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Ein bisschen Schamane, ein bisschen Dandy

Die Fondation Beyeler zeigt eine Mega-Schau zu Paul Gauguin. Die Eröffnung fällt mit einer spektakulären Neuigkeit zusammen.

Es war einer der Tiefpunkte (wenn auch nicht der absolute). Im Spätsommer 1884 kehrte Paul Gauguin von einem Aufenthalt in der Bretagne nach Paris zurück, bloss um festzustellen, dass seine Geliebte sein Atelier ausgeräumt hatte. Geld, Möbel – alles weg. Nur etwas hatte sie zurückgelassen – wohl in der Annahme, man könne es ohnehin nicht vergolden: Monsieurs Bilder.

So hässlich diese Episode endet, so symptomatisch ist sie für die zwischenmenschlichen Fertigkeiten des grossen Gauguin (1848–1903). Prügeleien und Gerichtstermine pflasterten seinen Weg, zurück blieb verbrannte Erde. Man denke nur an Van Goghs abgeschnittenes Ohr, das aus einem Streit der beiden resultierte. Das Faszinierende dabei ist, wie Gauguin es jeweils noch schaffte, die Ruhe vor dem Eklat in ein Gemälde umzumünzen. Vielleicht liegt hier der Schlüssel dazu, dass selbst die unaufgeregtesten Motive bei ihm vor innerer Energie vibrieren. Der gehassliebte Van Gogh pinselt bei Gauguin friedlich an seinen Sonnenblumen herum (wobei das flammende Rot seines Bartes bereits auf die Nasenpartie übergreift). Und Annah – die schöne Tänzerin aus Ceylon, die Gauguins Atelier plünderte – thront vor zuckerwattenrosa Hintergrund in einem himmelblauen Fauteuil, mit nichts als Ohrringen am Körper. Zu ihren Füssen aber sitzt, bereit zum Sprung, ein kleines Äffchen – und beobachtet, wie sich von der unteren rechten Bildecke ein unheilvoll grelles Gelb in die pastellfarbene Komposition schiebt.

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