Die Bewahrer der Berner Kunst

Seit über 50 Jahren sammelt das Thuner Ehepaar Hans und Marlis Suter Kunst aus der Schweiz, vor allem aus dem Berner Oberland. Und ­regelmässig zeigt es seine Schätze öffentlich, jetzt im Höchhus Steffisburg. Eine ­Begegnung.

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Im geräumigen Dachstock öffnen sich Traumwelten: Da weiden Schafe inmitten blühender Wiesen, und die Oberländer Berge oder venezianische Paläste spiegeln sich im blauen Wasser. Fröhliche Bauern und zarte Feen bevölkern Märchenlandschaften, still vertiefen sich Frauen in Musik oder Lektüre, grossäugig staunen Kinder.

Hans und Marlis Suter haben ihre 24. Ausstellung wie gewohnt selber gestaltet, mit tatkräftiger Hilfe der Gemeinde und des Fördervereins. Seit einem halben Jahrhundert sammelt das über achtzigjährige Thuner Ehepaar Schweizer, vor allem Berner Kunst und zeigt sie auch gross­zügig: früher im Wichterheergut Oberhofen, seit 2012 im schönen alten Höchhus Steffisburg. Und manche Leihgaben aus der Sammlung hängen in öffentlichen Gebäuden.

Fern von Spekulation

1964 erwarben der Assistenzarzt und die Primarlehrerin ihr erstes Bild, eine Niesenlandschaft des Thuner Künstlers Willi Waber – mit einem Darlehen von Marlis’ Mutter, das sie später abstottern mussten. Das Kunstinteresse der beiden geht zurück auf den Unterricht von Paul Wyss-Trachsel (genannt WT) am Gymnasium Kirchenfeld und Gottfried Tritten (genannt Tiz) am Seminar Thun, die sie auch zu eigenem Zeichnen und Malen ermunterten.

Später entstanden auf Vernissagebe­gegnungen und Atelierbesuchen ­anregende Künstlerfreundschaften: etwa mit Paul Gmünder und vor allem mit Helene Pflugshaupt und Bendicht Friedli, die heute den Schwerpunkte ihrer Sammlung bilden. Wichtig waren auch die unterstützenden Ankäufe junger, noch wenig bekannter Namen.

«Wir haben nie etwas gekauft in der Hoffnung auf Wertsteigerung oder wegen des Prestiges», betont Marlis Suter. «Aber manchmal sprang uns ein Bild so an, dass wir es einfach haben mussten.» Oft geschah das an Thuner Weihnachtsausstellungen, wo sie immer zu den frühesten Vernissagegästen gehörten.

Dabei erinnert sich Hans Suter an eine Anekdote: Ausnahmsweise ohne seine Frau anwesend, habe er sich in ein abstraktes Bild von Regula Hadorn verliebt, wollte aber den Kaufentscheid nicht allein treffen. Als er an seinem nächsten freien Tag zurückkehrte, hatte das Bild zu seinem Ärger einen roten Punkt – insgeheim gekauft von seiner Frau als Weihnachtsgeschenk für ihn.

Gesicherte Zukunft

Die beiden sind treue Sammler: Sie berücksichtigen oft dieselben Namen und verkaufen kaum je ein Werk. Mit Ausnahme des Gemäldes einer Schulklasse, das im Sprechzimmer von Hans Suter hing und auf dem ein Patient sich wiedererkannte. In der Regel urteilt das Paar spontan oder einigt sich in freundschaftlicher Diskussion. «Wenn nicht, hat er den Stichentscheid, aber ich habe ein Vetorecht», lacht Marlis Suter. So gestalten sie auch ihre Ausstellungen: Er macht einen detaillierten Plan, den sie dann spontan verbessert.

Von ihm stammen die klugen Texte, die den Zugang zu den Werken erleichtern, auch zu zeitgenössischen. Denn Suters sind nicht stehen geblieben bei der klassischen Schweizer Moderne: In ihrer neusten Ausstellung ist auch die Fotokünstlerin Chantal Michel vertreten. Was die gezeigten Werke verbindet, ist eine stille Poesie und oft ein feiner Humor.

Hans und Marlis Suter sind sich einig: «Wir lieben in der Kunst das Schöne, Wohltuende, Aufstellende.» Wobei ihr Gespür für authentische Ausdruckskraft und handwerkliche Meisterschaft sie vor dem allzu gefällig Dekorativen bewahrt. Wir werden ihre Schätze weiterhin geniessen können: Ihr ältester Enkel und die jüngste Enkelin engagieren sich im Förderverein ihrer Sammlung, dem die Gemeinde Steffisburg (die achtzig Werke geschenkt bekam) bis mindestens 2022 einmal jährlich eine Ausstellung garantiert. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.08.2017, 12:25 Uhr

Ausstellung

Unter dem Titel «Traumwelten» sind in Steffisburg ab Sonntag 80 Gemälde und Grafiken aus der Sammlung Suter ausgestellt, unter anderem von Otto Morach, Cuno Amiet, Arnold Brügger, Helene Pflugshaupt, Martha Stettler, Meret Oppenheim, Peter Bergmann, Paul Freiburghaus, Arthur Loosli, Franz Gertsch, Ueli Güdel und Maria Uebersax.

«Sammlung Suter. Traumwelten»: bis 10. September, Höchhus Steffisburg, Di–So, 14–17 Uhr. Vernissage: Heute Samstag, 17 Uhr, im Saal der Kirche Glockental, Steffisburg.

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