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Bonner Museum zeigt Werke aus Gurlitt-Erbe

Die Deutsche Bundeskunsthalle in Bonn präsentiert exemplarische Kunstwerke aus dem Erbe Cornelius Gurlitts. Anfang November startet in Bonn und in Bern eine grosse Ausstellung mit Werken aus dessen Sammlung.

Das Berner Kunstmuseum kann die Gurlitt-Werke ausstellen: Das Oberlandesgericht in München hält den 2014 verstorbenen Kunstsammler Cornelius Gurlitt für testierfähig, wie es am 15.12.2016 mitteilte.
Das Berner Kunstmuseum kann die Gurlitt-Werke ausstellen: Das Oberlandesgericht in München hält den 2014 verstorbenen Kunstsammler Cornelius Gurlitt für testierfähig, wie es am 15.12.2016 mitteilte.
Urs Baumann
Eine Cousine des Verstorbenen hatte die Testierfähigkeit Gurlitts angezweifelt. Bereits in erster Gerichtsinstanz drang die Cousine jedoch nicht durch.
Eine Cousine des Verstorbenen hatte die Testierfähigkeit Gurlitts angezweifelt. Bereits in erster Gerichtsinstanz drang die Cousine jedoch nicht durch.
Keystone
Kommt nach Bern: Courbet: «Schäfer», Gemälde.
Kommt nach Bern: Courbet: «Schäfer», Gemälde.
zvg
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Mehr als fünf Jahre nach der Entdeckung der Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt steht die Aufarbeitung der Herkunft der mehr als 1500 Werke noch vor grossen Schwierigkeiten. Nur mühsam bringen Forscher Licht ins Dunkel. Erst bei gut einem Drittel der Gurlitt-Werke ist die Herkunft ermittelt.

«Wir müssen uns wahrscheinlich damit abfinden, dass bestimmte Provenienzen nie endgültig geklärt werden», sagte Kuratorin Agnieszka Lulinska am Dienstag in Bonn. Anfang November startet im Deutschen Bonn und in Bern eine grosse Doppelausstellung mit Werken aus dem Gurlitt-Erbe.

Rund vier Monate vorher stellte die Bundeskunsthalle am Dienstag erstmals einige Werke vor. Darunter waren ein Gemälde von Monet, Papierarbeiten von Maillol, Boucher und Dürer sowie eine Marmorskulptur von Rodin.

Auch in Bern sind erste Bilder aus der Sammlung Gurlitt eingetroffen. Am kommenden Freitag will das Kunstmuseum Bern seinerseits informieren und Arbeiten präsentieren.

Menschen hinter den Werken

Während sich die Bonner Ausstellung auf den NS-Kunstraub und die oft ungeklärte Herkunft der Werke konzentriert, wird es in Bern um «entartete» Kunst gehen. Rund 200 der in Bonn gezeigten Gemälde und Papierarbeiten stünden unter Raubkunstverdacht, sagte Lulinska.

Bundeskunsthallen-Intendant Rein Wolfs sagte, die Bonner Gurlitt-Schau wolle keine «best-of»-Kunst präsentieren, sondern auch die Schicksale der verfolgten, meist jüdischen Kunsthändler und Sammler darstellen. «Wir wollen die Menschen zeigen, die hinter den Werken stehen.»

Ein gut behütetes Geheimnis

Lange wussten nur gut beschlagene Kunstkenner von der Existenz des Bilderschatzes, den Cornelius Gurlitt in seinem Zuhause in München und einem Häuschen in Salzburg hortete.

Eher zufällig geriet der einzelgängerische Rentner 2010 ins Visier der Deutschen Zollfahnder, die in einem Zug einen älteren Mann kontrollierten, der auffällig viel Bargeld auf sich trug. Bei der Durchsuchung der Wohnung stiessen die Beamten auf einen millionenschweren Bilderschatz unter anderem mit Werken, die seit Jahrzehnten als verschollen galten.

Unter Raubkunstverdacht

Der Name Gurlitt liess aufhorchen, denn Cornelius Gurlitts Vater war einer von den Nazis beauftragter Kunsthändler. Die Sammlung stand unter Raubkunstverdacht. Nach dem Tod des Vaters hütete Sohn Cornelius in aller Verschwiegenheit die Werke, die der Vater einst zusammengetragen hatte.

Im Jahr 2013 wurde der Fund der Deutschen Beamten in Gurlitts Wohnung und dem Häuschen in Salzburg publik - eine Weltsensation. Von einem Milliarden-Fund war zunächst die Rede, doch die Bedeutung relativierte sich rasch. So besteht die Sammlung längst nicht nur aus teuren Ölgemälden, sondern umfasst auch viele Papierwerke.

Nichtsdestotrotz: Rund 1500 Werke, darunter viele der klassischen Moderne, stellten die Deutschen Behörden bei Gurlitt sicher, darunter Werke von Max Beckmann, Franz Marc, Max Liebermann und Otto Dix. Die Sammlung enthält auch Werke, die von den Nazis als «entartete Kunst» verfemt wurden.

Überraschender Entscheid

Der betagte Cornelius Gurlitt vermachte seine Sammlung überraschend dem Kunstmuseum Bern. Über die Gründe für seinen Entscheid wurde lange gerätselt. Klar ist aber, dass Gurlitt Bern kannte, hatte er doch unter anderem Kontakt mit dem Berner Kunsthändler Eberhard W. Kornfeld und über ihn auch Bilder verkauft.

Kurz vor seinem Tod im Jahr 2014 hatte Gurlitt zugestimmt, dass seine Bilder auf ihre Herkunft untersucht werden. Raubkunst sollte an die rechtmässigen Besitzer zurückgegeben werden.

Eine Verpflichtung, die das Kunstmuseum Bern als Erbin des Gurlitt-Fundes vollumfänglich übernommen hat. In einem Vertrag mit Deutschland ist geregelt, dass nur «saubere» Werke nach Bern kommen. Bei Werken mit letztlich ungeklärter Herkunft hat das Kunstmuseum Bern das Wahlrecht.

Werke der «Entarteten Kunst» fallen nicht in die Kategorie Raubkunst, da sie, so die gängige Lehrmeinung, von den Nazis aus den eigenen Museen und Sammlungen entfernt wurden.

Diverse Werke aus dem Gurlitt-Konvolut, die als Raubkunst erkannt wurden, sind unterdessen bereits restituiert worden.

Ein langer Erbstreit mit Verwandten Gurlitts wurde Ende vergangenen Jahres vom Oberlandesgericht in München zu Gunsten Berns entschieden. Damit konnte das Haus das illustre und zugleich auch schwierige Erbe antreten.

SDA/nik

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