Zentrum Paul Klee prüfte Klage wegen Finanzfehlern

Bern

Finanziell unter Effizienzdruck, mit der Dachstiftungslösung halb zufrieden und mit internen Differenzen auf Trab: Für ZPK-Direktor Peter Fischer ist das Jubiläumsjahr keines zum Zurücklehnen.

¨Hat das Zentrum Paul Klee punkto Finanzen wieder auf Kurs gebracht: Peter Fischer, Direktor am Zentrum Paul Klee im Gespräch.

¨Hat das Zentrum Paul Klee punkto Finanzen wieder auf Kurs gebracht: Peter Fischer, Direktor am Zentrum Paul Klee im Gespräch.

(Bild: Stefan Anderegg)

Oliver Meier@mei_oliver

Herr Fischer, sind Sie ein Zauberer?Peter Fischer:Nicht, dass ich wüsste. Wieso?

Nächste Woche präsentieren Sie zu dritten Mal in Folge schwarze Zahlen. Das ist die Bestätigung des eingeschlagenen Kurses.

Wie haben Sie das möglich gemacht? Wir bluten still. Es war schon ein Kunststück, so zu sparen, dass man es von aussen nicht wahrnimmt.

Konkret? Als Erstes habe ich die Organisation verschlankt. Dann die Buchhaltung neu aufgestellt. Das war eine einschneidende Sache. Wir wissen nun jederzeit, wo wir finanziell stehen, und können sofort reagieren.

Sie hatten mit den Altlasten Ihrer Vorgänger zu kämpfen. Hat Sie das geärgert? Ja. Weil mir das bei der Anstellung niemand gesagt hat. Auch der Stiftungsrat hatte das nicht so richtig realisiert. Es fehlte an Transparenz. Erst mein kurz vor mir neu angestellter Finanzchef hat das volle Ausmass aufgedeckt. 2011 haben wir dann 1,3 Millionen Franken ausgebucht und einen Neuanfang gemacht.

Klingt nach Misswirtschaft in den Jahren zuvor. So würde ich das nicht nennen. Die Frage ist, mit welchem Bewusstsein man an die Rechnung herangeht. Und es gibt durchaus verschiedene Methoden, wie man mit Rückstellungen umgeht.

Hat der Stiftungsrat seine Kontrollfunktion zu wenig wahrgenommen? Ich rechne es dem Stiftungsrat hoch an, dass er nach meinem Amtsantritt den Schritt zur finanziellen Transparenz gemacht hat. Es gibt genügend Juristen im Stiftungsrat, Sie können mir glauben: Die Abklärungen verliefen sehr konsequent und auch selbstkritisch. Man kam zum Schluss, dass aus der Vergangenheit keine rechtlichen Konsequenzen gezogen werden müssen.

Trotzdem: Es wirft ein schlechtes Licht auf Ihre Vorgänger. Es war eine Verkettung mehrerer Umstände, die zur Situation geführt hat. Der wichtigste war die Unterfinanzierung von Anfang an. Die Politik hat gewusst, dass es nicht aufgehen kann. Und die Verantwortlichen mussten sehen, wie sie über die Runden kommen. Es ist nicht so, dass irgendetwas absichtlich versteckt worden wäre, man hätte die Finanzen einfach anders ausweisen müssen.

Hat die Politik bei der Gründung Fehler gemacht? Die Betriebs- und die Unterhaltsbeiträge sind nicht festgeschrieben worden. Das hat sich gerächt, ja. So ist das bei grossen Würfen: Sie sind toll, aber sie müssen auch langfristig unterhalten werden. Ein Problem ist: Die Maurice E. and Martha Müller Foundation, die den Bau bezahlte, hatte danach keine Mittel übrig für den Unterhalt. Das hat man ja vorausgesehen und vereinbart, dass dann die öffentliche Hand dafür aufkommt. Öffentliche Gelder fliessen jetzt aber nur in den Unterhalt, nicht in Rückstellungen für künftig anfallende grosse Sanierungen. Die wird man gesondert finanzieren müssen wie beim Stadttheater. Und das heisst auch: Man wird dann wieder kämpfen müssen für die Mittel.

Wann steht die erste grosse Sanierung an? Wir rechnen mit einer ersten Sanierungsetappe 2020 oder 2021. Eine zweite, happigere Tranche wird Mitte der 2030er-Jahren folgen.

