millionen Euro) für die Fürstlichen Sammlungen.

Turbulente Kriegszeiten

Kräftners Aufgabe besteht indes nicht nur darin Neues zu erwerben. Es gilt auch Lücken zu schliessen, die durch notwendige Veräusserungen in der Nachkriegszeit entstanden sind. Die Familie hatte während des Kriegs Territorium in Böhmen und Mähren sowie einen grossen Teil ihres Vermögens verloren. Heute kauft Liechtenstein Kunst zurück: etwa 2002 Jan van Huysums (1682–1749) «Blumenstrauss in einer Nische».

Während des Zweiten Weltkrieges verlegte die fürstliche Familie erstmals in der Geschichte ihren Wohnsitz nach Vaduz. Während 130 Jahren hatte das Fürstenhaus die Sammlungen im Gartenpalais Liechtenstein in Wien öffentlich präsentiert. 1938 wurde die Galerie für das Publikum gesperrt.

In einer Nacht- und-Nebel-Aktion wurden die Kunstschätze in den letzten Kriegswochen nach Vaduz vor der Beschlagnahmung durch die Nationalsozialisten in Sicherheit gebracht. In Vaduz befindet sich bis heute der Sitz der Fürstlichen Sammlungen. Unter Fürst Hans Adam II. wird seit den 1970er- Jahren wieder aktiv gesammelt.

Schade eigentlich, dass die jüngsten Objekte vom Ende des 19. Jahrhunderts datieren. Ein Werk von Jeff Koons – ehemaliger Banker und Meister des Pomp – würde doch wunderbar in die Fürstlichen Sammlungen passen.

Ausstellung:12. 11. bis 19. 3., Kunstmuseum, Bern.

Berner Zeitung

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