Sind Museumsbesucher Gurlitt-müde?

Mit bisher 25'000 Eintritten konnte die zweite Gurlitt-Ausstellung des Kunstmuseums Bern deutlich weniger Interessierte anlocken als die erste.

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«Bestandesaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen» heisst die zweite Ausstellung des Kunstmuseums Bern, die Werke aus der Sammlung Cornelius Gurlitts der Öffentlichkeit zugänglich macht. Mit dem Stichwort Kunstraub ist einer Kunstinstitution in der Regel die Aufmerksamkeit sicher.

Dennoch verzeichnete die Schau mit Gemälden von Claude Monet, Jean-Baptiste Camille Corot, Gustave Courbet, Edouard Manet oder Pierre-Auguste Renoir deutlich weniger Besucherinnen und Besucher als der Vorgänger «‹Entartete Kunst› – Beschlagnahmt und verkauft», der von November bis März 90'000 Interessierte aus der Region und dem Ausland anlocken konnte.

Das Museum führte aufgrund des regen Interesses im Herbst 2017 sogar ein Onlineticketportal ein, und lange Warteschlangen vor der Kasse gehörten zum alltäglichen Bild.

Keine Erklärung im Museum

Sind die Kunstinteressierten, die seit der Entdeckung des Konvoluts von Cornelius’ Vater und ­Nazi-Kunsthändler Hildebrand Gurlitt im Jahr 2013 mit einer Fülle an Nachrichten bedient werden, nun langsam Gurlitt-müde?

Oder gibt es einen anderen Grund, warum das Publikum wenig Interesse an jenen Werken zeigt, die grobe Lücken in ihrer Herkunftsgeschichte aufweisen und bei denen zum Teil vermutet wird, zum Teil aber auch belegt ist, dass sie von den National­sozialisten während des Zweiten Weltkriegs geraubt wurden? Wurde zu stark die Historie beleuchtet und dem ästhetischen Ausstellungserlebnis zu wenig Tribut gezollt?

Im Museum selbst kann man sich die unterschiedlichen Be­sucherbilanzen nicht erklären: «Wir waren selbst überrascht, dass das Interesse an den bei­den Ausstellungsteilen so unterschiedlich war», sagt Thomas Soraperra, kaufmännischer Direktor, auf Anfrage.

Immerhin: Das Medienecho fiel sehr wohlwollend aus. Die Ausstellung, die noch bis zum kommenden Sonntag, 15. Juli, läuft, stellt nicht nur Meisterwerke aus dem Überraschungsfund vor, den das Museum 2014 nach dem Tod von Cornelius Gurlitt geerbt hat, sondern beleuchtet auch die Rolle der Schweiz während des Dritten Reichs. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.07.2018, 10:28 Uhr

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