Schon? Das ist normal, wir stehen gut da. Das Gebäude erweist sich als sehr solide. Aber wir beginnen jetzt zu planen. Die Sanierung braucht Vorlauf und einen politischen Prozess.

Das ZPK wird das Image eines Sorgenkindes nicht recht los. Was tun Sie, um das Image aufzupolieren? Wir versuchen es nicht aufzupolieren, sondern zu korrigieren. Wir haben derzeit keine finanziellen Forderungen an die Politik. Das Parlament wird zufrieden sein mit dem neuen Subventionsvertrag, den wir gerade aushandeln. Wir treten jetzt den Beweis an, dass wir gut arbeiten.

Merkt das auch das Publikum? Auch bei den Besucherzahlen stimmt der Trend. Letztes Jahr kamen 111'000 nur schon für die Ausstellungen; eine Steigerung um 10 Prozent.

Ihr Ziel? Ich habe immer gesagt: Eine vernünftige Grösse wäre ab 120'000.

Was braucht es dafür? Wir müssen ein konstant hohes Niveau halten. Der Weg dorthin führt über die künstlerische Ausrichtung und die Art und Weise, wie wir die Besucher ansprechen.

Sie müssen auch die Berner wieder vermehrt ins Museum locken. Die sagen: «Klee? Hab ich schon gesehen.» Wir hatten letzten Sommer eine Ausstellung «Taking a Line for a Walk» – fast ohne Klee. Im Herbst zeigten wir Antony Gormleys «Exspansion Field» – ohne Klee. Und jetzt Henry Moore. Wir wollen mit markanten Ausstellungen zeigen, dass wir neben Klee auch eigenständige Sachen machen.

Janine Aebi-Müller, die Tochter des Museumsstifters, wehrt sich resolut dagegen. Sie will den Willen ihres Vater mit allen Mitteln verteidigen: «Keine Ausstellung ohne Klee». Es geht um die Frage des Ermessensspielraums bei der Auslegung der Statuten, und der muss gross sein, das habe ich schon bei meinem Anstellungsgespräch klargemacht. Wir haben eine zeitgenössische Architektur und ein zeitgenössisches Kulturvermittlungskonzept – es wäre absurd, hier keine zeitgenössische Kunst auszustellen. Aber klar: Wer will, soll immer irgendeinen Link zu Klee herstellen können.

Frau Aebi sagt, ihre verstorbenen Eltern würden das Geld heute nicht mehr fürs ZPK hergeben, wenn sie wüssten, was damit gemacht werde. Ich weiss nicht, was ich damit anfangen soll. Maurice E. Müller war der weltbeste orthopädische Chirurg, nicht der weltbeste Museumsfachmann. ZPK-Architekt Renzo Piano, mit dem wir in engem Kontakt stehen, sagt immer: Das Haus muss leben, sich weiterentwickeln. Ich kann mir schwer vorstellen, dass sich Maurice E. Müller dem verschliessen würde.

Im Sommer erhält das ZPK mit dem Kunstmuseum eine gemeinsame Dachstiftung. Trotzdem plant das Kunstmuseum für sich eine eigene Gegenwartsabteilung. Wird da ohne einen Seitenblick gewurstelt? Das sind Einzelaktionen, die wir akzeptieren müssen. Die Annäherung war ein schwieriger Prozess. Es gibt Befindlichkeiten. Und wir haben uns entschieden, die zu respektieren, damit wir weiterkommen. Dazu gehört, dass wir uns nicht in die Raumerweiterungsgeschichte einmischen. Das Kunstmuseum weiss um die Möglichkeiten hier im Haus. Die Ideen sind da.

Wie sehen die aus? Zum Beispiel, dass man mit dem Raum, der hier zur Verfügung steht, anders umgeht. Ich würde im Südhügel (wo heute die ZPK-Verwaltung untergebracht ist, d. Red.) Klee zeigen, intim, das hat die richtige Grösse. In der Mitte wären unten Wechselausstellungen und oben die grosse Halle für die Gegenwartskunst, 1700 Quadratmeter, das gibt es nur einmal in der Schweiz. Dort könnte man mit zeitgenössischen Kunstschaffenden in ortsspezifischen Projekten arbeiten, nach dem Vorbild der Turbinenhalle der Tate Modern. Das heisst nicht, dass das Kunstmuseum auf Zeitgenössisches verzichten müsste. Um Bezüge innerhalb der Sammlung zu machen, reicht die geplante Raumerweiterung sicher. Aber für grosse Wechselausstellungen zur Gegenwartskunst ist sie viel zu klein.

