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«Erni prägte die geistige Mobilität»

Politik und Kunst würdigen das Schaffen des verstorbenen Malers Hans Erni. Hervorgehoben werden die «unheimliche Schaffenskraft» und der «riesige Wissensschatz» des Luzerners.

«Unheimliche Schaffenskraft»: Hans Erni präsentiert auf dem Bellevue in Zürich eine Ausstellung von 24 seiner Plakate, eines davon ein Selbstporträt. (5. Juli 1972)
«Unheimliche Schaffenskraft»: Hans Erni präsentiert auf dem Bellevue in Zürich eine Ausstellung von 24 seiner Plakate, eines davon ein Selbstporträt. (5. Juli 1972)
Keystone
Erni hatte bis fast zuletzt täglich gearbeitet: Zwei Tage vor seinem 106. Geburtstag in seinem Atelier. (19. Februar 2015)
Erni hatte bis fast zuletzt täglich gearbeitet: Zwei Tage vor seinem 106. Geburtstag in seinem Atelier. (19. Februar 2015)
Sabrina Bobst
Prominenter Gast: Stararchitekt Mario Botta an einer Vernissage des Malers. (28. November 1998)
Prominenter Gast: Stararchitekt Mario Botta an einer Vernissage des Malers. (28. November 1998)
Rene Ritler, Keystone
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Der Tod von Hans Erni sei ein «grosser Verlust», sagt der Direktor des Verkehrshauses der Schweiz in Luzern, Martin Bütikofer. «Erni prägte die geistige Mobilität.» Die Nachricht von Ernis Tod habe ihn insofern überrascht, als dass er noch vor drei Wochen mit ihm ein äusserst inspirierendes Gespräch geführt habe, sagt Bütikofer. Der Verkehrshaus-Direktor lobte Ernis «unheimliche Schaffenskraft», den Lebenswillen und die Fähigkeit, auch mit 106 Jahren noch «eindrückliche Formen» zu zeichnen.

Ernis Ausstrahlung sei stets so positiv gewesen. Hans Erni habe mit seinem Museum viel zur Vernetzung beigetragen und dadurch auch viele Leute ins Verkehrshaus nach Luzern gebracht. Hans Erni eröffnete im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern 1979 sein eigenes Museum, das rund 300 Arbeiten zeigt.

«Erni machte nicht Kunst um der Kunst willen»

Mit Hans Ernis Tod gehe eine Epoche zu Ende. Das sagt Peter Fischer, der 2009 die grosse Ausstellung im Luzerner Kunstmuseum zu Ernis 100. Geburtstag kuratierte. Der Verstorbene habe nicht Kunst um der Kunst willen gemacht, sondern immer ein humanistisches Anliegen damit vermittelt.

Zur wiederkehrenden Kritik, Hans Erni habe sich stilistisch nicht weiterentwickelt, meint Fischer, der heute das Zentrum Paul Klee leitet: «Wer kann sich schon 100 Jahre lang weiterentwickeln?» Erni habe bewusst für einfache Leute gemalt. Das erkläre auch, warum er sich motivisch häufig wiederholte.

Das sei aber nur vordergründig einfach gewesen, Erni sei nie im bloss Virtuos-Dekorativen stecken geblieben. Er habe in seinen Werken einen riesigen Wissensschatz verarbeitet, sei umfassend gebildet gewesen, beispielsweise in Naturwissenschaften, Philosophie und Literatur.

Erni habe ein «Ausnahmeleben» gelebt, nicht nur was die Dauer betrifft, sondern auch seine Produktivität und seinen wachen Zeitgeist.

Berset: «Wir unterhielten uns lange»

«Mit Hans Erni verliert die Schweiz einen bedeutenden Künstler, der das 20. Jahrhundert durchlebt und die grössten Künstler getroffen hat», teilt Bundesrat Alain Berset mit. Erni habe seine Kunst immer in den Dienst seiner politischen Überzeugung gestellt.

Berset erinnert beispielsweise an die Plakate, die der Künstler für die Einführung der AHV, die Pro Juventute, das Rote Kreuz und das Frauenstimmrecht gestaltet hatte. Auch als fesselnde Persönlichkeit und anregender Gesprächspartner ist der Luzerner Berset in Erinnerung geblieben. Er habe 2013 Gelegenheit gehabt, Erni und seine Gattin zu besuchen.

«Wir unterhielten uns lange über Kunst, Politik und weitere Themen. Insbesondere sprachen wir über die Kraft der Bewegung in seiner Kunst, in der Politik und im Leben überhaupt – und darüber, dass es in einer Welt, in der sich alles verändert, Stabilität nur in der Bewegung geben kann.»

Alt-Bundesrat Leuenberger würdigt Erni

Der damalige Bundesrat Moritz Leuenberger hielt 2009 die Festrede zur Eröffnung der grossen Retrospektive «100 Jahre Hans Erni» im Kunstmuseum Luzern. Leuenberger zeigt sich gegenüber Radio Energy betroffen vom Tod des Kunstmalers und Bildhauers. Ihn habe vor allem die geistige Frische Hans Ernis beeindruckt, sagt Leuenberger. «Man hat ihm das Alter nie angemerkt, er hätte auch 50 Jahre alt sein können.» Erni habe geistig nicht ein Quäntchen abgebaut.

Den Werdegang Ernis bezeichnet Moritz Leuenberger als ein Stück Schweizer Geschichte – sowohl künstlerisch wie politisch. «Er war immer ein sehr aktiver Citoyen. Er hat seine Kunst und Ästhetik stets in den Dienst seiner humanistischen Überzeugung gestellt.»

Luzerner Politik würdigt Ernis Schaffen

Der Luzerner Kulturdirektor Reto Wyss würdigt nicht nur die grossen, bekannten Werke des Künstlers. Er lobt auch Hans Ernis unermüdliches Engagement für humanitäre Anliegen.

Er erinnere sich gerne an die Begegnung mit Hans Erni an dessen 105. Geburtstag, sagte der Luzerner Kulturdirektor Reto Wyss auf Anfrage. Beeindruckend sei gewesen, in welch klarem, geistigem Zustand sich der Künstler noch befunden habe.

Erni sei nicht nur in Luzern, sondern auch national und international bekannt gewesen, sagte Wyss. Der Künstler sei in der Öffentlichkeit oft in Erscheinung getreten – gerade auch mit seinen grossen Wandbildern. Der Kulturdirektor würdigte aber ebenfalls Ernis Engagement, mit dem dieser immer wieder für humanitäre Anliegen eingestanden sei.

«Fassungslos betroffen» sei er vom Tod des überragenden Künstlers, sagte der Luzerner Stadtpräsident Stefan Roth auf Anfrage. Erni sei nicht nur der älteste in Luzern wohnhafte Mann gewesen, sondern wohl auch der berühmteste Luzerner überhaupt.

Auch Roth erinnert sich gerne an die Begegnungen mit Erni. Dieser sei «ein Mann mit immenser Schaffenskraft» gewesen, der ein vollendetes Werk hinterlasse.

«Grosser und sehr alter Wegbegleiter der SP»

Ernis Tod löste auch auf Twitter zahlreiche Reaktionen aus. So zeigte sich SP-Präsident Christian Levrat bewegt vom Tod dieses «sehr grossen und sehr alten Wegbegleiters der SP».

Ein grosser Humanist, Kämpfer für Frauenstimmrecht, AHV und gegen Atomwaffen sei heute verstorben, twitterte der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth.

Hans Erni verstarb am Samstag in der Hirslanden-Klinik St. Anna in Luzern. Er war 106 Jahre alt.

SDA

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