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Bend it like Permi Jhooti

Sie war die erste ­asiatische Profifussballerin – und diente als Vorbild für den Film «Bend It Like Beckham». Heute lebt Permi Jhooti als Künstlerin in Basel. Und kommt nun erstmals für eine Ausstellung nach Bern.

Er ist ein freundlicher Geselle. Eigentlich. Doch der Fotograf hat seinen Knochen zu lange inspiziert. Jetzt knurrt der Hund. «Komm, Webster», ruft Permi Jhooti und setzt sich auf einen Stuhl auf der Veranda in der Dachwohnung hoch über dem Rhein. Eine wunderbare Aussicht. Permi Jhooti lebt seit bald zwölf Jahren in Basel, sie kam mit ihrem Mann in die Schweiz, weil er ein Jobangebot von Novartis hatte. Und sie ist geblieben. Zuerst arbeitete die Informatikerin in der Forschung, heute ist sie Künstlerin. Nächste Woche wird in Basel das von ihr lancierte Festival Heart Basel eröffnet. Es will Kunst, Wissenschaft und Technologie zusammenführen. Und im September wird sie zum ersten Mal in Bern ausstellen.

Erste Profifussballerin

Bekannt wurde Permi Jhooti als indischstämmige Fussballerin in England. Die heute 46-Jährige war die erste asiatische Profifussballerin, unter Vertrag bei Chelsea, Millwall und dem ersten britischen Frauenprofiteam, den Fulham Ladies. Ihr Leben diente als Inspiration für den Film «Bend It Like Beckham» – die Geschichte eines indischen Mädchens in London, das gegen den Willen der Eltern Fussball spielt, sich in den Trainer verliebt und schliesslich Profi wird. Der Film wurde ein Welterfolg.

Doch das ist lange her. Permi Jhooti will nicht mehr Fussball spielen – auch wenn sie mehrere Male von Basler Fussballteams darum gebeten wurde. «Fussball war superwichtig für mich, aber das ist meine Vergangenheit», sagt sie jetzt und streichelt ihre Katze Wilma, die ihr auf den Schoss gesprungen ist und fordernd miaut. «Damals musste ich kämpfen, um mein Leben zu leben. Von allen Seiten wurden mir Regeln vorgegeben: Die Briten wollten es so, meine indische Familie so, und ich fühlte mich zwischen diesen Ansprüchen total orientierungslos. In der Schweiz musste ich endlich nicht mehr für meine Freiheit kämpfen. Darum passte auch das Fussballspielen nicht mehr. Jetzt mag ich fröh­liche Sachen: Tanzen, Paddeln, Wandern in den Bergen.»

Dann die Hungerjahre

Doch der Freiheitsdrang ist geblieben: «Wenn ich auf einen Gipfel steige, dann muss ich einfach runterrennen. Ich kann nicht anders. Ich fühle mich dann so lebendig.» Als Mädchen sei dies ihr grosser Traum gewesen: frei auf einem Berg zu stehen.

In der Schweiz könnte sie das eigentlich jeden Tag tun – doch in letzter Zeit hat Permi Jhooti selten Zeit dafür. Sie hat als Künstlerin alle Hände voll zu tun. Dies nach einigen Hungerjahren. Permi Jhooti war schon fast so weit, dass sie nach London zurückgekehrt wäre: «Vorher hatte ich als Informatikerin viel verdient – und jetzt plötzlich nichts mehr», sagt sie. Erst die Möglichkeit, ihr eigenes Festival auf die Beine zu stellen, gab ihr wieder Aufwind.

Für die Kunst hatte sie sich aus freien Stücken entschieden. Nach einigen Jahren im Job brauchte sie eine Pause. Sie kaufte sich eine spezielle Kamera, die Bewegung aufzeichnen konnte. Lernte die Handhabung, experimentierte und war begeistert: «Programmieren ist ja sehr kreativ, nur sieht man das dem Resultat nicht an. Doch mit dieser Kamera fand ich einen Weg, die Schönheit des Programmierens zu Visualisieren», sagt sie.

Das Ergebnis sind Videos und Bilder, auf denen Menschen und Tiere durch farbige Linien, Flecken und Tupfen auf ihre Bewegungen reduziert werden. Ästhetisch schön – unabhängig vom Geschlecht oder der Hautfarbe. Und das ist, was Permi Jhooti an dieser digitalen Kunst besonders gefällt: «In meinem bisherigen Leben wurde ich immer wieder gefragt: Wie ist es, als Frau Fussball zu spielen? Wie ist es, als Inderin Fussball zu spielen? Dabei wollte ich doch nur Fussball spielen.» Bei ihren Bildern können diese Fragen endlich nicht mehr gestellt werden.

Die Leidenschaft kam zurück

Ihre Haustiere sind oft Ausgangspunkte für ein Kunstwerk. Oder der Balletttänzer Jorge Garcia Perez, den sie heute als ihre Muse bezeichnet. Er war für die Wende in ihrem Leben mitverantwortlich. Mit ihrem Mann besuchte sie vor sieben Jahren einen Charity-Event im Theater Basel. Es gab eine Ballettvorführung, sie dachte, es würde sie langweilen. «Ich hatte zuvor nur klassisches Ballett gesehen, das mochte ich nicht, es hatte zu viele Regeln für mich, erinnerte mich an mein früheres Leben.» Doch nun präsentierten zwei Tänzer ein Stück aus «Carmen». «Ich meinte immer, Fussball sei der Sport, bei dem man am meisten ans Limit gehen kann. Doch nun sah ich diesen Tanz, diese Leidenschaft. Und ich wusste: Ich muss diese Leidenschaft wieder haben.» Einer dieser Tänzer war Perez und der Abend ihre Initialzündung als Künstlerin.

Permi Jhooti sitzt ruhig auf dem Stuhl. Sie ist eine sehr zier­liche Person, wird nie laut und spricht ein so wohlklingendes British English, dass ihre Aussagen nie pathetisch wirken. Als Nächstes will sie sich für den Schweizer Pass bewerben. Das Schwierigste ist die Sprache. «Es sprechen ja sofort alle Englisch mit mir», sagt sie, «nur mit den alten Damen auf der Strasse kann ich Deutsch üben.» Die Nachbarinnen trifft sie, wenn sie mit Webster spazieren geht. Entlang des Rheins. Als ob ers gehört hätte, wedelt Webster freudig mit dem Schwanz. Endlich hat sein Frauchen wieder Zeit für ihn.

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