Interessant. Nur sind Ihnen die Hände gebunden. Sie müssen auf den neuen Stiftungsrat hoffen. Ja klar, so muss es sein. Und das sind ja einfach Ideen.

Damit wollen Sie sich bestimmt nicht begnügen. Dies hier ist das ZPK, nicht das Zentrum Peter Fischer. Ich arbeite hier, solange ich im vorhandenen Rahmen etwas Interessantes und aus meiner Sicht Sinnvolles machen kann. Und bis jetzt war das ja auch der Fall.

Rivalitäten gibts auch bei anderen Themen: Sie waren nicht gerade erfreut, dass Sie als Partnerinstitution beim Gurlitt-Erbe nicht involviert wurden. Man kann dem auch Gutes abgewinnen, zum Beispiel, dass wir unsere Energie darauf verwenden konnten, für unser Jubiläumsjahr ein grossartiges Programm vorzubereiten.

2012, kurz nach Ihrem Antritt, haben Sie sich als Fusionsbefürworter geoutet. Für Sie muss die Minimallösung Dachstiftung eine Enttäuschung sein. Da bin ich flexibel genug. Als ich sah, dass meine Vorstellungen nicht realisierbar sind, habe ich mich darauf konzentriert, das ZPK zu sanieren. Wir könnten heute sehr gut auch ohne das Kunstmuseum überleben.

Hat die Dachstiftung das Potenzial, neue Geldquellen zu erschliessen? Sicher. Und da spiele ich den Ball relativ offensiv dem neuen Stiftungsrat zu. Jürg Bucher, der designierte Präsident, verfügt als früherer Postchef durchaus über die nötigen Kontakte.

Die Post als künftige Hauptsponsorin? Ja, wieso nicht einer der ehemaligen Regiebetriebe des Bundes? Sie richten sich zu sehr auf den Sport aus, als ob alle ihre Kunden auf Sport stünden. Das ZPK wäre für sie ein sehr attraktiver Partner.

Sie haben also konkrete Erwartungen. Ja, was die Mittelbeschaffung betrifft, sogar grosse. Die Dachstiftung steht und fällt damit, was sie umsetzt.

Stets wird mit Blick auf die Annäherung von Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee von Synergiegewinn gesprochen. Wo liegt das Potenzial konkret brach? Darüber will ich erst mit Jürg Bucher sprechen. Aber klar ist: Finanzielles Synergiepotenzial gibt es nur, wenn man wirklich zusammenarbeitet, was natürlich auch Manpower und Infrastruktur einschliesst.

Welche gemeinsamen Ausstellungen sind mit dem Kunstmuseum geplant? Wir bereiten für 2016 eine grosse Doppelausstellung mit chinesischer Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg vor. Für andere Projekte gibt es Ideen, aber wir warten ab, wie eng die Zusammenarbeit tatsächlich ausgestaltet wird.

Rechnen Sie angesichts der Rivalitäten damit, dass ein wirkliches Zusammenrücken möglich wird? In ein, zwei Generationen werden die Museen quasi fusioniert sein. Die Dachstiftungslösung ermöglicht uns, einen Entwicklungsschritt zu machen. Doch die Lösung mit zwei de facto immer noch autonomen Stiftungen holt nicht das Maximum heraus. Dafür müsste es eine einzige, stringente künstlerische Linie geben.

Falls der neue Stiftungsratspräsident findet, eine künstlerische Leitung für beide Institutionen mache mehr Sinn als zwei: Stehen Sie als Superdirektor zur Verfügung? Eine künstlerische Leitung wäre natürlich die Ideallösung. Ob ich das machen würde oder nicht, ist sekundär. Ich werde nächstes Jahr sechzig, da mach ich nur noch Sachen, hinter denen ich voll stehen kann. Ich würde aufgrund des Jobbeschriebs entscheiden, ob ich mich bewerben sollte.

Berner Zeitung

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