Film ab zum 100. Geburtstag

Der Berner Künstler Werner Schwarz würde dieses Jahr 100 Jahre alt. Über ihn ist ein Dokumentarfilm mit szenischen Einlagen am Entstehen.

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Muss man Werner Schwarz kennen? «Nein, Werner Schwarz muss man nicht kennen», schreibt der Berner Kulturjournalist und Autor Konrad Tobler im Vorwort zu seinem Buch über Leben und Werk des Künstlers Schwarz. Wer war er? Ein Bauernsohn, 1918 in Köniz ge­boren, 1994 in Bern gestorben. Ein Eigenbrötler und Weltenbummler, Kunstmaler, Glas­maler, ein Suchender nach dem «Weltgesetz», fasziniert von Geometrie und Zahlensymbolik.

Ohne Strom und Wasser

Der 59-jährige Johannes Spycher, Galerist und Inhaber der Brock & Art im Liebefeld, hat Werner Schwarz persönlich gekannt. «Mein Vater war in erster Ehe mit einer Schwester von Werner Schwarz verheiratet», erzählt Spycher. «Schwarz lebte bescheiden in einer Holzhütte ohne Wasser und Strom in Schliern.» Er, Spycher, habe ihn, Schwarz, als Teenager öfter besucht und ihm jeweils seine neuste Freundin vorgestellt. Die Hütte am Bannholzweg in Schliern steht heute noch. Sie gehört der Stiftung Werner Schwarz.

Der Künstler würde dieses Jahr 100 Jahre alt. Das Jubiläum hat Johannes Spycher zu einem Film über den Künstler inspiriert. «Vor gut einem Jahr bin ich mit dem Vorhaben an Filmemacher und Regisseur Christian Knorr gelangt», sagt Spycher. Enthusiastisch, wie Spycher ist, konnte er ihn und andere dafür schnell begeistern. «Es ist eindrücklich, wie das angefangen hat. Wir haben losgelegt, ohne gross zu fragen, wer wie viel daran verdient.»

Drei Wochen in Marokko

Entstanden ist ein 90-minütiger Dokumentarfilm – «Der Anachronist» – mit szenischen Ein­lagen. «Wir haben an Original­orten gedreht, wo sich Werner Schwarz aufgehalten hat – unter anderem dreieinhalb Wochen in Marokko», erzählt Spycher. Einheimische Berber spielten die Komparsen, der 23-jährige Berner Musiker und Tonkünstler Ramon Bischoff den jungen Künstler Schwarz. Bischoff ist es auch, der die Filmmusik geschrieben hat. Für die Requisiten war Filminitiant und Produzent Johannes Spycher zuständig. Mit Nina Iseli hat schliesslich auch eine pro­fessionelle Schauspielerin mit­gewirkt; als Mutter von Werner Schwarz nimmt sie in Köniz Abschied von ihrem Sohn, der nach Afrika reist.

Im Film kommen auch ein halbes Dutzend Leute zu Wort, die Werner Schwarz persönlich gekannt haben; interviewt wurden etwa der Schriftsteller Lukas Hartmann, die Schauspielerin Heidi Maria Glössner sowie der Musiker Balts Nill. «Zudem haben wir originale Filmaufnahmen, die Werner Schwarz auf seinen Reisen gemacht hat, hineingeschnitten», sagt Produzent Spycher. Künstler Schwarz war viel gereist, nach Indien, Grönland, Afrika, Südamerika und in die USA.

50 000 Franken vom Kanton

Eine Filmproduktion kostet Geld. Auch wenn ein paar Enthusiasten auf eine Gage verzichten. «Jetzt läuft die Nachproduktion, die Finanzen sind gesichert, der Film kann fertiggestellt werden», freut sich Johannes Spycher. ­Ende Dezember habe der Kanton Bern 50 000 Franken gesprochen. Von der Gemeinde Köniz seien 10 000 Franken einge­gangen. Und die Stiftung Werner Schwarz habe 3200 Franken beigetragen. Die Macher möchten den Film anlässlich der Aus­stellung über Werner Schwarz zeigen, die vom 19. Mai bis zum 18. Juli in der Brock & Art im Liebefeld präsentiert wird. Laut Johannes Spycher soll er zudem an den Filmfestivals in Winterthur, Nyon und im österreichischen Linz laufen. «Schön wäre auch, wenn er auf einem Kunstkanal der diversen TV-Sender zu sehen wäre.»

Kulturjournalist Konrad Tobler lotet den Kosmos des Aussenseiters Schwarz in seinem Buch «Gebrochene Heimat» übrigens gründlich aus – und kommt zum Schluss: «Werner Schwarz sollte man kennen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.01.2018, 06:41 Uhr

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