Über Sinn und Unsinn von Kultur-Subventionen

Am Montag fand im Bonsoir die 5. Ausgabe der Diskussionsrunde «Bonsoir Jardin» statt. Dort wurde über Subventionen, die Kunsthalle und Kultur diskutiert.

Im Klub Bonsoir in der Aarbergergasse diskutierten am Montag in der 5. Runde des «Bonsoir Jardin» Georg Weinand, Veronica Schaller, der Moderator Christian Lundsgaard-Hansen und Marlen Bigler (v.l.).

Im Klub Bonsoir in der Aarbergergasse diskutierten am Montag in der 5. Runde des «Bonsoir Jardin» Georg Weinand, Veronica Schaller, der Moderator Christian Lundsgaard-Hansen und Marlen Bigler (v.l.).

(Bild: Claudia Salzmann)

Am Montagabend wurde im Klub Bonsoir über «Kultur, Subventionen und Markt» diskutiert. Zu Gast an der 5. Ausgabe des «Bonsoir Jardins» waren die städtische Kultursekretärin Veronica Schaller, Dampfzentrale-Chef Georg Weinand und Marlen Bigler – die Präsidentin des Jungfreisinns der Stadt Bern.

In der Diskussion ging es insbesondere um die Fragen, ob Kultur Subventionen brauche, welche Kultur fördernswert sei, ob Kultur rentieren muss, was gegen die Umstrukturierung der Kunsthalle spreche und wie man die allgemeine Finanzierung von den «überteuerten Hobbies» Weniger rechtfertigen könnte. Wie dieses Sammelsurium an Fragen bereits zeigt, war es denn auch unmöglich, in knapp zwei Stunden eingehend darüber zu diskutieren.

Zuerst die Kunsthalle, dann die Welt

Einen steilen Einstieg in die Diskussion lieferte Marlen Bigler, die zugab: «Ich war noch nie in der Kunsthalle.» Damit disqualifizierte sie sich selber, denn ihre Partei war es, die im August forderte, die Kunsthalle zu schliessen. Die junge FDP kritisierte damals in ihrer Mitteilung, dass jeder Eintritt mit 114 Franken subventioniert sei.

Bigler zitierte stattdessen einen Parteikollegen: «Ich bin rein, habe eine schöne Halle gesehen und nach fünf Minuten war ich wieder draussen.» Darauf reagierte eine Mitarbeiterin der Kunsthalle, die im Publikum sass. Sie begrüsse es, wenn die Kunsthalle in der Öffentlichkeit diskutiert werde, doch: «Wenn man die Ausstellungen nicht versteht, dann muss Kultur besser verständlich gemacht werden», meinte sie. Dies fange bereits da an, dass der Besucher sich Zeit nehme, aber auch Angebote wie Führungen nutze.

«Warum fördert man nicht Künstler, die einen Mehrwert für die Gesellschaft haben?», warf Bigler in die Runde. Schaller meinte darauf, dass viele bekannte Künstler ihre erste Ausstellung in der Kunsthalle machten, bevor sie in die grosse weite Welt zogen.

Neugierig auf Kultur

Das Ziel von Subventionen sei es, zeitgenössische Kultur zu fördern und so den Künstlern ein Schaffen zu ermöglichen, ohne am Hungertuch zu nagen, sagte Schaller weiter. Und damit Professionalität zu fördern, ergänzte Weinand. Oder eine Starthilfe geben, wie es ein Musiker aus dem Publikum einwarf.

Wie bringen wir Kultur der Bevölkerung nahe? «Doch nicht mit einem Fussballspiel im Museum, damit junge Männer eine Ausstellung besuchen», sagte Schaller. Sie wünschte sich, dass die Gesellschaft neugieriger sei: «Wie die Leute ins Kino gehen, sollten sie auch in die Museen und Theater gehen, und sehen, was Kulturschaffende für sie bereithalten.»

Rentabilität versus Mehrwert

Georg Weinand äusserte sich aus der Sicht der Dampfzentrale zu Rentabilität im kulturellen Bereich: «Uns ist der kulturelle Mehrwert wichtig. Wir haben ein breites Publikum, an einem Abend gibt es Klassik und am nächsten Dark Metal. Die einzigen Personen, die beide Veranstaltungen besuchen, sind ich und der Barkeeper», sagte Weinand. Er sieht in den Leistungsverträgen mit der Stadt insbesondere die Vorteile der Planungssicherheit, aber auch dass man alle vier Jahre seine Ziele überdenken müsse. «Dennoch haben wir einen Eigenfinanzierungsgrad, mit Raummiete und Ticketeinnahmen», erklärte er weiter.

Grundsätzlich drehte die Diskussion über den Sinn und Unsinn von Subventionen. Philosophisch könnte man noch weiter gehen: «Das Leben ginge auch ohne Kultur, wohl sogar ohne Schule», erklärte Schaller. Wichtig sei doch, was die Kultur der Gesellschaft bringe. Und zitierte den Berner Künstler Paul Klee: «Unsichtbares sichtbar machen.»

cla

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