Anbaustopp führt zu Defizit beim Kunstmuseum

Das Geschäftsjahr 2017 bescherte dem Zentrum Paul Klee einen Besucherrückgang und dem Kunstmuseum ein Defizit.

Die Ausstellung mit Werken aus dem Gurlitt-Erbe zog im Herbst viel Publikum ins Kunstmuseum. Trotzdem gab es 2017 rote Zahlen.

Die Ausstellung mit Werken aus dem Gurlitt-Erbe zog im Herbst viel Publikum ins Kunstmuseum. Trotzdem gab es 2017 rote Zahlen.

(Bild: Keystone)

Stefanie Christ@steffiinthesky
Michael Feller@mikefelloni

Eigentlich war 2017 das Jahr des Kunstmuseums Bern. Mit dem ersten Teil der «Bestandesaufnahme Gurlitt» konnte das Museum erstmals Werke aus dem Nachlass des Nazikunsthändlers Hildebrand Gurlitt ausstellen. Ein Hit.

Trotzdem steht ein Verlust von rund 1,7 Millionen Franken in der Bilanz des Kunstmuseums, das am Dienstag zusammen mit dem Zentrum Paul Klee seine Zahlen veröffentlichte.

Teurer Planungsstopp

Die Kunst trifft dabei keine Schuld: Ein geplantes Erweiterungs- und Sanierungsprojekt musste kurz nach der Präsentation gestoppt werden. Das zu grossen Teilen vom Kanton finanzierte Museum schrieb den Auftrag nicht öffentlich aus, sondern erteilte ihn einem museumsnahen Architekturbüro.

Die Berner Architekturszene protestierte – mit Erfolg. Nun weist die Jahresrechnung 2,5 Millionen Franken Aufwand für das Projekt aus. Laut Stiftungsratspräsident Jürg Bucher schlugen «die Planungskosten nur zu einem kleinen Teil» zu Buche.

Das Geld sei also nicht einfach verlustig gegangen. Der Betrag beinhalte zum grössten Teil bereits ausgeführte dringende Sanierungsarbeiten aus den letzten Jahren. Weitere Arbeiten stehen an: Die Klimaanlage stellt nach wie vor ein Betriebsrisiko dar.

Finanzieller Engpass

Die andere augenfällige Zahl in der Abrechnung steht in Zusammenhang dazu: Das Kunstmuseum hat 2017 eine 3-Millionen-Franken-Hypothek aufgenommen. Laut Bucher handelte es sich dabei um eine «Liquiditätsüberbrückung».

Dem Museum hätten vorübergehend die flüssigen Mittel gefehlt. Bucher beteuert aber, dass jetzt «finanziell alles bereinigt» und buchhalterisch eine «stabile Grundlage» geschaffen wurde.

Ein Ziel, das Bucher im Zusammenhang mit der Zusammenführung von Zentrum Paul Klee und Kunstmuseum formuliert hat, wurde erreicht. Die beiden Häuser haben Synergien genutzt und 720'000 Franken gespart, die der Kunst zugutekommen sollten. Gurlitt gibt Schub

Dank der ersten Gurlitt-Ausstellung konnte das Kunstmuseum erfreulich viele Besucher empfangen: 121'400. Das sind rund 11'000 mehr als 2016. Weniger ­erfreulich siehts beim Zentrum Paul Klee aus. Mit 135'197 Besuchern liegt es deutlich unter dem Wert des Vorjahrs (177'000).

Stellt das Kunstmuseum Bern mit dem Gurlitt-Hype das ZPK in den Schatten? Nein, lässt das Museum verlauten. Der Grund für das schlechte Abschneiden liege in der Ausstellung «Ten Americans». Sie sei deutlich unter den Erwartungen geblieben und habe die Bilanz getrübt.

Berner Zeitung

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