Das Blaue vom Himmel

Elsbeth Böniger feiert in ihren Gemälden die ­Farbe, und Christian Indermühle fotografiert Architektur und Landschaften. Zurzeit präsentiert das Künstlerpaar in der Galerie Bernhard Bischoff in Bern gemeinsam erschaffene Stillleben.

Künstlerpaar: Christian Indermühle und ­Elsbeth Böniger stellen derzeit in Bern aus.

Künstlerpaar: Christian Indermühle und ­Elsbeth Böniger stellen derzeit in Bern aus.

(Bild: Beat Mathys)

Helen Lagger@FuxHelen

Elsbeth Böniger erinnert sich noch bestens an die erste Begegnung mit Bernhard Bischoff. Eines Tages habe ein junger und, wie sie betont, schöner Mann an ihrer Ateliertüre geklopft. Der damals 27-jährige Kunsthistoriker habe ihr erklärt, er möchte eine Galerie eröffnen.

Sie meinte bloss: «Gute Idee.» Die damals schon gestandene Künstlerin stellte in Bischoffs erster in Thun stattfindender Ausstellung ihre Gemälde aus. Seither präsentiert Bernhard Bischoff, der sich 2005 in Bern niedergelassen hat, in regelmässigen Abständen Objekte und Malerei von Böniger. In ihrer Malerei betreibt die 1945 in Bergamo geborene Zürcherin Alchemie.

So lässt die Künstlerin etwa Lack und Ölfarbe aufeinander reagieren, es kommt zusammen, was sich eigentlich nicht verträgt. Schlieren, Farbstrudel und manchmal regelrechte Krusten ergeben Bilder, die an Naturschauspiele denken lassen. «Dschungel» (2015) besteht aus einem Dickicht aus leuchtendem Gelb und Grün.

In «Riffstillleben» (2017) ergeben Muscheln und Korallen eine Landschaft. Je nach Lichtverhältnissen ver­ändert sich die Farbigkeit der ­Bilder.

Masken und Muscheln

Nicht der Malerei, sondern der Architektur- und Landschaftsfotografie hat sich der 1945 in Bern geborene Christian Indermühle verschrieben. Indermühle ist der Enkel des bekannten Architekten Karl Indermühle (1877–1933), der unter anderem die Friedenskirche in Bern entworfen hat. Christian Indermühle war selbst als Architekt tätig, hat aber parallel dazu immer auch fotografiert.

Kennen gelernt haben sich Indermühle und Böniger in Zürich. Sie sind seit mehr als vierzig Jahren ein Paar. Die grosse Leidenschaft der beiden ist das Reisen, das sie zu einer Serie von Stillleben inspiriert hat.Die exotisch-geheimnisvollen Stillleben von Böniger und Indermühle sind eine Art Reiseprotokolle. Böniger hat allerlei Trouvaillen arrangiert, Indermühle hat die Inszenierungen analog abfotografiert. Als Hintergründe dienen die Gemälde Bönigers.

«Sonnenuntergang am Kongo» (2017) vereint eine afrikanische Holzmaske, einen chinesischen Pinsel und Früchte. Symbole der Vergänglichkeit feiern ganz im klassischen Sinne des Genres die Schönheit des Momentes. «Wir reisen gerne dorthin, wo keine Touristen sind», verrät Böniger. So seien sie etwa im Süden von Burma gewesen, wofür sie eine Spezialbewilligung gebraucht hätten. Die Reise finde immer zuerst im Kopf statt.

Das ausgiebige Lesen von Bildbänden gehört für die Künstler als Vorbereitung auf ihre Abenteuer dazu. «Das Blaue vom Himmel» (2017) vereint ein abstraktes Gemälde Bönigers mit einem kleinen, dekorativen Papagei, einem Symbol für Geschwätzigkeit. Leuchtend rote Granatäpfel ergeben einen markan­ten Kontrast. Die formschönen Früchte stehen für Fruchtbarkeit, Liebe und Leben, aber auch für die schöpferische Gestaltungskraft der Kunst.

Ausstellung: bis zum 2. Dezember, Galerie Bernhard Bischoff & Partner, im Progr, Bern.

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