Die Kunst fliesst durch das Dorf

Attiswil

Seit Sonntag steht das Dorf Attiswil am Jurasüdfuss wieder ganz im Zeichen der Kunst. 57 Kunstschaffende zeigen, was sie unter «Kunstfluss» verstehen.

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«Erstaunlich, was den Leuten zum Thema ‹Kunstfluss› alles einfällt.» Was Besucherin Susanne Huber aus Riedholz am Rundgang anlässlich der Vernissage von «Kunstfluss» am Sonntag in Attiswil sagte, hörte man immer wieder. Und Christine Lenzin aus Solothurn fand sogar, dass auch die Natur als Kunstwerk teilnimmt. «Man läuft mit anderen Augen durch die Landschaft.»

«Kunstfluss» ist, nach «Kulturundum» und «Tierisch-gut» der dritte Kulturweg, den der Museumsverein Attiswil unter Präsidentin Nicole Rebholz Ingold initiierte. Abgesehen von einigen Schlaufen abseits des Wassers, zeigen 57 Kunstschaffende Objekte am, im und über dem Fluss.

Den Dorfbach entlang

Der Einstieg in den Kunstweg beginnt im Garten, dem Lebenswerk des im letzten Jahr unerwartet verstorbenen Max Danz und seiner Familie im oberen Dorfteil. Anschliessend führt er den offenen Dorfbach entlang, hinunter ins freie Feld, an der Kirche und dem Atelier von Schang Hutter vorbei zurück zum Museum, wo ebenfalls Objekte ausgestellt sind.

Thomas Bucher aus Kriens, einer der wenigen Künstler, die nicht aus den Kantonen Solothurn oder Bern stammen, zeigt eine Skulptur namens «Tetrapack x anders». Er nimmt bereits zum zweiten Mal an einem Kulturweg in Attiswil teil und ist voll des Lobes über die Organisation. Aber auch über die Vielfalt, «und darüber, was andere Künstler aus dem Thema machen».

Fische aus unterschiedlichen Materialien schwimmen gegen den Strom oder «Im Fluss der Zeit» (Schule Attiswil). Die Veränderung als Zeitfluss findet ebenso ihren Platz wie «Weidart» oder «Der Sprinter» mit Kleidern aus Wolle und der Botschaft «Lasst es einfach fliessen» respektive laut Künstlerin Pierina Wyss-Ceppi aus Rütschelen «dem Auftrag, die Leute zu erfreuen». Aber auch Botschaften wie der Überfluss von PET-Flaschen oder Lebensweisheiten sind anzutreffen.

Attiswil und die Kunstwege

Es sei kein Problem gewesen, Kunstschaffende zu finden, sagen die Verantwortlichen. Eine Auswahl musste nicht getroffen werden. «Wir haben einfach alle berücksichtigt, die sich angemeldet haben», sagt Nicole Rebholz Ingold.

Gut ein Jahr haben die Vorbereitungen für das Projekt gedauert, hinter dem die Bevölkerung nach den bisherigen guten Erfahrungen voll stehe. «Wer heute sagt, er wohne in Attiswil, wird oft auch auf die Kunstwege angesprochen», nennt der Medienverantwortliche Peter Schaad einen positiven Effekt.

Rosaroter Kirchturm

Dies erfuhr auch Eva Gauch, Betriebsleiterin des Kultur- und Kongress-Zentrums Altes Spital in Solothurn, immer wieder, wie sie an ihrer kurzen Ansprache an der Vernissage erzählte. «Als wir sagten, dass wir in Attiswil ein Haus bauen, haben wir aus den Reaktionen oft das Erstaunen herausgehört, in ‹so ein Bauernkaff› zu ziehen.»

Mit Rückblick auf «Kulturundum» habe sie damals jeweils geantwortet: «Wir zügeln in eine Gemeinde, in der im Rahmen eines Kunstprojekts der Kirchturm rosarot angestrichen wird.» Gauch lobte den erneuten Mut und die Tatkraft des Organisationsteams, denn «Kunst ist Treibstoff für die Seele und für den Geist».

«Kunstfluss» dauert bis zum 25. Oktober 2015. Der Weg ist frei zugänglich. Das Museum ist jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen können per Mail an monika.weidmann@ggs.ch gebucht werden. Mehr unter: www.museum-attiswil.ch

Berner Zeitung

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